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Als Blogger, der ich ja nun mal auch irgendwie bin, bin ich natürlich auch immer ein bisschen neugierig. Ich möchte Dinge sehen, die vielleicht nicht jeder sieht, Dinge erleben, die ihr, meine Leser, vielleicht nicht erlebt, darüber berichten, um euch zu zeigen, wie großartig oder furchtbar die Wahrheit eigentlich ist.

Da kam es mir natürlich mehr als recht, als mich einer meiner besten Freunde zur Aufzeichnung von “Das Supertalent” einlud. Irgendwie kam er da an Freikarten für die Show und so sind wir (er, sein Freund, meine Freundin und ich) einfach mal da hin gegangen, um uns das ganze live und ungefiltert an zu schauen. Ein ganz normaler Pärchenabend eben.
Natürlich habe ich die Show auch schon mal im Fernsehen gesehen und konnte daher auch ein bisschen erahnen, was mich da erwarten würde. Was ich dort dann aber wirklich sah, trieb mir Tränen der Verzweiflung in die Augen.
Sicherlich ist das nicht die erste Fernsehaufzeichnung gewesen, der ich beiwohnte, und ich weiß auch in etwa, wie dieses Geschäft funktioniert. Okay, ich weiß es vielleicht im Groben, reime mir meinen Kram zusammen und lasse mich nicht vom schönen Schein blenden. Was ich dort aber so alles erlebte, war einfach viel zu furchtbar, um es niemandem zu erzählen.

Das ganze fand im Theater des Westens statt, einem wirklich atemberaubend schönen Gebäude, mit vielen Verzierungen an den Wänden, tausenden Lichtern an der Decke und einer Atmosphäre, wie sie wirklich nur ein Theather versprühen kann. Obwohl wir auch etwas zu spät kamen, teilte man uns sogar noch ziemlich gute Plätze, auf der zweiten Ebene in einer Loge, zu. Wir fühlten uns ein wenig wie Könige, die vom Balkon aus auf ihre Untergebenen blicken konnten. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, wie überlegen wir uns wirklich fühlen könnten.

Als wir die Loge betraten (und schnell zwei Leute verscheucht hatten, die sie unrechtmäßig annektierten – da verstehe ich keinen Spaß) warf ich einen Blick über den Zuschauerraum. Das Publikum war recht durchwachsen, zumindest was das Alter anging. Sonst schienen sie schon eher vom selben Schlag zu sein, eben vom Schlag des RTL-Zuschauers. Versteht mich nicht falsch, die Leute sind alle bestimmt ganz furchtbar nett und freundlich, aber man assoziiert mit RTL ja doch eine bestimmte Zielgruppe. Genau die war da. Die umliegenden Solarien und Ed-Hardy-Shops allerdings konnten wahrscheinlich etwas früher schließen.

Als mein Blick weiter wanderte traf er auf eine Leindwand, die dort aufgestellt wurde, um das Publikum vorher schon ein wenig anzuheizen. Nicht etwa mit Clips aus anderen Shows, Musik oder generell mit irgendetwas thematisch passendem – nein, angeheizt wurden die Leute mit einer Folge “Upps – die Pannenshow”, einem “Bitte lächeln”-Derivat. Ich könnte euch dazu jetzt eure eigenen Schlüsse ziehen lassen, möchte aber, dass ihr euch diese Szene bildlich vorstellt: Auf eine Show, die nach eigener Aussage Talente sucht, wird das Publikum mit bestenfalls 10-20 Jahre alten Clips von witzigen Haushaltsunfällen vorbereitet.

Es ist jetzt auch nicht so, dass die Leute das ignorierten. Nein, schallendes Gelächter füllte den Raum. Frauen in meinem Alter hielten sich die Hände vor den Mund, um nicht vor Lachen losprusten zu müssen. Ich erinnerte mich spontan an “Der Name der Rose”, an die Szene, in welcher der Schurke sagte, dass das Lachen die Gesichtszüge des Menschen auf das Unnatürlichste verzerre und sie aussehen ließe, wie wilde Affen.

Es kam der Anheizer. Der richtige Anheizer. Der Mensch, der das Publikum wirklich in die richtige Stimmung bringen sollte. Ich muss der Fairness halber gestehen, dass er nicht soooo schlecht war. Etwas überdreht vielleicht, mit unnötigen Ossiwitzen gefüllt (die sind ja soooo 90er), aber doch auf gewisse Weise talentiert. Ich sehe für ihn eine große Zukunft als Animateur in einem Club Resort, wo ihn die meisten aus dem Publikum bei ihrem All-inclusive-Urlaub wiedersehen könnten.

