1811 Ich war im Fernsehen!

Okay, nicht ganz ich, aber dafür mein Blog. Zwar nicht komplett, dafür aber der Artikel, die Kommentare und die dazugehörigen Gravatare. Ich glaube, mein Herz hat in diesem Moment einen kleinen Aussetzer gehabt, aber ich erzähle mal von Anfang an.
Es ist ja so, dass ich nicht mit meiner Freundin zusammenlebe. Das passiert, ist sicher nicht ungewöhnlich und soll auch irgendwann mal geändert werden – vielleicht. Deswegen aber ist es auch so, dass wir abends immer noch miteinander telefonieren, was in gut funktionierenden Partnerschaften auch eher normal, als erwähnenswert, ist. Allerdings lief gerade zu der Zeit bei mir im Fernsehen Galileo, weil ich diese Sendung komischer Weise immer noch nicht abgeschrieben habe. Ich hoffe ja immer noch ein bisschen, dass da irgendwann mal ein wirklich richtig guter Beitrag kommt, bei dem ich etwas wirklich Neues lerne. Diese Hoffnung wurde aber leider noch nicht erfüllt, weswegen ich in Sachen Bildungsfernsehen da doch lieber auf die Sendung mit der Maus zurückgreife. (Jetzt wirklich, ich schaue die Sendung mit der Maus echt gern, weil man da wirklich noch etwas lernen kann. Mir fällt auch gerade auf, dass Galileo auch ein bisschen, wie die Sendung mit der Maus ist – nur mit weniger Wissen, dafür mit mehr Mädels im Bikini. Aber ich schliesse mal lieber die Klammer wieder und kehre zum eigentlichen Artikel zurück. Hier isse: )
Wie gesagt lief gerade Galileo und eine der bescheuertsten Kategorien dieser Sendung ist ja der noch gar nicht allzu alte Galileo-Fakecheck, in dem meistens uralte (also Reallife-uralt, nicht Internet-uralt) Videos oder Bilder gezeigt werden, deren Wahrheitsgehalt dann von einem Galileopraktikanten -reporter überprüft werden. Jetzt sitz ich also auf meinem nierenförmigen Sofa, klage bei meiner Freundin über meinen eher beschissenen Tag (jeder Tag ist beschissen, der um 6 Uhr anfängt) und schaue mit halbem Auge den Galileo Fakecheck. Ich sag noch so “Ey guck mal, den Beitrag mit den Löchern in Kühen hatte ich auch mal, weißte noch?”, worauf meine Freundin dann immer sowas sagt wie “Ich kann mir nicht jeden deiner Artikel merken”, worauf ich dann immer sowas sage wie “Ich schon”.
Der Fernseher zeigte in wunderbarer Internet-to-Tv-Manier, wie jemand in die Googlesuchleiste “Kuh mit Loch” schrieb und Bämm, auf einem mir absolut bekannten Blog landete – nämlich meinem. Den Titel oder die Adresse zeigten sie natürlich nicht, da hätten sie ja vorher fragen müssen, was ihnen noch mehr Arbeit gemacht hätte, aber es wurde über den Beitrag gescrollt und ich dachte noch so “Hey, den Gravatar hab ich ja auch”.
Meine Freundin, die zufällig auch gerade Galileo schaute (es ist ja nun nicht so, dass wir das gerne schauen, aber irgendwie landet man, aus oben genannten Gründen eben doch hin und wieder mal dort. Hin und wieder ist aber ehrlich gesagt immer, ich schäme mich ja auch ein bisschen, aber… Da fällt mir ein, dass ein anderer Sender, der zur selben Zeit eine informativere Wissenschaftssendung zeigt, sicher gute Chancen hätte zubestehen. Planet Wissen aus dem rbb zb. Statt um 14 Uhr könnten die das doch einfach um 19 Uhr zeigen. Nur mal so als Hinweis. Aber ich halte mich schon wieder viel zu lange mit Klammersätzen auf.), sagte noch, dass das doch mein Blog sei, woraufhin ich sagte, dass das sicher nicht sein könne. Sie so “doch, doch, das war dein Blog, ich kenn doch dein Häschen”, was übrigens keine Anspielung war, aber, wenn es eine wäre, der Wahrheit entspräche, wobei Häschen ein eher blöder Kosename dafür wäre.
