3005 Und dann waren wir plötzlich alle Lena
So oder so ähnlich titelt es heute von diversen Websites, Blogs, Zeitungen (vermute ich, ich lese keine (mehr)) und Fersehsendungen. Die ersten schlagen auch schon eine Brücke zur anstehenden Fussball-WM und prophezeien uns einen unaufhaltsamen Lauf (uns im Sinne von allem was irgendwie aus Deutschland kommt) und jetzt sind wir nicht nur Papst und bald Fussball, sondern auch Lena.
Ich muss ehrlich gestehen, dass ich uns wirklich keine großen Chancen einräumte. Wir trafen uns nämlich gestern zu einer kleinen Eurovision-Soirée mit 10 Leuten und einem Hund, einer hatte sogar ein Tippspiel vorbereitet und ich trug bei Lenas Platzierung den sechsten Platz ein. Die Top 10 hielt ich für möglich, den ersten Platz aber für absolut unwahrscheinlich. Ich hatte sogar eine kleine Side-Bet mit meiner Freundin laufen – sie wettete auf eine Platzierung in den Top 5, ich dagegen. Jetzt schulde ich ihr ein Essen.
Während der Show sah ich unsere Chancen noch weiter schwinden, denn meine absoluten Favoriten der Sendung waren Belgien mit dem Jungen und seiner Gitarre, die Ukraine mit ihrer Mischung aus Pink und Ke$ha und Moldavien mit ihrer Gaga-Gruppe, obwohl ich da gerade rauchen war. Tatsächlich tippte ich Griechenland sogar auf den letzten Platz.
Jetzt aber hat das kleine Mäuschen aus Hannover, die einfach so ist, wie sie ist, im Fernsehen auch mal flucht und nur Fragen beantwortet, die ihr passen, aber einfach mal gewonnen und blieb dabei immer supersympathisch und total nett. So ganz ohne bombastische Bühnenshow, einfach mit ihrer Art, einem wirklich guten Song (den ich schon so oft gehört habe, dass er mich nicht mehr nervt) und einer scheinbar grandiosen Crew im Hintergrund. Nicht zuletzt mit dem Raab, von dem man zwar halten kann, was man will, der aber auch immer wieder ein goldenes Händchen in Sachen Musik beweist.
Ich glaubte wirklich, dass eine gute Platzierung, also eine in den Top 5, für Deuschland einfach nicht möglich sein wird, hauptsächlich aus politischen Gründen, da ja scheinbar die Gewohnheit vorzuherrschen schien, dass sich die befreundeten Staaten gern selbst mal die Punkte zuschoben. Als ich während der Punktevergabe aber kurz auf der Toilette war, das Fenster stand offen, hörte ich es auf den Neuköllner Straßen ebenso laut jubeln, wie bei uns im Wohnzimmer. Lena hatte scheinbar wirklich eine gute Chance.
Und ich freu mich. Nicht nur, dass ein deutscher Act die ganzen europäischen Zuschauer begeistern konnte, sondern auch, dass dieses Vorurteil, das eigentlich nur die ganz furchtbar schlechten Auftritte der No Angels und dieses Alex Sowieso entschuldigen sollte, widerlegt wurde.
Lena könnte wirklich mal eine ganz Große des Musikbusiness werden, das aber auch nur, wenn sie in etwa so bleibt, wie sie jetzt ist. Einfach so freundlich, natürlich, ein bisschen verrückt und ehrlich. Wahrscheinlich ist es einfach genau das, was vielen Leuten in der Branche fehlt.
Beim Tippspiel habe ich übrigens grandiose 0 Punkte gemacht, weswegen ich mich wohl nie mehr über Musik äußern sollte.
Übrigens habe ich mir auch schon eine kleine Lena-Fanflagge gebastelt, mit der ich die nächsten Tage durch Neukölln marschieren werde: Vier schwarze L’s im Kreis angeordnet, in einem weißen Kreis auf rotem Grund. Schwarz für ihr Haar, weiß für ihre Haut und rot für ihre vollen Lippen. (Das hab ich gestern schonmal als getweetet, aber solche Sprüche kann man ja mehrmals bringen)
Das ist natürlich völliger Quatsch; ich freu mich.





