1303 Im 4/4-Takt zum Sieg

Meine furchtlose Armee marschiert tapfer ihrem ungewissen Schicksal entgegen. An forderster Front die Tatepons, schwerbewaffnete Nahkämpfer, die todesmutig jedem Feind entgegenstürmen oder standhaft die hinteren Reihen mit ihren riesigen Schilden die hinteren reihen schützen. Aus zweiter Reihe schleudern die Yaripons ihre brennenden oder stählernen Speere dem Feind entgegen, die schon kurze Zeit später vor Schmerzen gekrümmt und Ka-Ching umherschmeissend am Boden liegen und dematerialisieren. Den Rest erledigen die Yumipons aus der dritten Reihe. Mit Pfeil und Bogen haben sie die größte Reichweite meiner Krieger – unerläßlich bei der Jagd und unverzichtbar gegen die sich sammelnden feindlichen Horden vor den Schilden der Tatepons.
So rücken sie, das Pata-Pata-Lied vor sich hinsummend, dem flinken Wächter Dodonga entgegen, ihn zu stellen und ihm seiner Schätze zuberauben. Ich, ihr Gott, von der Priesterin Meden vorrausgesagt, ändere schnell das Lied meiner Trommeln und schlage das Pon-Pon-Lied an. Meine Patapons geraten in den Fever-Modus, nun sind ihre Angriffe stärker, ist ihr Schutz größer und es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis es ein Fest mir zu Ehren gibt. Auf der Karte steht heute Dodongas Kopf als Hauptgericht.
So oder so ähnlich spielt sich eins der raffiniertesten Geschicklichkeits- /Puzzle- /Echtzeitstrategiespiele, die es derzeit auf der PSP gibt. In dem Spiel Patapon übernimmt man die Rolle eines Gottes, der mit hilfe von vier verschiedenen Trommeln seiner kleinen, einäugigen Armee Befehle gibt. Dabei beschränkt man sich auf sechs einfache Melodien, welche die Patapons z.B. zum Weitermarschieren oder zum Angriff auffordert. Hat man es zehn mal hintereinder geschafft, fehlerfrei eine Melodie zu schlagen, geraten die Zwerge in den Fevermodus, der ihre Angriffe oder den Schutz verstärkt oder ein Minispiel startet, welches ein Wunder bewirken lässt. Klar gibt es Wunder, schließlich ist man doch ein Gott. Allerdings braucht man diese Wunder nicht unbedingt häufig, um zum Sieg zu kommen. Genaugenommen brauchte ich jedes Wunder bisher nur ein Mal, aber ich bin ja auch noch nicht sonderlich weit… hoff ich zumindest, da das spiel irgendwie kurzweilig wirkt. Das ganze wird allein dadurch aufgeblasen, dass man ständig und immer wieder jagen gehen muss. Jagdgebiete sind bestimmte Bereiche der Karte, wo ein paar Tiere, eigentlich immer nur zwei verschiedene mit unterschiedlicher Bemalung, darauf warten, dass ich sie mit Speer und Pfeil abschießen lasse. Das tut man aber auch nur, weil sie Fleisch und Ka-Ching fallen lassen. Fleisch dient dazu, neben anderen Materialen, Patapons bzw. noch stärkere Patapons herzustellen. Ka-Ching macht im Prinzip das Selbe, nur mit dem Unterschied, dass man davon immer zu wenig hat, weswegen man dann auch immer wieder jagen geht. Okay, in manchen Gebieten enttarnen sich die harmlosen, immer weglaufenden und kaum noch erreichbaren Tiere als riesige Krabben oder irgendwas fliegendes mit Zähnen. Aber das macht nichts. Das trainiert das (Achtung Wortspiel) Taktgefühl, denn später ist es schon wirklich sehr schwer den Takt bei zubehalten, die passende Musik zu spielen und dann auch noch zu betrachten, was da auf dem Bildschirm eigentlich passiert. Der ein oder andere ist damit sicher überfordert. Vor allem, wenn man sich dann dabei erwischt, wie man wieder vor einem fiesen Mittel- oder Endgegner steht und sich die Patapons an dessen Knien die Köpfe platt laufen und man voller Panik versucht, das Angriffslied zu spielen, während eben jener Endgegener munter die kleinen Soldaten verspeist.
