2009
Das war meine erste Arbeitswoche

Ich muss diese Blogplattform einfach mal für einen kleinen Seelenstrip missbrauchen. Einerseits ist das in gewisser Weise ja auch Sinn des ganzen, andererseits aber für euch, wie auch mich, ziemlich ungewohnt. Aber ich möchte euch aucheinfach mal erzählen, wie meine erste Arbeitswoche war, nachdem ich ja ein gutes halbes Jahr (eher etwas mehr) nur herumgegammelt habe und auch schon davor nicht wirklich viel gemacht habe… so als Student.
Ein typischer Tag sieht jedenfalls für mich so aus:

6 Uhr – aufstehen; Zähneputzen; Kaffee; schnell was essen; eine Zigarette; einmal groß (zwischen den letzten vier Dingen existiert ein direkter Zusammenhang); Mitnehmessen machen
7 – 8 Uhr – einmal quer durch Berlin von Neukölln bis Charlottenburg fahren; hoffen, dass ich einen Sitzplatz im Bus oder der Bahn kriege; mich ärgern, dass ich keinen kriege, möglichst wenig Leute berühren; manchmal lesen; genervt und müde sein
8-16 Uhr – herumsitzen; zwischendurch alle Stunde etwas essen; viel Kaffee und Cola trinken; ab und zu mal eine rauchen; angemessen auf die Scherze der Kollegen reagieren (nicht zu schnippisch, meistens lächelnd); an meinem Ärmel herumzuppeln, dass man mein Tattoo nicht zu sehr sieht; im Netz surfen; Blogs lesen; und versuchen eine neue Programmiersprache zulernen; manchmal klein
16 – 17 Uhr – Heimfahrt; viel lesen; genervt und müde sein
17 – 22 Uhr – private time; zocken; für den nächsten Tag bloggen; manchmal aufräumen; direkt nach der Arbeit duschen;
22 – 6 Uhr – schlafen; sich ärgern, dass es doch wieder 23 Uhr geworden ist; versuchen zu onanieren, aber gelangweilt einschlafen

Ihr seht, eigentlich geht das. Aber trotzdem bin ich nachmittags so hundemüde, dass ich mich ehrlich frage, wie das andere so schaffen, trotzdem noch ein normales Leben zuführen. Alle sagen immer, dass das schon irgendwann besser wird. Meine Freundin sprach von einer Woche, meine Mutti von 3 Monaten, manch andere von niemals. Wahrscheinlich aber hat meine Mutti Recht, einfach weil Mütter immer Recht haben. Klar, dass ich da die Wochenenden für pure Action verwenden möchte. Darum waren wir mehr oder weniger auch spontan auf einem Konzert (“Right Now”, eine Coverband, AB-SO-LUT empfehlenswert – die spielen auch einmal im Monat), wobei wir vorher noch bei Freunden von Freunden waren. Irgendwie mochte mich der eine Typ da ziemlich sehr, was mir irgendwie unerklärlich scheint. Wenn man aber schon immer um sechs aufsteht und dann bis fünf Uhr in der früh feiert, sieht man am nächsten Tag dementsprechend scheiße aus und ist abends angemessen müde. Vor allem, wenn man Samstag noch auf einen Flohmarkt geht und nur knappe 6h geschlafen hat. Irgendwie scheinen also die Wochenenden genauso hart zusein, wie die Woche an sich.

Am Donnerstag hatte ich ja Einschulung, davon hab ich noch gar nix erzählt. Ich bin da also zu acht Uhr hin und dachte schon, dass die da alle extrem scheiße sind. Schüler halt. Aber dem scheint gar nicht so zusein, denn eine durchwachsenere Klasse hab ich noch nie erlebt. Einer scheint über 40 zusein, ein anderer ist ein Nerd vor dem Herren, mit dem ich mich kurz über Linux unterhielt, die anderen scheinen auch ganz nett zu sein und es gibt tatsächlich genau ein Mädchen, von dem aber noch nicht klar ist, ob si in meine Klasse kommt. Insgesamt sind wir auch nur um die acht Leute. Könnte witzig werden, hoffentlich aber nicht zu anspruchsvoll, dass ich wenigstens in der Berufsschulwoche munter bin. Das Gute ist aber, dass ich nur ungefähr 20 Minuten mit den Öffentlichen da hin brauche. Jetzt hab ich aber auch heute ein Fahrrad bekommen, was die Fahrzeit nochmal drastisch reduzieren dürfte.
Dienstags Sport, ich könnte kotzen. Ich hab mir sagen lassen, dass man da hauptsächlich spielt, Volleyball und sowas. Mal schauen, wie sehr ich mich da ins Zeug legen möchte. Von den Lehrern aber wurde uns angeraten, einfach keine Wertgegenstände wie Handys, MP3-Player und Schmuck mit in die Schule zubringen, weil die Leute da zuklauen scheinen, wie die Raben. Auch super. Wie die Berufsschule an sich wird, kann ich euch dann ja mal zu gegebener Zeit erzählen.
Jetzt bleibt mir nur erstmal zuhoffen, dass ich das mit der Müdigkeit und allem erstmal irgendwie in den Griff kriege. Mein Plan ist auch erstmal, dass ich jeden Tag eine halbe Stunde länger bleibe, um irgendwann mal einen freien Tag einzulegen. Immerhin hab ich schon 2.5 Überstunden. So in zwei bis drei Wochen dann kann ich also auch mal den Freitag blau machen, das wird schön.

