2705 Ein paar schöne Bilder vom Chiemsee
Wie ihr ja vielleicht nocht wisst, wenn euer Kurzzeitgedächtnis einigermaßen funktioniert, war ich ja kürzlich am Chiemsee und hatte euch eigentlich schon gestern angedroht, euch ein paar Bilder von da zu zeigen. Aber irgendwie hatte ich, na ja, keine Lust. Kann ja passieren. Aber das hole ich jetzt mal schnell nach, damit ihr mal seht, wie schön es in Deutschland eigentlich sein kann und daß man nicht immer so weit wegfahren muss, wenn man was Tolles sehen möchte.
Aber fürchtet euch nicht, ich werde euch keine hunderttausend Bilder um die Ohren hauen. Es nervt mich ja selbst, dass, wenn Freunde oder Bekannte im Urlaub waren, ich mir dann jedes kleine Detail aus deren Urlaub anschauen muss. Und lasst den dann mal 2 Wochen oder, noch schlimmer, noch länger gehen. Das ist doch Folter! Man kann doch nicht länger als eine Stunde Bilder angucken und lustige Geschichten hören, die so erzählt werden, als wäre man dabei gewesen, was man ja aber offensichtlich nicht war, weil man sich ja die Bilder dazu anschaut (bzw. anschauen muss). Schreibt euch das mal hinter die Löffel, ihr Weltenbummler!
Egal, ich mach es jetzt besser und lesen geht ja sowieso viel schneller als zuhören, also haben wir das hier in wenigen Minuten hinter uns gebracht
So sahen wir Bayern, als wir aus unserer Behausung herauskrochen. Denkt euch einfach mal die Hochspannungsleitung weg und stellt euch dafür den typischen Dorfgeruch vor. Also irgendein Mix aus Teichgeruch und Kuhmist. Also im positiven Sinne.Ist doch schön, oder? Mit den Bergen und so? Das kennt man hier auf der brandenburgischen Seenplatte ja gar nicht.

Jedenfalls machten wir uns von da aus auf den Weg nach Prien a. Chiemsee (der Ort heisst so), weil das dort wohl so ein richtig schöner Erholungsort mit Fähre über den Chiemsee und alles sein soll. Und tatsächlich, wir nahmen direkt das nächste Schiff zur Herreninsel, welche die Einheimischen auch manchmal Herrenchiemsee nennen. Da erinnerte ich mich übrigens wieder daran, dass ich echt keine Seemansbeine habe. Während die anderen Passagiere schonmal das erste Bierchen zischten, war ich damit beschäftigt, mir nichts anmerken zulassen. Ein Bild davon erspare ich uns allen mal. Stellt euch mich einfach ein bisschen grüner im Gesicht vor. Jedenfalls kauften wir dort in paar Tickets für die Schloßtour und machten uns auch gleich auf den Weg zu eben jenem.

Dies ist einer der beiden Brunnnen vor dem Herrenchiemseeschloß, die aber beide relativ ähnlich aussehen. Scheinbar, zumindest erzählte das eine Tafel an den Brunnen, war ein spanischer Brunnen dafür Vorbild und darauf zu sehen waren Allegorien für Krieg, Sieg, Glück und solchen Kram. Konnte man aber echt nicht so einfach erkennen. Oben drauf sitzt aber eine Frau auf Pegasus. Sowas geht ja immer.

Um die Brunnen herum waren solche Figuren von nackten Frauen mit dicken Kindern angeordnet. Nix gegen nackte Frauen, aber dicke Kinder? Das muss ja nun echt nicht sein. Jedenfalls fing die Führung noch nicht an und so saßen wir noch an einem der Brunnen und haben ein bisschen auf das Schloß geschaut. Da dachte ich mir, dass ich doch ein wenig die Enten füttern könnte.

