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Das war meine erste Schulwoche

Eigentlich wollte ich schon am Freitag darüber schreiben, wie meine erste Schulwoche war, aber ich habe freitags jetzt einfach immer bessere Dinge zu tun, als mich über mein derzeitiges Leben auszukotzen – nämlich die Füße hochlegen und Arbeit Arbeit sein lassen. Eigentlich hätte ich mich auch jeden Tag über die Schule auslassen können, vor allem die ersten beiden Tage, weil die Schule mitunter genau so furchtbar ist, wie ich es mir vorgestellt habe. Aber fangen wir mal am Anfang an.

Wie ihr ja wisst, oder wissen könntet, bin ich nun schon 23 Jahre alt und habe insgesamt auch schon 13 Jahre Schule und ein paar Semester Uni hinter mir. In der Schule war ja jeder von uns und die, die Abi haben, wissen auch, dass es dort den Lehrern eigentlich ziemlich egal ist, was man macht, solange man nicht stört und auch ab und zu mal eine gute Antwort parat hat, denn die Lehrer wissen bzw. denken ja, dass man nicht mehr wegen der Schulpflicht anwesend ist, sondern weil man Abi haben möchte. Klar soweit?
Die unter uns, die auch schon mal an der Uni waren wissen folgendes: Hier ist es den Leuten sogar scheißegal, ob ihr da seid, oder nicht. Die Devise lautet, dass man so viel macht, wie nötig und so wenig wie möglich. Zumindest dachte ich das, was vielleicht auch ein Grund dafür war, dass mein Besuch an der Uni ein eher kurzer war.

Berufsschule aber ist nochmal ein ganz andere Kaliber. Ich dachte ja, dass da hauptsächlich Leute sind, die auch da sein wollen, gerade im Bereich der Informatiker. Einfach deshalb, weil Schule und Job hier auf einer Stufe stehen. Hier nämlich wird man wirklich dafür bezahlt, was man macht; man lernt wirklich für das Leben und wenn man ganz grobe Scheiße baut, wird man halt rausgeschmissen. Das Ziel ist wirklich greifbar und das Lernen macht auf die ein oder andere Weise auch wirklich Sinn, eben weil man Dinge lernt, die man in seinem Job, den man, wenn man es mal ganz naiv betrachtet, die nächsten 40 Jahre (eher länger) gebrauchen kann. Und in Gesprächen mit meinen Mitschülern erfuhr ich, dass das eigentlich alle genau so sehen. Wer aber hat nicht verstanden, dass wir es verstanden haben? Die Lehrer natürlich.

Montag erste Stunde: Ich wurde erstmal direkt angekackt, dass ich meinen Kopf auf dem Arm abstützte. Die nette Frau Lehrerin fragte mich unter anderem, ob ich dem Menschen näher bin, als dem Affen und dass ich mich dementsprechend verhalten solle. Wie gesagt, ich machte nichts weiter als dem Unterricht mit auf die Hand gestütztem Kopf folgen. Urplötzlich fühlte ich mich in meine frühe Schulzeit zurückversetzt, in der man öfter mal wegen solcher Dinge ermahnt wurde. Jetzt konnte ich ihr ja auch nicht direkt meine Meinung dazu geigen, also musste ich mich zusammengebissenen Zähnen Dinge wie “Jawohl Frau Lehrerin” sagen.
Dem aber nicht genug. Ein Mitschüler kam ein paar Minuten zu spät zum Unterricht und wollte sich ganz still auf einen Platz setzen. Das fand die nette Frau gar nicht in Ordnung und wies ihn an erstmal stehen zubleiben. Tat er auch, bis es ihm zu blöd wurde und er sich hinsetzen musste. Sie allerdings drohte damit die Polizei zurufen. Ohne scheiss, sie wollte die Polizei rufen, weil er sich hinsetzen wollte. Das Ende der Geschichte ist jedenfalls, dass er zum Direktor musste, mit dem er dann wiederkam und sich still auf seinen Platz setzte. Das kostete insgesamt gute 10 Minuten Unterrichtszeit, die ich sinnvoller hätte herumbringen können. Am nächsten Tag übrigens wurde ein Stapel Aufsätze geschrieben, weil wieder einige zu spät kamen, in denen erklärt wurde, warum diejenigen diesmal zuspät kamen.