“Jetzt müsst ihr mal alle jubeln, richtig ausrasten” sagte er. So etwas müsse nämlich vorher aufgezeichnet werden, weil die Kameras (kein Scheiß), wenn das Publikumwirklich jubelt, nicht richtig aufzeichnen können. Soweit ist die Technik einfach noch nicht. Ein halbes dutzend Kameras kann Zuschauerreaktionen offenbar nicht an Ort und Stelle einfangen und so müsse man das quasi vorbereiten.
“Und jetzt müsst ihr mal so richtig asi sein und herumbuhen” sagte er. Das selbe Spiel. Ich schaute nach rechts zu meinen Freunden. Wir hatten uns unabhängig voneinander dazu entschieden, weder zu buhen, noch zu jubeln. Ich schaute nach links und bemerkte, dass unsere telepathische Abmachung nicht zu meinen Nachbarn gedrungen war.
Also verbrachte ich die nächsten Minuten damit, das auf und ab der aufgesetzten Gefühlsachterbahn im Publikum zu beobachten. Ich vermutete ein Gerücht, dass der, der am lautesten Buh ruft, auch mal gefilmt wird.

Marco Schreyl, seines Zeichens schlechtester Moderator des deutschen Fernsehens, betrat die Bühne und begrüßte mit wirklich miesen Sex- und Ossiwitzen das Publikum, um kurz darauf die Jury willkommen zuheissen. Marco Schreyl. Ich kann nichts Gutes über Marco Schreyl sagen. Es gibt allerdings Dinge, die ich Marco Schreyl gern antun würde. Zum Beispiel würde ich ihm gern seine Moderationskarten stehlen, nur um zu sehen, wie er dann vor der Kamera herumstammelt.

Die Jury betrat die Bühne. Dieter Bohlen wirkt in natura eigentlich genauso, wie im Fernsehen. Optisch ist er ja doch eher der Jedermann, in seinem weißen Hemd, bedruckt mit ungelesenen Schriftzügen, Jeans im Usedlook und sehr merkwürdigen Turnschuhen. Eben genau der Typ, den man im Dutzend in einer Dorfdisko findet. Auch Bruce Darnell wirkt in echt genauso wie im Fernsehen, halt sehr aufgesetzt und mir eher unsympathisch, mit seinem bügeleisengeglättetem Gesicht. Wer aber wirklich heraussticht, ist die gute Sylvie van der Vaart. Ihre, ich möchte fast sagen, Aura kann man durch das Fernsehen gar nicht erfassen. Auch wenn sie fast wirkt wie eine Barbiepuppe, so gekünstelt und unecht, hat sie doch einfach das Auftreten eines richtigen Stars. Wunderschön und unnahbar. Sie ist einfach genau für das Fernsehen gemacht.

Es traten die Talente auf, manche waren gut, manche eher nicht, kaum einer kam weiter. Das erste wirklich erwähnenswerte Talent war eine vollbusige Koreanerin mit ihrer Violine. “Du spielst Violine? Wie Vanessa Mae? Na sieht ja auch genauso aus” sagte Dieter Bohlen. Ein Schurke, wer hier, unter sonst so sexistischen Äußerungen, Rassismus vermutet.
Sie spielte irgendein klassisches Stück, nicht besonders gut, aber immerhin. Nach den ersten Sekunden war das Publikum allerdings schon so gelangweilt, dass es aufsprang und sie aus vollster Kehle ausbuhte. Buh links neben mir, buh vor und unter mir. Ich erwischte mich, wie ich “Dafür kommt ihr alle in die Hölle” schrie. Ich hatte wirklich Mitleid mit der armen kleinen Koreanerin, die da doch nur ihr Stück spielen und etwas Kultur in diese Veranstaltung bringen wollte. Dafür ausgebuht zu werden, von Leuten, die ihr Instrument wahrscheinlich für eine viel zu kleine Gitarre hielten, empfand ich als unfair. Sie tat mir wirklich so unendlich Leid.
Das allerdings änderte sich schnell, als aus dem nicht ganz so gutem, klassischen Stück eine wesentlich schlechtere Interpretation von Michael Jacksons “Smooth Criminal” wurde. Schnell hatte sie ihre Haare geöffnet, um beim Violinerocken ihre wilde Haarmähne schütteln zu können. Die Leute rasteten aus, sie erkannten die Melodie, tanzten, jubelten. Ich kam mir so benutzt und schmutzig vor. Ich beschloss an diesem Abend kein Mitleid mehr zu empfinden. Für niemanden.

