2912 Mein Jahr 2009
Ehrlich gesagt ist das hier schon mein zweiter Anlauf, einen kleinen Jahresrückblick zu schreiben. Der erste, den ich immer noch gespeichert habe, beschäftigt sich gerade mal mit vier Tagen, die ich besonders prägent fand, für die ich aber über 3000 Wörter verbrauchte. Da wir Dank des Internets und des medialen Terrors aber alle schon erste Anzeichen von ADS haben, kann ich schlecht davon ausgehen, dass jemand einfach mal so einen so langen Text wegliest. Gespeichert habe ich ihn noch, einfach, weil es auch gut tat, das alles einfach mal aufzuschreiben. Veröffentlichen werde ich ihn aber nicht, weil ich beim Schreiben schon merkte, dass das ganze viel zu persönlich wurde und solche Seelenstrips will doch wirklich niemand lesen. Vor allem möchte ich mich glaube ich nicht auf diese Art im Netz offenbaren. Ich werde nun also versuchen, diese Version hier allgemeiner zu halten. Hier also mein kleiner Jahresrückblick 2009, das Jahr, in dem ich auf einmal erwachsen wurde.
Ich – spontan erwachsen
Angefangen hat das Jahr mit einer Migräne. Am Silvesternachmittag kochte ich mit meiner Freundin noch das beste Gericht, das wir können (Kartoffelbrei mit Fischstäbchen und Mischgemüse – mein Ambrosia), wobei ich schon immer das rechte Auge zukneifen musste, um irgendetwas zuerkennen. Ein paar Minuten, einen vollen Bauch und eine Tasse Kaffee später lag ich auch schon im Bett und versuchte dieses Unwohlsein, Migräne hat ja nicht direkt etwas mit Kopfschmerzen zu tun, mit Schlaf zubehandeln, was natürlich eher nicht funktionierte. Später erfuhr ich, dass sowieso gerade mal die Hälfte der Speisen auf dem Teller landete.
Migräne ist irgendwie komisch. Man fühlt sich, wie wir Sci-Fi-Nerds sagen, so ein bisschen aus der Phase verschoben. Alles ist genauso wie vorher, aber doch irgendwie anders. Das Essen schmeckt und riecht anders, der eigene Körper fühlt sich anders an und seinem eigenen Zeitempfinden kann man sowieso nicht mehr trauen.
Dementsprechend war meine Laune auf der späteren Silvesterparty auch eher im Keller, was hoffentlich niemand so richtig mitbekam. Okay, außer vielleicht diesem einen Mädchen, dass ständig an mir vorbei musste, weswegen ich ständig meinen Stuhl verrücken musste. Einmal entschuldigte sie sich mit “Entschuldigung, ich muss hier nochmal durch. Aber ich bin ja relativ dünn” – “Relativ dünn ist ja auch relativ dick.” Danach war nichts mehr wichtig genug, um auf die andere Seite des Raumes zu gelangen.
Der Rest des Abends verlief recht ereignislos. Silvester halt. Viel Geknalle, viel Alkohol (nicht für mich natürlich), viele abgefrorene Zehen.
Vielleicht sollte man solche Dinge als Omen nehmen. Wenn das Jahr schon so anfängt, dann kann der Rest auch nicht sonderlich einfach werden. Klar, dieses Jahr war awesome, aber es war auch schwer. Es war voller Veränderungen, voller Erkenntnisse und es war nicht immer leicht. Aber es war klasse, denn ich wurde erwachsen.
So sah ich Silvester 2008 aus. Ja, ich bin der einzige in meinem Freundeskreis mit richtigem Gesicht
Den Trend konnte ich schon ausmachen, als ich Mitte Mai bei meiner Familie in Bayern war. Erstmal etwas vorweg: Meine Familie (die in dieser Bezeichnung erstmal nur aus meiner Mom und meinen kleinen Geschwistern besteht) ist klasse. Irgendwann letztes Jahr zogen sie da runter, um ihr Glück zufinden, was sie, vermute ich mal, auch schafften. Klar finde ich es toll, dass sie es endlich aus Brandenburg heraus geschafft haben, denn, und da sollte man ehrlich sein, wenn man aus Brandenburg nicht herauskommt, versauert man da. Brandenburg ist toll, keine Frage, ich bin ja da aufgewachsen. Aber es ist eben Brandenburg. Die Zukunftsperspektiven sind doch eher begrenzt.
