2607 Bericht vom Motorcycle Jamboree in Jüterbog
Eigentlich habe ich schon einen ganz tollen Bericht geschrieben, aber der war so langweilig zu lesen, dass ich das euch nicht antun möchte. Stattdessen gibts mit chronologischer Unordnung einige Anekdoten zum Treffen, vielleicht auch nur in Stichpunkten, auf jeden Fall aber nicht ganz so langweilig.
Als ich am Freitag ankam, waren die Gemüter unserer Leute (wir waren so eine 10-bis-15-Menschen-Gruppe) teilweise schon ein bisschen erhitzt. Es ist ja so, dass man gerne schon mal ein paar Tage früher zu so einem Treffen fährt, um sich ein Grundstück abzustecken. So machen wir das schon seit Jahren und jeder respektiert diesen abgesteckten Platz des Anderen. Nun war es aber so, dass einige Leute der Meinung waren, unser Grundstück quasi zu verkleinern, weil sie einen Weg brauchten. Lasst euch das mal auf der Zunge zergehen. Dementsprechen waren unsere Leute, aber auch unsere Quasinachbarn ziemlich sauer. Allerdings mussten wir nicht lange auf unsere Rache warten. Schon am Samstag setzte beständiger Regen ein. Unterbrochen wurde das aber hin und wieder von klarem Sonnenschein. Jedenfalls führte das dazu, dass der unrechtmässig angelegte Weg sich nach und nach in eine Schlammgrube verwandelte und so saßen wir dann mit Campingstühlen unter unseren Pos an dem Weg und schauten zu, wie sich Menschen und Motorräder in den Dreck gruben. Die ganzen Crossmaschienen hatten da natürlich einen Vorteil, verteilten aber auch gut viel Dreck. Ganz am Ende versuchte ein Dodge-Van durch den Modder zu kommen… er versagte. Er steckte auch noch bis Sonntagmittag, als wir das Festival verließen, in dem Schlamm fest. Vielleicht sehen wir ihn nächstes Jahr wieder.
Wo wir grad beim Regen waren. Der war wirklich fürchterlich. Es wechselte zwischen heftigem Regen und brütender Sonne. Zeitweise gewitterte es sogar. Doch dank meiner dörflichen Herkunft und der damit einhergehenden Fähigkeit Natur und Wetter ganz gut einschätzen zu können, konnte ich später zumindest noch Knorkator trocken erleben. Wie gesagt, zuvor gewitterte es. Sogar so stark, dass das Konzert um eine Stunde verschoben wurde. Dazu aber später mehr.
Erstmal was zu “The BossHoss”. Ich finde/fand die Band ja (mal) richtig gut. Das war frisch und was Neues und liess mich der Countrymusik mal eine richtige Chance geben. Aber irgendwann fingen sie dann an für ihre Karten 35 Euro zu verlagen. Ich sage es gerne noch mal: 35 Euro! So gut sind die nun wirklich nicht, wenn man mal überlegt, dass “Motörhead” zum Beispiel an die 40 Euro kostet. Sogar “Die Ärzte”, die noch viel viel besser sind und schon länger Erfolg haben, als “The BossHoss” (mit dieser Einstellung) je haben werden, verlangen nur irgendwas mit 20 Euro für eine Karte. Abgesehen davon ist deren Show auch tierisch langweilig. Also wenn man es zum ersten mal sieht, ist das sicher klasse – dieser gespielte, amerikanische Akzent, dieses Rumgehüpfe auf und vor der Bühne des dünnen Sängers und das mit Tape auf die Gitarre geklebte “Thanx” des dickeren weniger dünnen Sängers. Jetzt hab ich die Band aber nun schon ein paar mal live gesehen und die Show ist wirklich immer wieder das selbe. Gut, die Songs mögen sich ändern und vielleicht auch deren Reihenfolge, aber sonst scheint es, als würde ein Schalter umgelegt werden, und die Jungs spulen ihr Programm ab. Fleissig, wie kleine Roboter und genauso monoton. Dann aber geschah, was die Band verdiente: Es fing an ganz fürchterlich zu Regnen. Sinntflutartig ergoß es sich auf die, ich sag mal, Fans. Okay, den Regen hatten sie nicht verdient, aber wohl, dass die ganzen Leute panikartig davon liefen. Stehen bliebt nur ein harter Kern, dem das augescheinlich ziemlich egal war. Ich allerdings verkroch mich unter einem Bierwagendach. So ließ sich das auch aushalten.