Ein anderer Teilnehmer war Eckhardt, der mit seiner Musik schon die amerikanischen Truppen in Vietnam aufgeheitert haben soll. Der allerdings wurde schon allein dafür ausgebuht, dass die Technik streikte und man ein paar Minuten darauf warten musste, bis alles funktionierte. Klar war im Publikum eher die Generation Youtube vertreten, die ja bekanntlich eine Aufmerksamkeitsspanne von unter drei Minuten hat, aber das war nun schon wirklich sehr absurd. Was er dann auf seiner Zither spielte war zudem auch kein schlechtes Smooth Criminal, sondern ein noch schlechteres Ring of Fire. Er durfte gehen.

Eine andere Kandidatin war eine kleine Prominenz – Kathy Kelly von DER Kelly Family. Sie sang einen Song, der anmutete, wie eine irische Volksweise, allerdings so wunderschön gesungen, dass es sogar mir altem Zyniker eine Gänsehaut einbrachte. Offenbar liess das auch nicht jeden im Publikum kalt, weil sie von weitaus weniger Leuten ausgebuht wurde, als andere. Sie kam weiter, bekam aber auch ein X von irgendwem. Ich weiß es nicht mehr.

Ein anderer Teilnehmer war auch ein alter Bekannter. Er war nämlich irgendein kanadischer Japaner, der auch schon bei The Next Uri Geller auftrat, hier aber ein paar Gurken mit seinem Schwert zerteilte, die von seinem Assistenten gehalten wurden. Es sei alles ganz sicher, betonte er oft genug, dass er auch ein paar Gurken auf Dieter Bohlen zerteilen durfte. Alles war gestellt spontan, Herr Bohlen liess sich mehrmals bitten, das war alles erschreckend langweilig. Er kam natürlich weiter, aber nicht nur deswegen, weil Bruce das nächste mal dran sei.
Kurz danach ging einer meiner Freunde auf die Toilette, kam aber ewig nicht wieder. Auf die Frage, wo er solange war, antwortete er, dass er auf der Treppe aufgehalten wurde, weil Marco Schreyl dort gerade ein Interview mit dem Gurkentypen führte. “Das wird nächstes mal alles noch viel spannender und gefährlicher. Bruce soll sich in Acht nehmen” sagte er in die Kamera. Natürlich nicht von selbst, das wurde ihm nämlich alles diktiert. Das dazu, wie sicher und spontan dort alles ist oder sein soll.

Das Highlight der Show war aber wohl ein kleiner, dicker Sachse mit seinem Klavier und diesem Lied aus “Die wunderbare Welt der Amilie“. Ja ja, er hatte es schon nicht leicht, er ist so ein Kämpfertyp, von der Skyline zum Bordstein und zurück der Sonderschule auf die Realschule zum Abitur und Klaviergenie. Seine Geschichte berührte jeden im Saal, ist er doch so ein armer, kleiner, dicker Mann mit so einem großen Herzen. Ich kotzte.
Natürlich wurde auch schallend darüber gelacht, wie er beim Spielen herumzappelt, aber das bewies mir nur, dass sich die Leute im Publikum selten mit Musikern auseinandersetzen, die ihre Musik wirklich spüren. Allerdings weiß ich gerade auch nicht, ob klassische Musik mit Handies kompatibel ist, oder ob da wirklich nur Gewalt-Porno-Videos drauf passen. Ich bitte an dieser Stelle um eine kurze Aufklärung.
Es mag ja durchaus sein, dass er das so auch alles erlebt hat, aber ich muss wirklich sagen, dass das alles schon wieder so extrem gestellt wirkte, dass ich bei ihm keinerlei Sympathie empfinden konnte und zu diesem Zeitpunkt auch schon gar nicht mehr wollte. Niemand hat es wirklich leicht, tut mir Leid. Wahrscheinlich war ich aber schon so erschüttert von der ganzen Veranstaltung, dass meine positiven Gefühle alle komplett blockiert waren.
Ich war allerdings auch einfach froh, dass da keine behinderte, schwarze, Lesbe aus einem Kriegsgebiet auftrat, die wirklich immer so hart kämpfen musste, um sich, ihrer Familie und ihren zehn Kindern wenigstens ein altes Brot zum Abendessen servieren zu können. Wahrscheinlich wäre ich wahnsinnig lachend aus der Loge in den Zuschauerraum gesprungen. Ein X von Bruce, der das alles schonmal gesehen hätte, während Sylvie das sicher “gar nicht mal… so gut” gefunden hätte. Dieter Bohlen würde sicher eine CD mit mir davon machen wollen – ich bekäme zwei Jas, damit es nicht ganz so danach aussieht, als ob Dieter Bohlen sowieso auf die Meinung der anderen beiden scheißt und macht was er will, eben weil es seine Show ist.

