Über die Monate, die dieser Film heiß erwartet wurde, gab es ja viele Namen. Chronologisch im Sinne von aufzählend wäre der Teil wohl der elfte. Chronologisch, im Sinne von zeitlich, wäre es der erste. An der Kinokasse gestern las ich etwas mit 2009 und ich nannte es gerne mal reloaded und wusste gar nicht, wie recht ich damit hatte, ist es doch eine Anspielung auf den zweiten Matrix-Film, der die Serie damals ja ziemlich zerstörte. Nach dem Konsum des neusten Teils kann ich wohl sagen: Star Trek, wie wir es kannten, ist nicht mehr. Ist das nun gut oder schlecht? Bereitet euch auf Spoiler vor.
Bevor ich aber mit meiner Kritik anfange, möchte ich euch von einem Versprechen erzählen, dass ich meiner mir angetrauten, treuen Kinobegleitung gab. Sie sagte “Bloggst du drüber” – “Ja” – “Rede bitte nicht alles schlecht”. Und wenn ich so drüber nachdenke, gibt es tatsächlich viele Dinge, die mir an dem Film richtig gut gefallen haben. Die Optik des Films hat mir immer wieder den Boden unter den Füssen weggerissen (trotz der vielen Lens Flares). Die neue Enterprise ist wirklich der Hammer und die Brücke, die ich an anderer Stelle erschreckend weiß und un-trekkig fand, passt dort wunderbar hinein. Auch, wenn die Uniformen aussehen, wie lieblos zusammengestrickte Schlafanzüge, passen auch sie irgendwie dort hinein. Ganz besonders in Erinnerung blieb mir, wo die Enterprise aus einem Nebel beim Saturn (?) auftauchte – wunderschön! Aber auch die vielen kleinen Details waren eine Augenweide: Die Touchscreens auf der Enterprise, der ausklappbare Degen Sulus, Uhura.
Wo wir gerade bei Uhura sind, sind wir auch schon bei den Dingen, die ich so nicht in Ordnung finde. JJ Abrams hat Dinge mit dem Franchise angestellt, die in meinen Augen unentschuldbar sind. Nicht nur, dass Zeitreisen in Serien und Filmen immer eher schwierig sind, da sie leicht zu Problemen führen können, Abrams hat es geschafft, es zu einem riesigen Problem führen zulassen. Kurz zur Story: Nero, seines Zeichens Romulaner mit abgeschnittenen Ohren und Gesichtstattowierung, warum auch immer, reiste in der Zeit zurück, um die Planeten der Föderation zuzerstören. Und genau das ist das Problem, denn durch diesen ganzen Zeitreisemist ist das Star Trek, was wir kennen, so nicht mehr vorhanden, da ja zum Beispiel der Vulkan, Spocks Heimatplanet, zerstört wurde und Kirks Vater zu früh starb, um ihm noch einen Bruder zubasteln. Es gibt da noch mehrere Beispiele, aber das Star Trek, das später Picard, Sisko und, na ja, sogar Janeway hervorbrachte ist nicht mehr bzw. es ist in einem Paralleluniversum, wo ich mich dann schon fragte, wo diese Behörde aus dem 24. Jahrhundert abbliebt, um so etwas zuklären. (Die trat ja öfter mal in Voyager auf) Um aber den Bogen zu Uhura zuschlagen: Spock und Uhura? Eine Affäre? Was bitte soll das denn? Nicht nur, dass dies die einzige Liebesgeschichte im Film ist, und heutzutage kommen Filme ja nicht mehr ohne aus, nein, sie ist nicht nur ziemlich unlogisch, sondern wirkt, wenn man sie spürt, auch extrem aufgesetzt. Okay, es ist gut, dass der Hauptcharakter mal nicht das Mädchen kriegt, aber so geht das nicht. Gar nicht wäre am Besten gewesen.
Es gab aber noch andere Dinge, die mich verwunderten: Warum reicht zum Beispiel ein kleines bisschen rote Materie um eine Supernova bzw. einen Planeten zuzerstören, während das Zeug literweise auf Zukunftsspocks Schiff ist? Und warum ist das Schiff der Romulaner so sinnfrei gebaut? Es wurde ja gesagt, dass dies irgendeine Art Arbeitsschiff sei, aber das ist doch kein Grund, dass man ein Schiff so baut, dass man jederzeit irgendwo herunterfallen könnte. Wer bitte baut denn so etwas? Und wo war überhaupt der Warpkern? Und warum warten sie während der Zerstörung des feindlichen Schiffes solange, wohlwissend, dass sie eigentlich schnell abhauen sollten? Und warum weiß Kirk, der zu dem Zeitpunkt gerade dabei war geboren zuwerden, dass diese gruselige Raumanomalie ein böses Schiff ist, während es Christopher Pike nicht weiß, obwohl er darüber eine Abhandlung schrieb? Und warum schafften es die Romulaner nicht selbst, eine Lösung für dieses Supernovaproblem zufinden? Immerhin bemerkt man dieses Problem ja nicht erst, wenn es schon zu spät ist, da hat man Zeit und doof sind Romulaner auch nicht. Fragen über Fragen.