Als ich damals die Wohnung betrat, fühlte ich mich gleich wieder heimisch. Alles war wie früher, nur eben ein bisschen älter – die Möbel, der Tand, sowie auch die Menschen. Alelrdings auch anders angeordnet. Komischerweise fühlte ich mich dort trotzdem eher als Gast. Sicher weiß ich, dass ich da als Sohn und großer Bruder immer willkommen bin, aber in den Jahren, die wir nicht mehr zusammen lebten, haben wir uns alle doch irgendwie in unterschiedliche Richtungen entwickelt und mein Zuhause (wobei die Frage, was genau mein Zuhause ist, da ich doch sehr oft umgezogen bin) existiert nicht mehr. Ist es Berlin? Ist es diese kleine 35+ m² Wohnung? Irgendwie nicht.
Chiemsee, Mitte Mai 2009. Ich finde mich schön
Irgendwann im Laufe des Jahres, als die Studiengebühren der Semesterbeitrag fällig war, dachte ich mir: Nö, die bezahl ich diesmal nicht. Wozu auch? Ich hatte schon mehrere Semester verschwendet und irgendwie nichts Sinnvolles erreicht. Während andere sichtbare Fortschritte machten, saß ich noch immer da und konnte irgendwie nichts. Es ist nicht so, dass mir der Stoff zu schwierig war, die Mathematik und vor allem Physik finde ich heute noch extrem spannend, aber irgendwie kam ich einfach auf keinen grünen Zweig. Also hatte ich quasi ein halbes Jahr angestrengtes Gammeln vor mir, in dem ich ein paar Bewerbungen schrieb. Gerade, als die Bewerbungsphase der Firmen schloß, ich hatte schon die Befürchtung noch ein Jahr warten zumüssen und spielte schon mit dem Gedanken an einer Hochschule private Kurse zu unterrichten, bekam ich einen Anruf, bei dem gefragt wurde, ob ich am nächsten Tag Zeit hätte. Klar hatte ich Zeit. Zeit war sogar das einzige, was ich im Übermaß hatte.
Kennt ihr eigentlich die Sendung, in der drei Bewerber um eine Stelle kämpfen und am Ende nur einer genommen wird? Genauso war das. Ich bekam sogar solch einen Test, in dem ich verschiedenste Fragen beantworten musste: Wer der aktuelle Bundespräsident ist, wie die Bundesländer und deren Hauptstädte heissen, ich musste Matheaufgaben lösen, mein logisches Denken wurde getestet. Später erfuhr ich, dass die Leute, die das kontrollierten, wohl ziemlich überrascht waren, was ich alles wusste. Am 11. September hatte ich dann auch schon meinen ersten Arbeitstag.
Plötzlich war ich erwachsen, ein Mitglied dieser Gesellschaft, erwerbstätig. Ich arbeite seit dem acht Stunden täglich, meistens mehr. Einen Tag vorher hatte ich weder eine Perspektive, noch ein Ziel und schon gar keine Vorstellung, wie ich den Tag sinnvoll herumbringen sollte. Nun aber hatte ich eine Richtung, wusste, dass ich drei Jahre später ein Fachinformatiker sein würde, mit einer extrem coolen Ausbildung aus einem der größten Betriebe Deutschlands. Ich trage nun täglich Hemden und versuche seriös zu wirken. Während ich früher um drei Uhr nachts putzmutner war, bedeutet für mich heute drei Uhr nachts wirklich nachts.
Media – was ich konsumierte
Früher, bis 2008, hörte ich eigentlich hauptsächlich Metal, obwohl ich sowieso schon immer gern über meinen eigenen Tellerrand hinausblickte und andere Musikgenres für mich eroberte. Sei es nun Zeug aus dem Elektrobereich, Lärm aus der Hardcoreecke, mitunter auch Kram aus dem Hiphop-Bereich. Ich liebe Musik einfach, in all ihren Erscheinungsformen, aber wenn mich jemand fragte, auf was für Musik ich stehe, war die Antwort immer “Metal”. Dieses Jahr aber hat es mir ein Genre besonders angetan und wenn ich so darüber nachdenke, wundert es mich, dass das nicht schon früher passiert ist. Die Rede ist natürlich, und als geneigter Leser meines Blogs kann man es erahnen, von Psychobilly. Ich mochte schon immer die morbiden Dinge, Zombies, Vampire und Monster. Horrorfilme sind nach wie vor eines meiner liebsten Filmgenres und Psychobilly ist einfach die musikalische Variante dessen. Mir sind natürlich schon öfter Bands aus dieser Ecke begegnet, aber in diesem Jahr habe ich mich das erste Mal ernsthaft damit auseinandergesetzt.