Wie oben also zu sehen sitze ich an dem Brunnen und füttere die unten zu sehende Ente. Das war aber keine so gute Idee, weil sie dann ihre Kumpels rief, die natürlich auch was wollten. Eine der Enten kam mir sogar erschreckend nahe. Also auf jeden Fall nahe genug, dass ich sie hätte berühren können. Hab ich aber nicht, ich bin eher erschrocken aufgesprungen, weil mir plötzlich alle Geschichten über Geflügel einfielen, in denen sie ahnungslosen Leuten mit einem Flügelschlag die Arme brachen oder mit dem Schnabel die Finger abbissen.

Aber ihr wollt ja sicher auch das Schloß sehen. Doch bevor ich euch das so einfach zeige (okay, ihr könntet einfach runterscrollen, aber ich setze einfach mal darauf, dass ihr anständig seid), gibt es etwas Geschichte. Soll heißen, ich versuche wiederzugeben, was ich noch aus der Führung weiß. Gebaut wurde es jedenfalls so mitte des 19 Jahrhunderts von Ludwig II, der ja auch der Märchenkönig genannt wird, weil er sich eben auch so benahm. Er hatte nicht wirklich Lust auf die Geschäfte eines Königs und baute zb. Schloß Neuschwanstein. Schwul soll er auch gewesen sein, was man uns aber nicht in der Führung erzählte, das sah ich mal in einer Doku. Später wurde er dann für geisteskrank erklärt, entmündigt und später mit seinem Arzt im Stanberger See gefunden. Also tot jetzt, ist klar, oder? Man könnte dahinter eine Verschwörung vermuten, aber macht irgendwie keiner.
Jedenfalls war Ludwig II. ein riesiger Sonnenkönig-Fan, oder noch besser, Sonnenkönig-Nerd, denn das Schloß auf der Herreninsel ist ihm komplett gewidmet und stellenweise eine ziemlich gute Kopie von Versailles. zum Beispiel gibt es einen Raum, in dem nur Zeichnungen waren, die irgendwie die französsiche Geschichte betrafen. Oder es gab eine sehr gute Kopie des Spiegelsaals, der allerdings noch 8 Meter länger als das Original ist. Dann gab es da auch noch das “Tischlein deck dich”, was eine Vorrichtung war, die eigentlich ein Speiseaufzug ist. Dabei wird ein Tisch in den Räumen des Königs heruntergekurbelt, unten dann in der Küche gedeckt und wieder hinaufgekurbelt. Das alles, weil der Königs so menschenscheu war. Den Spiegelsaal liess er sich auch manchmal beleuchten, was wohl mehrere Stunden dauerte. Dann konnte er eine halbe Stunde darin tanzen (allein versteht sich), bis die erste Kerze abgebrannt war.
Außerdem hatte er einen Tisch, der mit den seltensten Hölzern verziert war, wovon manche heute wohl gar nicht mehr existieren sollen. Der Tisch soll sogar teurer, als die Insel an sich gewesen sein. Apropos teuer. Das Schloß ist so teuer gewesen, wie Schloß Neuschwanstein und Schloß Linderhof zusammen und es ist nichtmal fertig geworden. Ein Anbau wurde sogar Anfang des 20. Jahrhunderts abgerissen und viele Räume haben nur Backsteinwände. Das nerdige verrückte daran ist überhaupt auch, dass er sich dieses Schloß nur bauen ließ, weil er ein paar wenige Wochen im Jahr darin leben wollte. An sich aber war er dort nur ein paar Tage, weil er halt auch starb und so.
Weil ihr jetzt so fleissig gelesen habt, seht ihr die Bilder vielleicht mit anderen Augen. Ich zeige euch ersmtal das Interieur. Das erste ist der Haupteingang des Schloßes. Der Fußboden ist Mamor und die Wandverkelidung irgendso ein künstlicher Mamor, der noch teurer in der Herrstellung war, als echter, weil er gefärbt ist und sowas. Das zweite Bild ist der Spiegelsaal, der, wenn ich mich recht erinnere, knapp 100 Meter lang ist und in echt total beeindruckend ist. Die Bilder hab ich nicht selbst geschossen. Sie stammen von irgendwelchen Webseiten, die ich nicht mehr finde, denn leider war das Fotografieren dort verboten.


