1007 Wo Darwin sich geirrt haben könnte…
Wenn ihr euch gleich das Video anschaut, dann seht ihr eine nette, ältere Dame (die eigentlich mal ein Mann war, aber das ist ein anderes Thema), die da vor ein paar Kinderbüchern sitzt, Joan Roughgarden heisst und erzählt, dass Darwin an einer gewissen, aber wichtigen, Stelle unrecht hatte. Darwin sagt nämlich prinzipiell folgendes: Es geht immer nur um die Gene, auch, wenn er Gene an sich selbst nicht kennenlernte. Weibchen einer Spezies suchen sich für die Paarung immer die bestmöglichen Gene aus, damit sie diese ihren Nachkommen weitervererben können. So weit, so klar, das ist ja das, was wir alle mal irgendwann gelernt haben (sollten). Als Beispiel nahm Darwin dafür die Pfauen (peacocks – Erbenschwänze, hihi), wodurch diese als Posterchildspecies (Vorzeigespezies, perfekte Beispiele für die sexuelle Selektion, weil genau untersucht) gelten. In Bezug auf die Pfauen sagte er nämlich, dass sich die Pfauenhennen den Hahn aussuchen, der den schönsten Schweif hat, weil der Schweif des Pfaus auf die guten Gene zurück zuführen ist, eben weil dieser Schweif ja auch extrem unpraktisch ist. Immerhin ist er groß, bunt und von weitem gut sichtbar. Der Schweif soll also, laut Darwin, einzig und allein für die Weibchen entwickelt worden sein, damit diese sehen, dass der Hahn gute Gene hat. Logisch? Logisch. Aber so nicht ganz richtig, sagt sie.
Joan Roughgarden erzählt nämlich von einer Studie, die in Japan erstellt wurde und über sieben Jahre mit einer Population von Pfauen lief, dass der von Darwin beschriebene Zusammenhang so gar nicht existiert. Die Studie sagt nämlich aus, dass die Hennen sich gar nicht für die Schwänze (bitte keine blöden Witze – mir fällt es ja auch schwer) interessieren und dass die Pfauenschwänze der Hähne in einer Population ziemlich gleich sind. Das und mehr ist Thema ihres Buches namens “Genial Gene: Deconstructing Darwinian Selfishness”
Ich fand das schon interessant genug, dass ich mir dann direkt auch noch den 80 minütigen Vortrag anschaute, in dem es dann mehrere solcher Dinge zulernen gibt. Nach ihr geht es nicht um sexuelle Selektion, sondern um soziale Selektion, bei der sich die Weibchen lieber ein Männchen aussuchen, mit dem sie ihre Nachkommen am besten großziehen können. zurück zum Pfau. Pfauenhähne bleiben ja nicht zur Aufzucht der Jungen beim Weibchen. Wozu also dann der Schweif? Sicher auch, um mit anderen Männchen zu konkurrieren, quasi anzugeben, aber warum ist das Weibchen dann nicht so bunt?
Roughgarden führt an, dass Pfauenhähne wie auch -hennen irgendwann beide mal solch einen Schweif gehabt haben könnten. Da der Pfau aber am Boden brütet, ist er Räubern so ziemlich schutzlos ausgeliefert und da ist ein farbenfrohes Gefieder und so ein langer Schweif alles andere als der Tarnung zuträglich. Insofern könnte der Pfauenhahn das Weibchen in der Form unterstützen, als dass er eben die Feinde vom Weibchen ablenkt, während das geschlagene Rad dann mit seinen Augen wirkt, wie ein viel größeres Tier. Logisch? Irgendwie schon und das ist schon ziemlich harter Stoff irgendwie.
Interessant ist auch der Ausflug zu ihrem anderen Buch namens “Evolution’s Rainbow”, in dem es hauptsächlich darum geht, dass die typischen Geschlechterrollen so gar nicht exisiteren. Nach Darwin ist das Männchen ja eher extrovertiert, muss die Weibchen beeindrucken, damit sie sich ihm hingeben, wohingegen die Weibchen schüchtern und schwer herumzukriegen sind und dass Tiere, bei denen das anders ist, nur eine Ausnahme sind. Sie sagt dazu: “If there are enough exceptions, the norm is not really a norm, but just one of many possibilities”. Sie gibt nämlich eine Menge Beispiele, in denen die Rollenmodelle so gar nicht funktionieren, da es zb. viele Tierarten gibt, die beide Geschlechtsmerkmale tragen, die ihre Geschlechter auch mal wechseln oder wo die einen nicht zurückhaltend und die anderen nicht offensiv sind.
Sehr schön war auch ihr Ausspruch zur einem wissenschaftlichen Text von Kolumbus. Sie sagte “Thats the way scientists talk, thats the kind of crap I have to read all the time.” Es sei euch ans Herz gelegt, mal den ganzen Vortrag zuschauen, wobei ich sagen muss, dass man dem manchmal nur schwer folgen kann. Vor allem, wenn sie etwas vorliest und irgendwie ihre Worte nicht so gut formluieren kann, wie sie in dem Moment gerne würde. Dafür wird das aber durch einige flappsige Sprüche aufgelockert und ist alles in allem mindestens faszinierend.
Ich kann nicht sagen, was da jetzt genau Wahres dran ist, weil ich in der ganzen Evolutionskiste, die ja immer auch viel mit Kreatonismus zu tun hat, nicht ganz durchsteige und ich Darwins Abhandlung ehrlich gesagt auch niemals gelesen habe. Das Schlimme ist ja, dass sich Kreationismus manchmal echt gut tarnt und wenn man sagt, dass Darwin unrecht hat, ist das ja schon immer irgendwie ein Warnsignal. Andererseits jedoch konnte Darwin sicher nicht alles wissen, aber er hatte eine gute Theorie davon, wie das alles funktionieren könnte. Wie gesagt könnte. Es ist ja alles nur eine Theorie und Theorien lassen sich sowohl widerlegen, als auch verändern und erweitern. Es ist aber schon eine verdammt gute Theorie, das muss man mal sagen. Aber eigentlich kann sich da auch jeder seine eigene Meinung zu bilden.
Noch ein kleines Wikipediazitat zum Abschluß: “Roughgarden opposes the theories of creationism and intelligent design, but asserts her belief in God’s involvement in evolution.” Ja was denn nun? Gott ja oder Gott nein? Vielleicht ist das alles doch nicht so einfach auseinander zuhalten, weil man ja auch öfter mal, auch von sehr, sehr anerkannten Wissenschaftlern hörte, dass sie immer mehr an eine höhrere Existens glaubten, je mehr sie erlernten und entdeckten. Wobei es da ja jetzt auch noch ein Unterschied zwischen Spiritualität und Theismus gibt. Aber das ist wieder eine völlig andere Geschichte.
Nun viel Spaß bei dem Vortrag.