Ich mag auch einfach den Style der Psychobillys und -bellas, habe ich mich doch schon in diese Richtung bewegt, ohne zu wissen, was eigentlich meine Richtung ist. Die Rede ist hier von dunkler Kleidung, Haartollen, Tattoos und verschiedensten Symbolen, die man auch dem Metal oder dem Rockabilly zuschreiben könnte.
Meine Bands des Jahres sind also, weil ich sie eigentlich fast täglich höre, The Creepshow, Mad Marge & The Stonecutters, Koffin Kats, The Bloodsucking Zombies from Outta Space, Kitty in a Casket und wie sie alle heissen, die sich ständig in meiner Playlist tummeln. Hinter jedem Link versteckt sich übrigens ein exemplarisches Video. Ich darf allerdings nicht Johnny Cash vergessen zu erwähnen. Seine Musik hat mich wohl am nachhaltigsten in diesem Jahr geprägt. Klar kannte und schätzte ich ihn auch schon vorher, aber dieses Jahr hat er sich einfach in meinem Ohr festgesetzt. Keine Ahnung warum. Doch, eigentlich schon, aber das würde wieder in einem Seelenstrip enden und den wollte ich ja vermeiden.
Ich glaube, über den Psychobilly sollte ich mal einen Extra-Artikel schreiben.
Dieses Jahr habe ich auch meine Leidenschaft für Comics wieder entdeckt. So mit 16, 17 Jahren las ich sie eigentlich regelmässig, aber irgendwie hat sich das im Laufe der Zeit dann auch gegeben. Ich glaube der Knackpunkt war, dass die Lobo-Serie in Deutschland eingestellt wurde. Dieses Jahr aber begannen wir, Freundin und ich, uns damit eingängiger zubeschäftigen und die Liebe ist wieder da. Wahrscheinlich war sie nie weg. Heute ist meine Comicsammlung sogar größer, als damals. Klar, jetzt verdiene ich ja Geld, hab aber kaum Zeit, es auszugeben. Früher war es genau anders herum. Ich habe sogar ein Extra Regal für meine Hefte und darin ist noch sehr viel Platz. Das wird sich aber ändern. Das mit dem Platz, nicht das mit dem Regal.
Ich überlege gerade, ob ich noch etwas zu Filmen und Serien schreiben sollte. Aber ich denke, dass das Quatsch ist, weil wir die meisten Filme ja alle gesehen haben. Dieses Jahr war aber auf jeden Fall ein großartiges Kinojahr. Es gab nur ein bisschen wenig Sci-Fi, aber das ist ja immer zu wenig, egal, wie viel da kommt.
Ich vermute fast, dass meine Interessen, also die Musik, die Filme, Comics und der ganze Nerdkram, nur dadurch wuchsen, weil ich eben auf einmal erwachsen wurde. Vielleicht ist es der unterbewusste Drang nicht erwachsen sein zu wollen. Ich war immer Peter Pan, der sich gegen das Erwachsenwerden wehrte. Heute bin ich nur noch ein Freizeitpeterpan. Ein bisschen stört es mich, aber eigentlich ist es genau die richtige Mischung.
Mein Blog – meine Stimme in den Äther
2009 ist wohl das Jahr, in dem ich mit meinem Blog richtig durchstarten konnte. Ich weiß gar nicht, wie das auf einmal kam, wahrscheinlich wurde ich einfach von den richtigen Leuten verlinkt. Wahrscheinlich ist das sogar genau der Grund. Mein Blog war sogar im Fernsehen, was meinen Server in die Knie zwang, ich durfte ein Interview führen und das Bloggen als solches hat mir wieder richtig, richtig Spaß gemacht. Abgesehen davon natürlich, dass meine Besucherzahlen heute selten unter 400 gehen. Okay, genau heute natürlich schon, aber die Leute haben zur Zeit wohl auch einfach besseres zu tun, als im Internet herumzupimmeln. Was ich mir natürlich wünschen würde, wären mehr Kommentare, aber darauf habe ich wohl nur wenig Einfluss. Ich glaube dieses Jahr werde ich das noch weiter treiben. Ich werde über Werbung nachdenken, versuchen noch ein paar Aktionen zustarten und wieder mehr richtige Artikel, wie diesen hier, schreiben. Ich weiß noch nicht. Fertig bin ich damit noch lange nicht.
Ihr Leser seid da übrigens ausnahmslos mein Antrieb. Jeder Kommentar, jeder Trackback, jede Erwähnung spornt mich weiter an. Andere Blogs, großartige Blogs sind meine Inspiration, treiben mich an genauso gut oder gar besser zu werden. Ihr seid alle awesome. Außer die, die das hier grad nicht lesen. Die sind alle blöd.
2010 wird großartig!