Gerüchteweise erfuhr ich später, oder früher, ich weiß nicht mehr, dass auf den Bikertreffen mittlerweile geklaut wird. Nicht nur mal einen Blinker oder ein Rücklicht, was ja schon schlimm genug wäre, sondern auch gleich ganze Motorräder. Es ist ja nicht so wie bei Aldi, dass, wenn man sich mal was in die Tasche gesteckt hat, es nur einen kleinen Klaps auf die Finger gibt, wenn man erwischt wird. Nein, wenn man beim Motorradstehlen auf einem Bikertreffen erwischt wird, stirbt man. Ehrlich, nicht nur der Besitzer der Maschine wird sich an dem Dieb vergehen, sondern gleich alle, die das mitbekommen werden freudig auf ihm herum pügeln. In mir reift übrigens gerade eine neue Geschäftsidee. Jedenfalls ist es eine sehr sehr gefährliche Angelegenheit, sich an den Motorrädern anderer Leute zu vergehen. Da gelten dann auch keine Gesetze oder Menschenrechte mehr.
Jetzt endlich mal was zu “Knorkator”. Deswegen lest ihr doch den ganzen Scheiß hier. Ganz knapp: Die Band ist live super. Stumpens Ansagen sind genial. So hat er zum Beispiel ein kleines Lied für BuzzDee improvisiert, an das ich mich nicht mehr genau erinnern kann, das aber sicher den namen “Fehlerfotze” trug. Sie spielten die ganzen Klassiker, quasi alle tanz- bzw. headbangbaren Lieder. Wenn ihr also fragen würdet “haben sie XY gespielt”, wobei XY ein tanz- bzw. headbangbares Lied von “Knorkator” wäre, würde ich mit ja antworten. Nach einer Zugabe war es aber auch schon vorbei. Viel zu früh natürlich, aber das wäre es auch, wenn sie zwölf Stunden gespielt hätten. Das wirklich allerletzte Konzert ist übrigens am 5.12.08 irgendwo in Berlin. Da muss ich mal noch irgendwie Karten organisieren.
Vielleicht sollte ich noch einige Worte generell zum Festival verlieren. Ich hau die Kritik einfach mal so raus: Es gab extrem wenig Dixies. Am Eingang standen ein paar, aber sonst konnte ich keine finden. Klar, man hatte ja auch die Möglichkeit, sich eines ans Zelt stellen zu lassen. Dafür war die Verpflegung erwartungsgemäß gut. Grünkohl, Bratwurst, Fleisch, Kirschbier (!), normales Bier und zum Frühstück Rührei, Kaffee und belegte Brötchen. Nichts Außergewöhnliches, aber das erwartet man ja auch nicht unbedingt. Es gab sogar Kunst dort. Irgendjemand hatte aus Schrott bekannte Figuren geschweisst. So zb. den Predator oder Spiderman. Etwas verwirrend fand ich die ca. 2 Meter große Freiheitstatue mit USA-Flaggenmuster. “Die zünd ich noch mal an” meinte ich. Hab ich aber nicht. Bei dem Pisswetter hätte das ja eh nicht lange gebrannt.
Schlußendlich kann ich sagen, dass es schon ganz schön klasse war. Das lag aber weniger an dem Festival an sich, als an den Leuten, die mit waren. Bands okay, Essen okay, alles okay. Als Ausbeute hab ich mir auch einen schönen neuen Ring mitgebracht.




