1107 Der neue Dienstagabend auf Pro7
Also es wird ja mal Zeit, dass ich dazu etwas los werde, aber ich wollte auch erstmal warten, bis man dazu wirklich was sagen kann. Viele werden es ja sicher schon angetestet haben, diesen neuen Pro7-Dienstag-Abend, andere noch nicht, aber jeder wird schon mal vorbei gezappt haben. Hier also mein kleines Review dazu:
Es fängt alles mit Gülcan und Collien an, die aufs Land ziehen. Klingt nach Paris und Nicci, die auch mal auf das Land gezogen sind und ist in etwa auch das Selbe (oder Gleiche, je nach dem). Das Beste daran ist glaub ich noch die Bauernfamilie, die zwar sehr bodenständig sind, aber auch witzig und unterhaltsam. Gülle und Colli sind aber nur peinlich. Echt, die sind so peinlich, dass sie sogar mir peinlich sind, obwohl ich sie nichtmal kenne. Da sind sich die Damen mal zu fein, ein bisschen Scheiße weg zu schippen oder die Tiere zu füttern, da hat Colli noch nie in ihrem Leben ein Ei aufgeschlagen und Laufen? Das ist für die Mädels natürlich gar nicht drin. Und wieso nennt Gülle ein neugeborenes Kalb überhaupt Morgenstern? Denkt sie, das sei was Schönes oder Niedliches? Meine erste Assoziation wäre da nicht die Venus, sondern eher Lucifer, der gefallene Morgenstern, oder eine Keule mit Dornen, die man nur schwer aus den Köpfen seiner Feinde heraus kriegt. Sei es drum. Ich verstehe nicht, wie man solchen Menschen immer wieder eine Plattform geben kann. Die können nichts, die machen nichts, die sehen nicht mal gut aus. Na ja, Collien vielleicht, aber ich dachte ja auch mal, die sei wenigstens noch annähernd ein ernst zu nehmender Mensch. Da muss ich diesem Pro7-Format mal danken, dass es mich eines besseren belehrt hat. Und überhaupt hat doch jede Serie irgendwie ein Finale. Aber wohin führt das Landleben dieser beiden Hupfdolen? In jeder Serie gibt es am Ende, oder neuerdings auch mal in der Mitte, eine Art Showdown, eine Zuspitzung des Plots, eine endgültige Vernetzung der Handlungsstränge, ein auflösendes Element, Erklärungen, oder einfach einen Moment, an dem man in einer spannenden Serie endlich mal verschnafuen kann. Alles ist gut oder ganz furchtbar schlecht, aber man kann sich denken “puh, endlich eine Pause”. Aber was ist mit Gülle und Colli? Wohin führt das? Wird das Kalb irgendwann Milch geben? Kommen die Mädels von Bauern geschwängert nach Hause? Kauft Herr Kamps einfach den Bauernhof und versklavt das dort lebende Urvolk? Was wird passieren? Eigentlich ist es mir völlig egal…
Direkt danach folgt dann “Elton vs. Simon”, wo sich wieder einmal beweist, dass man a running system never touchen soll. Oder anders ausgedrückt: Warum, Prosieben, warum habt ihr daraus eine Show gemacht? Jetzt mal ehrlich, dieses Undergroundfeeling, dass man beim schauen der, ich nenn es einfach mal, originalen “Elton vs. Simon”-Version hatte war ein wichtiger Bestandteil dieses Konzepts. Es war etwas neues, frisches, im deutschen Fernsehen nie Dagewesenes. Wichtig waren in diesem Konzept nicht nur die Wettbewerbe, die ausgetragen werden mussten, sondern auch absolut harmonierende Chemie zwischen Simon und Elton. Die Beiden sind irgendwie grundverschieden, aber doch gleich. Man kann es nicht genau fassen, aber sie funktionieren einfach gut zusammen und genauso funktioniert auch jeder für sich allein sehr gut. Allein die Sabotageakte, die sie gegen sich ausführten waren mindestens so genial, wie die Wettbewerbe an sich. Das ganze wirkte spontan, das mag es vielleicht auch gewesen sein, aber es hatte Charme. Sowas ist selten im heutigen Fernsehen. Und was macht Prosieben? Sie verlagern das ganze in ein Studio, was ja an sich schon total 90er ist, stellen die beiden vor ein Publikum, das eigentlich so überflüssig in der Sendung ist, wie die NPD in der deutschen Parteienlandschaft und lassen das ganze von der untalentiertesten Moderatorin Deutschlands moderieren. Ehrlich, diese Johanna Klumm (nicht verwandt mit Heidi) geht mir manchmal so fürchterlich auf die Nerven. Zum einen unterbindet sie die aufkeimenden Anfeidnungen der Kontrahenten so schnell es geht und zum anderen nervt einfach nur ihr Ich-bin-ja-so-hübsch-und-kann-ganz-niedlich-in-die-Kamera-glotzen-Scheiß. Und was die immer an hat ey. Ich bin ja nun wirklich nichts über Mode sagen und ich finde schlichte, schwarze T-Shirts oder welche mit Schädeln und Flammen drauf, total cool, aber ich weiß auch, was scheiße aussieht – der Kleidungsstil der Klumm-Tusse. Man merkt übrigens auch, wenn Simon mal ein wenig aufdreht, dass sie der Sache einfach nicht gewachsen ist. Er ist nunmal jemand, der gern viel lustigen Schwachsinn erzählt und anstellt. Und solch eine positive Eigenschaft darf man unter keinen Umständen behindern. Vielleicht bilde ich mir das nur ein, aber man merkt auch manchmal, dass die beiden mit dem neuen Format nicht ganz so zufrieden sind. Der Blick, ihr versteht? Manchmal sieht man förmlich deren Gedanken, wenn die Klummse wieder versucht, irgendwie lustig zu sein. Sie denken dann sicher sowas wie “Geiler Arsch, aber boah ey, ist die alte bescheuert”. Der einzige Lichtblick der Sendung ist, wenn die Einspieler kommen, ohne die dumme Klummse und ohne das überflüssige Publikum. Einfach nur die beiden Kontrahenten, die sich benehmen, wie Männer sich nun mal gerne benehmen: wie große Kinder. Da macht die Show wieder Spaß.
Darauf folgt dann endlich “Dr. Psycho”. Klasse, ganz große Klasse. Extraklasse. Extraklasse mit Sahnehäubchen oben drauf. Da Christian Ulmen eh einer der besten deutschen Schauspieler ist, das Konzept der Serie ein Tritt ins Gesicht aller CSI-artigen-Kacke ist und weil da einfach hinten und vorne alles stimmt, kann ich hier einfach nichts Negatives finden. Okay, vielleicht, dass es immer etwas kurz ist und irgendwie leise, aber sonst… Anschaupflicht!
Und da ihr spätestens seit “Dr. Psycho” auf dem Sender verweilt, könnt ihr auch gleich noch “Kalkhofes Mattscheibe” sehen. Das ist nicht dieses übliche Fernsehen-Verarschen, wie man es vielleicht sonst kennt und wie es vielleicht auf den ersten Blick erscheinen mag. Das ist ganz einfach handfeste, hintergründige Guerillia-Comedy, die zum Nachdenken anregt und einen auch mal hinterfragen lässt, was da manchmal für Mist in der Glotze kommt. Einfach Genial, bitte einen Grimmepreis.
Wenn man danach dann noch die alten “Stromberg”-Folgen (muss man dazu noch was sagen?) geschaut hat, darf man auch endlich ins Bett.