So und jetzt zum Schloß an sich. Ich hab das Bild in drei verschiedenen Entfernungen. Das erste ist relativ nah dran, zwischen den beiden zuvor gezeigten Brunnen. Also vielleicht 80 Meter weit weg. Das zweite ist viel weiter Weg, so 200-300 Meter schätze ich mal. Und das vierte ist von der Fähre aus und weil ich sowieso echt schlecht schätzen kann, traue ich mich da gar nicht, eine Zahl zunennen.


Auf der Insel waren wir aber auch noch in einer Kunstausstellung, in einem Kloster und in einer Ausstellung über die Gründung Deutschlands. Aber das war ehrlich total langweilig. Ich bin da ja nicht so und mich interessiert echt alles irgendwie. Aber das war wirklich hart. Außerdem werden wir immer von den Sicherheitslueten verfolgt, weil wir da die Jüngsten sind und sie scheinbar denken, dass wir auf den Bildern herumschmieren oder sowas. Aber das passiert uns überall. Bei der Schloßführung waren auch schon fast nur Insulinjunkies.
Am nächsten Tag dann war Familientag mit meiner Mutti und meinen Geschwistern und die sind sowieso die Coolsten. In einem Kloster, wo wir dann waren, wurde gerade irgendwie eine Hochzeit gefeiert und die Frau, die das da organisiert hatte oder sich dafür in gewisser Weise verantwortlich fühlte, verbat ihnen in einem viel zu schroffen Ton, dass sie ihre Griffel von diesen Büchlein lassen sollen, wo die Namen von dem Hochzeitspaar drauf stehen und Lieder drin sind. Keine Ahnung, wie sie heissen. Jedenfalls haben sie dann eifnach alle angefasst und sich lautstark über ihre Kleidung lustig gemacht. Das sind so die Momente, wo ich merke, dass wir wirklich verwandt sind. Als dann meine Freundin eines der Bücher nahm, um darin zulesen, haben meine Mutti und ich, ungelogen, gleichzeitig so getan, als würden wir hineinspucken. Jetzt wissen es also auch ein paar Bonzen in Bayern: Don’t mess with a Friedersdorf!
Anschließend waren wir dann Tretbootfahren, was ob meiner Seekrankheit ziemlich gut klappte. Das wunderte mich selbst. Der Chiemsee sieht von einem Tretboot ziemlich genau so aus:


Schön, oder? Das Wasser ist auch unglaublich klar und voller Segelboote, was mich mit dem Gedanken spielen liess, vielleicht doch mal einen Segelschein zumachen. Aber sowas ist bestimmt ziemlich teuer. Übrigens war das auch der Tag, an dem wir uns alle einen Sonnebrand zuzogen. Zumindest an den Stellen, die wir nicht ordentlich eincremten, was bei mir der Spann an den Füssen und die eine Geheimratsecke ist. Die andere ist ja immer von Haaren bedeckt.
So, das war es auch schon mit den Bildern. Auf den meisten anderen sind Menschen drauf, die ich kenne, weswegen ich die aus verständlichen Gründen nicht zeigen möchte. Es geht hier ja auch mehr um die Landschaft und daher rate ich auch jedem, einfach mal einen Urlaub in Bayern zu machen. Dort ist es, wie ihr ja sehen könnt, extrem schön und kulturell bekommt man auch einges geboten. Wie es da aber nachtlebentechnisch aussieht, kann ich nicht sagen, weil wir sowas gar nicht besuchten. Wir waren einfach zu müde. Und sowas kann man sicher auch besser in Berlin machen.
Ich hoffe, es hat euch ein wenig gefallen.