Ich also schnell an den Rechner und mal geschaut, was dabei herauskommt, wenn man “Kuh mit Loch” bei Google eingibt und Tatsache: Ich stehe da an dritter Position. Also schnell direkt weiter auf meinen Blog, über 600 Gäste online. Kurz aktualisiert, Blog kaputt. Offenbar kam der Server nicht mit so vielen gleichzeitigen Abfragen klar. Ich, ziemlich aufgeregt, habe offenbar auch eine Menge Mist bei Twitter gepostet, was Thang aber zum Glück schnuffelig fand.
Jedenfalls hatte ich dann an dem Tag ungefähr sechs Mal mehr Besucher, als normal und am Tag später sahen die Besucherzahlen auch noch ziemlich klasse aus. Offenbar haben die ganzen Kids, die das nicht sehen konnten, dann später in der Schule davon erfahren und auch mal danach gegooglet.
Schon klasse, was so ein Beitrag im Fernsehen bringt, aber es ist auch ein bisschen überraschend, wieviele Leute, die so etwas im Fernsehen schauen, dann auch direkt danach recherchieren. Erschreckend aber ist, dass Galileo den Beitrag, der jetzt nicht sooo viele Leute begeistert hat , eines, das gebe ich mal offen zu, eher drittklassigen Blogs, mit “Was die Internetgemeinde bewegt” (oder so), einleitet. Für mich war es, neben der Explosion der Besucherzahlen, auch mal ganz nett zu sehen, wie Galileo so arbeitet. Was mich da aber noch interessieren würde ist, wie sie an die ganzen Beiträge kommen, die sie dann ihrem Fakecheck unterziehen. Sitzt da ein armer Praktikant oder Azubi in seiner dunklen Kammer und sucht den weirdesten Scheiß des Internets? Oder sitzt da ein ganzer Think Tank, der sich damit beschäftigt?
Hier aber noch ein paar Tipps für Galileo, die, wenn sie wirklich so internetaffin sind, wie sie propagieren, darüber sicher dankbar sein werden:
In dieser, ich benutze mal das relative abgenutzte Wort, Blogosphäre gehört es einfach auch zum guten Ton, dass man seine Quellen benennt. Das hat nix damit zu tun, dass ich NOCH mehr Besucher haben will (wobei eh fraglich ist, wie “wertvoll” Besucher sind, die nur einen bestimmten Beitrag lesen), sondern ist einfach sozial. Man honoriert dadurch quasi den Quellblog, dass er so etwas Cooles gefunden hat, was sogar noch cool genug ist, um von mir erwähnt zuwerden. Außerdem ist das Teil der Vernetzung, durch die diese ganze Sache hier mit den Blogs und dem Internet überhaupt erst funktioniert. Das gilt übrigens nicht nur für Galileo im Speziellen, sondern auch für alle, die Sachen ins Internet posten, im Allgemeinen. Nur mal so.
Das Fernsehen hat, auch wenn sie nachlässt, immer noch eine gewisse Machtposition und die Leute sind weniger blöd, als man annehmen mag. Wenn ihr Leute da im Fernsehen also irgendwas mit Internet macht, könnt ihr aber sicher davon ausgehen, dass die Leute versuchen, das auch im Netz nachzuvollziehen. Daher wäre eine kurze Mitteilung, dass ihr eben den Beitrag zb. von mir bringt, nett, dass ich vielleicht meinem Provider Bescheid geben kann, dass sie entsprechende Maßnahmen treffen. Wenn die Seitenaufrufe nun zum Beispiel nicht durch reale Menschen erzeugt worden wären, sondern durch ein Programm, würde man das DDOS-Attacke nennen und das wär scheiße. Warum muss ich internetaffinen Leuten ja nicht erklären.
Als letzten Tipp hab ich noch, auch wenn ich davon ja schon irgendwie profitiert habe, dass man wirklich nicht jedem Scheiß einen ziemlich langen Beitrag widmen muss. Okay, das mit den Kühen, die Löcher im Bauch haben, ist schon interessant. Aber was da sonst so geprüft wird ist echt einfach unnötig und langweilig, zumal die Erklärung dazu ja auch im Artikel dazu stand. Aber ich kann verstehen, dass jemand im Fernsehen, der einfach einen Artikel aus dem Netz vorliest, auch eher langweilig ist.
Aber wie gesagt, ich war im Fernsehen – woohoo. Zumindest in gewisser Weise.