Sport übrigens könnte ganz nett werden, zumindest anders, als ich erwartet hätte. Die Lehrerin sagte, dass man schon eine gute Zensur bekommt, wenn man überhaupt anwesend ist. Damit kann ich gut leben, denk ich. Aber eigentlich werde ich ja FAchinformatiker, vielleicht sollte ich deswegen eher von den Informatikfächern erzählen, die mich so erwarten. Davon habe ich nämlich genau zwei, mehrmals die Woche. In dem einen wird auch tatsächlich programmiert werden, allerdings auf einem Niveau, dass für mich und jeden anderen, der schonmal irgendwas programmiert hat, ein Witz ist. Deswegen war ich Mittwoch auch schon eine Stunde früher zuhause, eben weil wir, mein Programmierkumpel und ich, nicht nur früher fertig waren, sondern auch die Aufgaben der nächsten Stunde schon erledigt hatten.
Das andere Informatikfach beschäftigt sich hauptsächlich mit Perepheriegeräten und das klingt genau so, wie man es sich vorstellt. Wir müssen wissen, was es für Drucker gibt, wo man sie am Besten einsätzt, was für Bildschirme man wo am Günstigsten verwendet und was es überhaupt für Eingabegeräte gibt. Davon wird auch meine Klassenarbeit handeln.
Eines der eher spannenderen Fächer nennt sich aber “Betriebswirtschaftliche Prozesse” in dem es bisher eher um die Preisgestaltung durch Angebot und Nachfrage ging. Lustiger Weise habe ich in genau dem Thema Abi gemacht und kann von dem Wissen noch eine ganze Menge abrufen. Das Blöde daran ist aber, dass ich mich häufiger Man bremsen muss, um der Lehrerin nicht zusagen, dass es alles ziemlicher Quatsch ist, was in dem Unterricht so erzählt wird. (Wenn man eine Angebots- und eine Nachfrage kurve zeichnet, um den optimalsten Preis herauszufinden, dann ist das einfach Schwachsinn… wenn eine Kurve dann noch, wenn man die Aufgabe auf die falsche Weise betrachtet, eine Senkrechte ist, dann ist das einfach noch viel größerer Schwachsinn… wollte aber keiner hören)

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Was mich aber am meisten nervt ist nicht etwas das unterirdische Niveau, auf dem wir da lernen und ganz sicher auch nicht die haarklein vorgegebene Art der Hefterführung (mit Inhaltsverzeichnis, Seitenzahlen, nicht über den Rand schreiben), die auch noch zensiert wird, sondern eher so ein Typ, den wir da alle seit dem ersten Tag hassen. Solch einen Streber habe ich echt noch nie gesehen. Es ist ja nicht schlimm, wenn man gut sein will – das will ich ja auch. Ich wäre sogar gerne der klassenbeste, was ich mit etwas Anstrengung vielleicht sogar schaffen könnte. Es ist nur einfach total widerlich, wenn man sich den Lehrern so sehr anbiedert. Man kann gar nicht beschreiben, was ihn so eklig macht, es ist nur einfach die Art, wie er sich gibt. Er hat wirklich immer noch etwas dazu zusagen, sogar, wenn er gar nicht gefragt wird. Er mischt sich in Gespräche ein, ohne, dass man wirklich seine Meinung hören möchte und egal, was er sagt, man möchte ihn einfach nur ignorieren. Blöderweise ist er in meiner Projektgruppe. Nicht, weil wir das wollten oder weil wir nicht nein gesagt hätten, als er fragte. Nö, er ging zur Lehrerin und meinte, dass er keine Gruppe hat und gern bei uns wäre. Ich glaube, ich habe in dem Moment ein bisschen durch die Nase gekotzt. Vielleicht ist es aber auch ganz gut jemanden dabei zuhaben, der einfach die ganze Arbeit macht, die man selbst nicht machen möchte, weil er sonst ein eher schweres Leben haben wird.

Das bringt mich zu einer Beobachtung, die ich in den Pausen gemacht habe: Scheinbar ist es egal, wie alt und gesetzt man ist, man spielt irgendwie immer eine Rolle. Es gibt den Witzigen, den Ruhigen, den Überdrehten, den ganz Stillen, den Streber, den, der immer isst und noch viele andere Klischees. Das nervt mich ein bisschen, aber das sind wohl Dinge, gegen die man nix machen kann.

Im Großen und Ganzen also war die erste Berufsschulwoche schon ganz in Ordnung. Es ist aber auf jeden Fall noch zu früh, um das wirklich beurteilen zukönnen. Es wäre auch alles nur halb so schlimm, wenn die Lehrer einfach mal erkennen würden, dass die meisten da jetzt schon wissen, was gut für sie ist und uns nicht wie Kinder behandeln würden, was ich zum Beispiel ja nun wirklich nicht mehr bin. Aber Lehrer, vor allem verbeamtete, sind wohl einfach bescheuert. Mal schauen, ich hab ja nur alle drei Wochen Schule, das halte ich schon irgendwie durch.

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Kommentare (5)


Cyrus
27.09.09

Also das mit der Polizei ist ja mehr als albern. Das kann die doch nicht machen, nur weil man mal zu spät kam.


Marco
27.09.09

Na ja, ich finds schon krass, dass man überhaupt notiert wird, wenn man zuspät kommt… darüber wird dann natürlich auch der Betrieb informiert… *g*


Niels
27.09.09

Erm, ja. Die Sache mit dem Kopf aufm Arm is ja schon hart. Aber zum Direktor beim zu spät kommen Oo Wenn die gute Lehrerin bei uns wär, hätten wir keinen Direktor mehr der sich um die Schule kümmert…gut, haben wir momentan auch nicht, aber das is nen andres Thema..Bifi die faule Socke.


Frank
21.10.09

Du hast nicht ganz zufällig bei Frau L*** und bei Frau M***? :D


Marco
21.10.09

Ich habe keine Ahnung, wovon du sprichst, du mir völlig unbekannter ;)

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