Aber das ist alles halb so schlimm, die kleinen Kerle sind schon ganz schön zäh und gestorbene Patapons werden einfach direkt nach der Mission wiederbelebt, sofern man es geschafft hat, deren Leichen, in Form von Mützen, aufzusammeln. Wenn ich das so lese, klingt das nach ziemlichem Quatsch, aber es funktioniert und passt ins Spiel. Allerdings muss ich dem Spiel doch den Stempel “Ziel verfehlt” aufdrücken. Denn dadurch, dass man ständig damit beschäftigt ist den Takt einzuhalten, kann man sich auf nichts, aber auch wirklich gar nichts, anderes konzentrieren. Nebengeräusche, wie Musik, oder vielleicht auch das Rattern der U-Bahn, wirken störend und verwirrend und so kann man das Spiel nur für sich allein in der stillen Kammer spielen. Das ist, glaub ich, nicht ganz der Sinn eines Handhelds. Aber es macht Spaß, auch, wenn man schon zum zehnten mal die immer schwerer werdenden Endgegener besiegt, weil man hofft, sie hinterlassen neue Waffen, die man den Patapons direkt in die Hand drücken kann. Wenn man allerdings neue Mützen kriegt, ist das eher blöd, weil hochwertigere Patapons, aus welchen Gründen auch immer, keine Mützen mehr tragen können. Da muss man dann überlegen, ob man einen hochwertigen Patapon direkt hinrichtet, um ihn durch einen billigen kleinen zu ersetzen, um ihm eine Mütze anzuziehen, von der man auch nicht direkt weiß, wozu sie gut ist. Aber es macht Spaß – wirklich. Und sollte es mal kurz nicht Spaß machen, dann widmet man sich einem, der zahlreichen Minigames. Das Prinzip dieser Spiele ist dem Hauptspiel recht ähnlich. Man muss in einem bestimmten Takt die O-Taste drücken um so zum Beispiel einen Baum zum schütteln seiner Krone zu bringen, der dadurch Materialien fallen lässt oder eine Pflanze bewässern und pflegen die einem dafür dann auch Materialen schenkt oder aber man spielt eine vorgegebene Melodie auf den Zehen eines neugeborenen Berges, der einem dafür… ihr wisst schon. (Was schreib ich hier eigentlich?)
Was steckt da für eine Story hinter, wird sich der geneigte Leser nun fragen. Die Story ist eigentlich schnell erklärt: Die Patapons wurden von den bösen, rotäugigen (rot=böse) Zigatons aus ihrem Heimatland Erdend vertrieben und eingesperrt bis endlich ihr Gott, also der Spieler in alter “Black & White”-Manier, die Schicksale der Patapons in die Hand nimmt und sie nach Erdend zurückführt. Außerdem wollen sie noch ES sehen, zumindest spricht die Priesterin Meden ständig darüber. Aber mal unter uns: Sie weiß glaub ich selbst nicht genau, was ES ist.
Schlußendlich kann ich aber sagen, dass sich der geneigte PSP-Spieler unbedingt zumindest mal die Demo aus dem Playstationstore laden sollte, da es sich bei Patapon um einen der wenigen PSP-only-Titel handelt, den man nicht einfach an sich vorrüber ziehen lassen sollte. Wer sich allerdings zuvor noch ein paar Videos zu dieser Überraschung aus Japan antun möchte, kann das hier und hier und sowieso bei youtube tun.
Ich jedenfalls muss glaub ich demnächst in Therapie, da ich mich ab und zu dabei erwische, wie ich “Pata-Pata-Pata-Pon” beim Laufen nuschle.




