2006
Bilder und Bericht vom Protest in Neukölln

Das gute an einem Protest zur freien Nutzung des Geländes eines ehemaligen Flughafens ist, dass die angrenzenden Häuser alle mit doppelten Fenstern ausgestattet sind, sodaß man die protestierende Meute einfach mal abstellen kann, wenn man möchte. Das schlechte ist… na ja. Es gibt viele Dinge, die an solchen Protesten immer schlecht sind, was aber auch an der Natur der Proteste selbst liegt. Zum Beispiel, dass sie nicht angemeldet sind, was dafür sorgt, dass die Polizei in ziemlicher Alarmbereitschaft steht, was wiederum dafür sorgt, dass sich die Protestierenden schon allein durch die Anwesenheit der Polizei belästigt fühlen. Ich kann das auch durchaus nachvollziehen, denn Menschen in solch einer Montur wirken einfach bedrohlich und angsteinflössend. Dem jedoch mit dem Singen eines ganz bestimmten Songs von die Ärzte zubegegnen ist sicher nicht die beste Methode. Eigentlich ist es sogar die schwachsinnigste. Genauso die Trommelei oder das Rufen irgendwelcher Parolen. Find ich halt einfach nicht so gut.

Wer nicht weiß, worum es grad geht: Im Internet und auf Plakaten wurde heute die Stürmung der Freifläche des ehemaligen Flughafens Tempelhof (okay, eigentlich ist es nur ein stillgelegter Flughafen und das auch nicht so wirklich) angekündigt. Es geht darum, dass die Fläche, laut der Organisatoren, nun dafür genutzt werden soll, dass dort Geschäfte und Firmen angesiedelt werden sollen, wodurch sich die Mietpreise natürlich erhöhen sollen, was wiederum dafür sorgt, dass das Stadtbild auch ein ganz anderes wird. Gefordert wird hingegen, dass auch die Bewohner gefragt werden, was man mit der Fläche machen könnte. Einige fordern, dass es eine Grünfläche bleibt, andere wollen dort Spielplätze und all solchen Kram. Wer es nicht weiß: Die ganze Sache passiert gerade in Neukölln, ungefähr auf Höhe des U-Bahnhofs Leinestraße und ist, wie ich finde, in zwei grundlegend verschiedene Abschnitte einzuteilen:

Der eine Teil des, ich sag mal, Geländes in Richtung Hermannplatz ist eher wie ein Stadtfest. Es gibt dort eine Bühne und wir konnten dort eine echt gute, aus Mädels bestehende Nachwuchsband hören, die hauptsächlich türkische (vermut ich zumindest mal) Skamusik spielte. Die waren super, ehrlich. Dort gibt es auch Essstände, Einen Stand, wo sich Kinder das Gesicht bemalen lassen können und weiter hinten noch einen Wagen, von dem aus Jungle oder Techno gespielt wird. Dort tanzen die Leute noch und man könnte meinen, man sei im alljährlichen neuköllner Stadtfest gelandet. Die Straße runter in Richtung S-Bahnhof Herrmannstraße (so grob) sieht die Sache schon ganz anders aus. Zwar sind die Wege zum Flughafen auch da von Polizisten und deren Autos abgesperrt, aber dort geht, und man verzeihe mir das Wortspiel, obwohl ich es extra bringe, der Punk ab.

Wir liefen auf einmal die Straße entlang, nur um mal zuschauen, und plötzlich kamen wir nicht mehr zurück, weil die Abgrenzung ausgweitet wurde. Eine andere Straße, in der eine Trommelgruppe aktiv war, wurde auch abgesperrt. Diese jedoch versuchten jedoch da rauszukommen, woran sie die Polizisten natürlich hindern wollten. Sie versuchten es ein paar mal, bis dann ein Großteil der Truppe verhaftet wurde. Das Problem daran ist natürlich, dass sich die anderen Protestierenden dadurch ermutigt fühlten, auf die Polisten zuzugehen, um sie zur Freilassung der Festgenommenen zubewegen. Hat aber alles nicht geklappt. Als die Wagen der Polizei dann losfahren wollten, wurden sie von der Meute dabei behindert. Das war dann auch der Moment, an dem wir es für richtig hielten zugehen icon wink Bilder und Bericht vom Protest in Neukölln