Aber kommen wir zu den Figuren. Kirk ist nicht der Mensch, den wir alle mögen, er ist ein gebrochener Mann ohne wirkliches Ziel im Leben, was aufgrund der temporalen Veränderungen sicher Sinn macht. Spock hingegen ist ein kühler Vulkanier mit Mutterkomplex. Beide haben mit schauspielerisch jetzt nicht so sehr überzeugt. Allerdings Chekov, Sulu und Pille fand ich extrem gut besetzt. Denen habe ich es wirklich abgenommen, auch, wenn Chekov für einen billigen Witz herhalten musste. Dass Scotty jedoch so überdreht sein musste, habe ich nicht ganz nachvollziehen können. Dafür war Uhura eine wirkliche Augenweide, aber das kann auch an der kurzen Uniform liegen. Da mache ich mir nichts vor. Übrigens, als kleiner Einwurf, ist mir aufgefallen, dass ich gar keine der Aliens kannte. Liegt das an mir oder waren das wirklich alles völlig neue?
Jetzt jedenfalls sitze ich hier und versuche meine Worte zu diesem Film irgendwie digital zubekommen und hadere, ob ich diesen Film nun gut oder furchtbar finden soll. Sicher, er ist sehr, sehr gute Sci-Fi-Unterhaltung für Leute, die mit Star Trek gar nichts am Hut haben. Es gibt massig Action und man ist von der ersten Sekunde an mittendrin. Die Charaktere sind schön gezeichnet und bieten sicher auch noch genügend Stoff für weitere Filme. Aber ich bin leider niemand, der mit Star Trek nichts an Hut hat. Momentan wäre ich es gerne, aber ich bin es wirklich nicht. Ich finde es einfach nicht in Ordnung, dass JJ Abrams das ST-Universum in dieser Art behandelt und einfach alles wegwischt, was bisher war bzw. sein wird. Genauso hat Star Trek auch immer eine gewisse Moral mitgeliefert, was mir hier irgendwie fehlte. Das einzige Mal, dass die Werte der Föderation angewandt wurden war, als man Nero, dessen Schiff im Begriff war zerstört zu werden, Hilfe anbot. Das ist echt ein bisschen wenig. Vieles wirkt auch konstruiert, um irgendwie die Geschichte voranzutreiben, wodurch die Storyelemente mitunter recht lieblos wirken. Vielleicht finde ich den Film ja immer besser, umso öfter ich ihn sehe. Aber bisher bin ich ein bisschen enttäuscht. Trotz eines sehr guten Sci-Fi-Films.
Übrigens stand dort nach dem Abspann noch ein “In Memory of Gene and Majel Roddenberry” oder so. Das empfand ich irgendwie ein bisschen als Schlag ins Gesicht. Das nur dazu. Im Endeffekt muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden, wie er diesen Film mit seinem Hintergrundwissen findet.
Tags: Filme, Kino, Review, Star Trek XI,
13. May 2009 um 19:44
KRIMSKRAMS

Hurra..es gibt bislang 5 Kommentare ;)
Danke! Du schreibst mir aus der Seele, ich durfte mir das ganze Vorgestern auch ansehen und es hat genau den gleichen Nachgeschmack hinterlassen!
Ehrlich gesagt, war ich schon skeptisch als ich gesehen habe das J.J. Abrams das ganze zusammenschustern darf. Der Typ wird mir immer unsympathischer. Erst verkackt er Alias völlig, dann Lost wo ich mir immer noch nicht genau vorstellen kann, wie er das zu Ende führen möchte und nun auch noch Fringe was imho völlig daneben ist.
Was Star Trek angeht: Hättense das mal schön Michael Bay machen lassen *muuhhhaaahaha*
Also Fringe find ich bisher noch ganz okay, aber es kommt ja auch immer drauf an, wie solche Dinge aufgelöst werden *g* Und immerhin hat er da auf die Lens Flares verzichtet…
Aber Michael Bay wär doch nich im ernst eine bessere Wahl gewesen
Sollte ich das Ironie Tag vergessen haben *g*
Was mich aber jetzt im Nachgang noch extrem gestört hat, war die Nummer mit der roten Materie. Da wir ganz Vulkan von einem einzigen Tropfen zerstört. Wenn dann aber der ganze Eimer voll ins romulanische Schiff ballert welches sich in einer 2m Umlaufbahn um die Erde befindet passiert nix
Naja Hollywood … kann man wohl nicht erwarten.
Der Film steckt einfach voller Plotholes und das find ich schon ein bisschen dreist. Allein schon, warum er überhaupt so viel rote Materie dabei hatte ist eine berechtigte Frage, wenn ein Tropfen doch ausgereicht hätte *g*
Was isn nu eigentlich mit dem Loch in der Erde? *g*
Nichts? So tief kann das Loch ja auch nicht sein….naja