2507 Mein Kaufrausch
Heute war sowieso ein komischer Tag irgendwie. Erstmal schrieb ich eine Klausur, wo drei von vier Teilen aus multiple-Choice-Fragen bestanden und der letzte Teil eben nicht. Dort wurde richtig was gefragt und dementsprechend wusste ich nicht unbedingt viel. Die leeren Blätter hab ich dann also mit Smileys und kleinen Strichmännchen aufgefüllt und in eine gegebenes Diagramm hab ich einfach noch ein paar Pfeile gemalt. Da ich in einer anderen Aufgabe auch wieder ein Diagramm zeichen sollte, hab ich einfach das aus der vorherigen Aufgabe übernommen. Und was zur Hölle ist eigentlich ein “Möbelmodell”? Ich habe da ehrlich noch nie etwas von gehört und ich war mindestens 90% der Vorlesung anwesend.
Da ich das jedenfalls alles so toll und vorbildlich gelöst hatte, nahm ich eine alte Tradition wieder auf, die ich viel zu lange vernachlässigt habe: Das mich belohnen. Ich mach das immer so, dass ich mir nach einer Klausur oder einem Zahnarzttermin oder sonstigen unangenehmen Veranstaltungen (Pärchenabende gehören komischer Weise nicht dazu – vielleicht sollte ich das mal überdenken), gerne mal etwas Schönes kaufe. Nichts teures natürlich, sondern einfach eine Kleinigkeit für das Seelenheil und mein aufgeriebenes Gemüt. Dazu geh ich dann gerne mal zum DVD-Dealer meines Vertrauens und wühle mich durch die Kramkiste oder schaue mal, was es in der FSK18-Abteilung so Neues gibt. Aber heute, puh, da hätte ich mich ja totkaufen können. Erstmal standen da ganz plötzlich drei Teile von “Die reitenden Leichen“. Ganz klasse. Dann noch “Ratchet”, um den ich sowieso schon lange herum schleiche, genauso, wie um “President Evil” oder die beiden “Azumi“-Teile in einer Box. Ich onanierte also schon gedanklich auf die ganzen schönen Filme und weiß gar nicht, wofür ich mich entscheiden soll, da spricht mich auf einmal ein englischsprachiger, schwarzer Mensch an. Irgendwas von wegen Blablabla. Er habe seinen Fahrschein verloren und er wollte doch so gerne nach Magdeburg und sei nun hier gestrandet. Das alles erzählte er mir, auf schlechtem englisch, ehrlich so drei mal, benutzte aber dabei nie das Wort “ticket”, sondern immer “Fahrschein”. Ich hatte etwas Angst. Warum erzählt der mir, auf der dritten Etage von Karstadt am Herrmannplatz, direkt vor dem FSK18-Regal, er habe seinen “Faahshain” nach Magdeburg verloren und weiß nicht, was er tun soll. Dazu immer noch dieser “Hach, mir gehts ja schon scheiße”-Blick, der bei mir aus misanthropischen Gründen eh nicht zieht. Vor allem, was wurde von mir verlangt? In perfektem Oxford-Englisch erklärte ich ihm Folgendes:
Ich fragte ihn, wie er sich das nun vorstelle. Möchte er, dass ich ihm ein neues Ticket kaufe, oder will er direkt das Geld? Ich schlug ihm dann noch vor, einfach mal zu einer Touristeninformation (in Neukölln, hihi) oder direkt zu einer Botschaft zu gehen. Theres nothing i can do… or want to do. Besänftigend setzte ich noch ein “I just cant afford it” hinterher.
Übrigens hab ich mir dann “H6 – Tagebuch eines Serienkillers” gekauft. Ich sah dann noch “The Fast and the Furious – Tokyo Drift” da herumliegen, den coolsten Teil aus der Serie. Aber nee, dann hätte ich mir ja auch ein Ticket nach Magdeburg kaufen können.
Übrigens fand ich diese Begegnung so eigenartig, dass ich dann leichte Paranoia-Anfälle bekam. Der Herrmannplatz ist ja nun nicht unbedingt der Umschlagpunkt für Reisende nach Magdeburg.




