1907 Ditt is meen Neukölln – eine kurze Reise in 9 Schritten
Irgendwann im März bekam ich zum Geburtstag eine neue Digitalkamera geschenkt, die ich natürlich auch gleich ein bisschen ausprobieren wollte. Leider ist sie nicht ganz soooo, ich sag mal, gut bzw. praktikabel, aber das soll hier nicht das Thema sein. Viel mehr wollte ich euch eigentlich schon seit Ewigkeiten diese Schnappschüsse zeigen, die ich damals, auf der Sonnenallee zwischen Hermannplatz und Schulenburgpark, der Route des M41, aufgenommen habe. Klar entsprechen sie nicht eurem oder gar meinem künstlerischen Standard, aber es gibt ja auch Leute, die auf naive Kunst abfahren. Vielleicht können wir uns ja mal einigen, dass wir das einfach als solche verkaufen?
Die Route des M41, zwischen dem Hermannplatz und dem Schulenburgpark ist nämlich die Strecke, die ich jeden Tag fahre. Jeden Tag. Wirklich. Jeden. Tag. Seit Jahren. Die hier gezeigten Bilder, über die ich dann auch kurz noch einen Schwank erzählen werde, sind alle am 30.03. (da kann man mal sehen, wie lange die hier herumliegen und wie schön es damals schon war) am Hermannplatz, am Hertzbergplatz, am Dammweg und im Schulenburgpark entstanden.
Ich möchte euch eigentlich nur zeigen, was ich jeden Tag sehe. Jeden. Tag.
Dieses Bild stammt direkt vom Hermannplatz, mit Blick auf die Hasenheide. Prinzipiell sind die Gebäude dort ja eher schick und modern, nicht neu und sicher nicht modern wie der Potsdamer Platz, aber doch recht schnieke. Diesem alten Möbelhaus allerdings kann man direkt beim Verfallen zuschauen. Allerdings scheinen da ja immernoch Leute drin zu wohnen.
Das ist eines der Bilder, die ganz gut zeigen, dass ich entweder mit der Kamera nicht klarkomme, oder ich die Schuld bei ihr suchen muss. Trotzdem ist es erstaunlich, wieviele alte Werbetafeln und -zeichnungen man auf der Sonnenallee finden kann. Das Möbelhaus gibt es wahrscheinlich schon lange nicht mehr, aber die Schrift an der Fassade ist geblieben. das Bild wurde am Hertzbergplatz, oder besser an der gleichnamigen Bushaltestelle, aufgenommen.
Wenn ich das vom Bus aus sehe, muss ich eigentlich immer wieder mal grinsen, weil es irgendwie so typisch ist. Typisch für was, weiß ich nicht, aber anfangs schüttelte ich, als ich das sah, öfterm al den Kopf und dachte “typisch”. Vor allem einfach, weil es so herrlich subtil ist, wunderte ich mich doch anfangs, warum man sich an dem Schriftzug eines Waschsalons vergehen sollte. Es dauerte echt eine Weile, bis ich es erkannte. Ich hoffe jetzt natürlich, dass es mir da nicht als einziger so geht. Der Salon befindet sich auch an der Bushaltestelle Hertzbergplatz, allerdings auf der anderen Straßenseite.
Auch vom Hertzbergplatz. Ich finde es irgendwie ein bisschen erstaunlich, warum zwischen den ganzen brauen, grauen, beigen und schmutzigen Häusern gerade eines so gestrichen wird. Nicht, dass es mich stören würde, aber es ist doch schon recht eigenartig.
Wisst ihr, was ich wirklich erstaunlich finde? Sonnenuhren. Nicht Sonnenuhren im Speziellen, sondern viel mehr die Tatsache, dass es in Neukölln wirklich viele davon gibt, meistens recht unbemerkt an Hauswänden, ab und zu aber auch als Gebilde auf dem Boden. Diese hier zum Beispiel befindet sich ein Stück weiter rechts vom Waschsalon. Warum auch immer, zumal das Haus ja auch nicht so alt ist, als dass es, als es gebaut wurde, noch keine Uhren gab, was ihre Existenz ja irgendwie erklären würde. Wahrscheinlich ist sie da eifnach nur als kleines Gimmick – ich mags.