Jetzt blogge ich erstmal für Montag und Dienstag ein paar Kleinigkeiten vor, einfach, dass ihr auch mal was zulesen habt. Ich hoffe nur, dass sich das hier für mich irgendwie einspielen wird, weil mir die ganze Blogsache doch zu wichtig ist, um sie einfach aufzugeben. Andere schaffen das ja auch… irgendwie.
So im Großen und Ganzen ist es aber schon ziemlich geil, endlich wieder was zumachen, was unterm Strich ja auch irgendwie Spaß macht und sinnvoll ist. Allerdings darf ich nicht vergessen, mich mal zuinformieren, wie das mit dem Verkürzen der Ausbildungszeit jetzt aussieht. Man sagte mir, ich könnte um ein ganzes Jahr verkürzen, weil ich ja schon Abitur habe. Das wäre natürlich extrem klasse. Anschließend kann ich sogar noch ein BA-Studium dranhängen, wobei ich noch nicht weiß, ob ich das wirklich möchte. Das mit dem Studium hat ja schonmal nicht so gut geklappt. Dafür wäre da dann aber der Anreiz sicher größer, weil ich zum einen bezahlt werde und vielleicht auch an sich strebsamer werde.
Da fällt mir ein, was eine Freundin am Freitag meinte. Sie sagte irgendwie, dass ich schon viel erwachsener wirke. Wahrscheinlich auch irgendwie, weil sie schon wusste, dass ich meiner Freundin sagte, ich würde gerne mit ihr zusammen ziehen. Das find ich an sich schon irgendwie merkwürdig, nicht von ihr, viel mehr von mir.

Noch vor einem Jahr bekam ich Schweißausbrüche, weiche Knie und Fluchtgedanken, wenn ich dran dachte, dass meine Freundin da schon mit mir zusammenziehen wollte. Das war mir viel zu erwachsen, zu gesetzt, zu… ich weiß auch nicht. Vielleicht ist “spießbürgerlich” das richtige Wort. Jetzt die Woche habe ich ihr aber gesagt, dass mir diese Option gar nicht mehr so fremd ist. Die Kosten vermindern sich, wir können uns hier beide um alles kümmern und es ist halt auch jemand da, der einen lächelnd von einem harten Arbeitstag begrüßt. Vielleicht mit Essen, vielleicht sogar mit Bier. Außerdem könnten sich unsere Arbeitswege verringern. Aber da wollten wir erstmal noch ein Jahr warten – das wäre sicher das beste. Jedenfalls bin ich offenbar in der einen Woche erwachsener geworden, als ich se jemals vorhatte zuwerden. Das soll aber nicht bedeuten, dass ich meine Flausen aufgebe. Es werden weiterhin Comics gelesen, Actionfiguren gesammelt und schlechte Filme geschaut. Natürlich bleibt dafür weniger Zeit, aber gemacht wird es dennoch.

Ich vermute ja auch fast, so ein bisschen selbstpsychologisch, dass diese Anwandlungen nur davon kamen, weil das alles einfach irgendwie zu schnell ging. Ich hatte ja letzte Woche Donnerstag das Vorstellungsgespräch, direkt am Freitag meinen ersten Arbeitstag und die Woche jetzt ging schon richtig los. Da bleibt nich viel Zeit, das alles angemessen zuverarbeiten und am Ende kommen dann solche Gedanken dabei heraus. Wer weiß, wie es nächste Woche aussieht, wenn ich in der Schule jemanden finde, mit dem ich meinen Hang zu Pipi-Kacka-Witzen ausleben kann. Ich weiß das alles noch nicht, aber ich schätze, dass das alles, also das Geschafftsein-vom-Arbeitstag, das Erwachsenwerden, das Sich-irgendwie-ausleben-müssen und das Sinnvollsein alles Dinge sind, in die man irgendwie hineinwachsen muss. An sich käme ich ja damit klar, wenn nur dieses “muss” nicht wäre. Ich hatte immer Probleme mit Dingen, die man muss. Aber manche Dinge muss man einfach. Man muss ja irgendwann auch mal erwachsen werden, so wie mal jeden Tag auch mal groß muss. Dienen musste ich nicht und ob ich sterben und Steuern zahlen muss, steht auch noch in den Sternen.

Na mal schauen, wie die nächste Woche wird.

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Kommentare (5)


Simon
20.09.09

Also ich zieh ja bald von Mitte nach Heiligensee um und ich brauch denn statt 35 min 65min zur schule und wenn ich denn keinen Sitzplatz beklomme nervt mich dass bestimmt schon ^^ und in der zeit von 8 bis 16 uhr kann man echt was sinnvolleres machen ^^


Chris
20.09.09

UhOh. Leben in der Bude.

Wenn du auch nach 3 Monaten zwischenzeitlich so genervt bist,…warte noch 3 Monate und verändere etwas.

Oder kauf dir direkt ein Auto.

HarHar.


Marco
21.09.09

Simon: Ach ist halt Arbeit… die ist ja quasi auch irgendwie sinnvoll *g*

Chris: Den Tipp merk ich mir mal… vll zieh ich aber auch direkt um *g*


sebi protagonist
23.09.09

Das mit dem Müdesein ist wirklich eine Gewöhnungssache. Am Anfang habe ich jeden Tag nach der Arbeit ne halbe Stunde bis Stunde hingehauen weil ich alle war und nach wie vor brauche ich nachdem ich länger Urlaub hatte auch ein bis zwei Wochen um das wieder abzulegen, auch wenn ich nicht ganz so müde bin wie ganz zu Anfang.


Marco
23.09.09

Sebi: Na das macht mir Mut… ich merk auch schon, wie ich damit mittlerweile besser klarkomme… man muss sich wohl einfach zwingen *g*

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