Als wir nach Hause liefen, kamen wir noch kurz an dem Stadtfestteil vorbei. Dort wird immer noch gefeiert. Übrigens wurde wirklich die Stürmung des Flughafens versucht, allerdings blieb es dann auch dabei. So richtig waren die meisten Leute dazu nicht mehr zubewegen, was ich auch für richtig und sinnvoll halte, denn man kann sein Recht, oder was man dafür hält, niemals durchsetzen, indem man Gesetze bricht oder sich gar mit der Polizei anlegt. Da könnt ihr mich für spiessig halten, wie ihr wollt, aber ich finde, dass die Polizei hier kaum als Aggressor aufgetreten ist, auch wenn, wie gesagt, die ganzen Monturen schon sehr beeindruckend sind. Ich hatte auch ein bisschen das Gefühl, dass viele der Leute von den Plänen der Regierung um das Flughafengelände gar nicht direkt betroffen sind. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass viele der Protestierenden einfach nur mal Lust hatten, sich mit der Polizei anzulegen. Ich weiß nicht, ob das die richtigen Vorraussetzungen für solch eine Aktion sind. Ich freue mich jedoch für die ganzen kleinen Shops, die hier so in der Gegend sind. Diese haben heute sicher einen guten Reibach gemacht. Nun aber die versprochenen Bilder, denn Berichte und Meldungen darüber gibt es heute sicher noch in den Nachrichten (gerade zum Beispiel las ich, dass am Columbiadamm ein Protestierender von einem Polizisten in Zivil mit der Waffe bedroht wurde).

Dieser Teil der Bilder ist der ganze Teil vorher, wo die Leute teilweise noch recht friedlich waren. Zusehen sind auch Bilder der Mädchenband, die ich wie gesagt, ziemlich gut fand. Wenn also zufällig jemand weiß, was es mit denen auf sich hat, wie die Band heisst und sowieso und überhaupt: Bitte in die Kommentare damit.

Hier jetzt kommt der Teil mit den Verhaftungen, bei denen ich natürlich aus persönlichkeitsrechtlichen Gründen die Gesichter etwas verfremdet habe (so gut es mir möglich ist, weil mir hier momentan grad nur Paint zur Verfügung steht *g*)

Wie immer gilt: Wenn ihr euch auf den Fotos erkannt habt, aber nicht erkannt werden wollt, dann gebt mir bescheid und ich werd das sofort entfernen.

Abschließend muss ich sagen, dass sich meine Enttäuschung heute ein wenig ausgeweitet hat. Nun bin ich auch noch ein wenig betrübt darüber, dass dieser Protest hier wesentlich mehr Aufmerksamkeit erregt hat, als ich es der Demonstration der Piratenpartei gewünscht hätte. Hier waren zahllose Reporter zusehen, mit Kameras oder Mikrofonen bewaffnet, und Ü-Wagen säumten die Straßen. Bei der Demonstration, bei der es, sag ich mal so, um ein bedeutend ernsteres Thema geht, war von alledem nichts zusehen, was dann meine Theorie, dass hier, bei dem Protest, eher Leute sind, die sich gerne mit der Polizei anlegen, natürlich bekräftigt. Die Medien sind ja auch eher auf solche Geschichten, als auf friedliche Demonstrationen, aus. Schade, wirklich schade. Da steht der Erhalt des Grundgesetzes gegen das Mitspracherecht zur Nutzung einer recht großen Grünfläche und verliert.Einerseits finde ich es ja gut, dass sich die Menschen für ihre Bedürfnisse engagieren, andererseits kommt es ja auch immer auf die Art und Weise an. Aber dazu kann man natürlich stehen, wie man möchte.

Erstaunlich finde ich nur, dass es endlich mal genügend Polizei in Neukölln gab, wodurch man sich aber trotzdem nicht unbedingt sicherer fühlte.

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