Dammweg, Ecke Sonnenallee. Ich habe nicht die geringste Ahnung, was das für ein Gebäude ist oder wozu es mal diente. Heute ist es wahrscheinlich ein Wohnhaus, wobei merkwürdig ist, warum da auf der Rückseite so viele Rohre hinein gehen. Wisst ihr, das ist irgendwie auch Neukölln – viele alte, schicke Gebäude, neben neueren, moderneren.
Das hier ist aber auch wieder total Neukölln – Herumgemecker. Wenn ihr, als Touris oder Fremdbezirkler, durch Neukölln wandert, wird euch auffallen, dass hier wirklich sehr viel gemeckert wird. Ob nun über das Wetter, egal ob gut oder schlecht, über die Politik, den Bus, die Bahn, die Hunde, die Penner – Meckern ist hier Volkssport. Und böse gucken.
In diesem Laden da war übrigens irgendwie schon alles drin, aber nichts hat sich gehalten. Wahrscheinlich wurde es einfach aufgegeben, weil bis heute niemand mehr dort eingezogen ist, obwohl sich dort schon länger links davon so ein Shop für Alles und rechts davon ein Möbelhaus halten.
Wieder eines dieser Bilder, die einfach nicht gelungen sind. Aber vielleicht sind die Bäume im Schulenburgpark (direkt an der Bushaltestelle Schulenburgpark) ja auch lila. Ich weiß es gerade nicht. Davon ab ist das aber wirklich ein Park, den man nicht in Neukölln erwarten würde. Man hört ja immer diese Geschichten. Drogen und so. Das stimmt sicher auch in der Hasenheide, aber hier im Schulenburgpark ist die Welt wirklich noch in Ordnung. Da spielen Kinder auf dem frisch sanierten Spielplatz, Senioren füttern Enten, die im Bassin wohnen und auf den riesigen Grünflächen sieht man eigentlich ständig Großfamilien chillaxen. Gut, ich war da noch nicht nachts, aber tagsüber ist da wirklich alles supi, vor allem auch supisauber. Auch ganz witzig sind diese Holzfiguren, die sie da aufgestellt haben. Das Thema des Park sind ja Märchen (siehe nächstes Foto) und daher haben sie überall Figuren aus irgendwelchen Märchen aufgestellt. Hier zu sehen zum Beispiel Hänsel und Gretel und an den Tischen weiter hinten ein paar der sieben Zwerge. Schneewittchen habe ich noch nicht gefunden.
Dies hier ist der Märchenbrunnen aus dem Schulenburgpark, der ja eigentlich Von-der-Schulenburg-Park heisst und nach irgendeinem Politiker benannt worden ist. Auch auf dem Brunnen soll man wohl irgendwelche bekannten Märchen erkennen können, was ich aber noch nicht geschafft habe. Trotzdem ein sehr schönes Gerät.
Tatsächlich war es das auch schon mit meiner kleinen Tour durch mein Neuköllnchen. Warum ich euch das genau zeigen wollte, weiß ich eigentlich auch nicht. Wenn ich aber mal den Mut finde, mich mit einer Kamera hinzustellen und diese doch recht alltäglichen Sachen zu fotografieren, werde ich euch sicher noch ein paar Fotos mehr zeigen können, weil es hier wirklich noch einige noch schönere Ecken gibt. Aber das sollte ich vielleicht auch erstmal in Angriff nehmen, wenn ich eine ordentliche Kamera besitze, wobei man ja auch sagt, dass nicht die Kamera, sondern der Fotograf die Bilder macht.
Aber ich kann das eben nicht, also muss da halt eine bessere her.