Es ist ja nun nicht so, dass ich nicht wusste, was mich bei dieser Show erwarten würde. Es war mir von vornherein klar, dass vieles gestellt ist und die Leute sich dort selbst vorführen. Es ist eben einfach kein Format, in dem man wirkliche Talente sucht. Man möchte dort eher Leute finden, die mit passender Hintergrundgeschenke und ein wenig Können auch das stupideste Publikum für weniger als drei Minuten begeistern können.

Was ich dort aber wirklich erkannte ist, dass ich mit meinen misanthropischen Tendenzen gar nicht so falsch liege. Ich will die Menschen ja gar nicht hassen oder verachten, aber Begebenheiten wie diese machen es mir einfach zu leicht. Da werden Leute beschimpft und verhöhnt, weil sie vielleicht nicht ganz so gut singen können, da werden offenkundig geistig behinderte Leute ausgebuht, da wird wegen der größten und simpelsten Scheiße gejubelt, als wären alle von Pavlov selbst konditioniert worden. Es fiel mir dort so extrem leicht, mich moralisch überlegen zu fühlen, dass ich mich frage, ob die Leute, die sich als Fans von Bruce oder Dieter bezeichnen, überhaupt über ein Moralverständnis verfügen. “Aber die reissen immer so lustige Sprüche” Fick dich mit deinen lustigen Sprüchen. Das ist menschenverachtend und auf tiefsten Niveau. Nicht das gute tiefste Niveau, sondern das Ach-halt-die-Fresse-ich-will-dir-nicht-erklären-müssen-warum-du-ein-Idiot-bist-Niveau.

Ich weiß, dass es immer falsch ist, sich über andere Leute zu erheben, aber ich weiß auch, dass ich etwas Besseres bin, als jemand, der aufspringt und sich wegen einer vielleicht nicht ganz so guten Darbietung heiser buht, denn ich habe noch in der Schule im Musikunterricht gelernt, dass man niemanden auslachen sollte, der sich traut und etwas vorträgt.
Es ist nur einfach so unendlich traurig, dass das Fernsehen wirklich schon so weit degeneriert ist, dass man ein Publikum auf diese plumpe Weise auf dem Rücken von armen Menschen unterhalten kann. Allerdings ist es noch viel, viel trauriger, dass viele dieser armen Menschen das gar nicht mitbekommen.

Übrigens könnt ihr mich wahrscheinlich auch bald im Fernsehen betrachten. Ein Kandidat nämlich hatte seinen Produzenten dabei, den er im Publikum nicht finden konnte. Der Idiot neben mir meldet sich natürlich, vielleicht weil er witzig sein wollte, wahrscheinlich, weil er eins von mir auf die Fesse wollte, das Publikum schaut zu ihm, die Krankamera macht einen Schwenker. Super. Idiot.

Jedenfalls weiß ich jetzt, dass und warum ich jeden als minderwertig verurteilen kann, der solche Formate gerne schaut.

Ich würde euch gern noch von ein paar kleineren Beobachtungen (Dieter Bohlens Bodyguard wirkt manchmal sehr panisch; es gibt unwahrscheinlich viele Leute die “Bruce” rufen und sich vor kichern einpissen, wenn er sich umdreht; in den Pausen gibt es sehr viele Leute aus dem Publikum, die auch etwas vortragen wollen; Bruce ist ein richtiges Arschloch, weil er einen Comedian nichtmal seinen ersten Satz zu Ende sprechen lassen wollte; Sylvie ist immer sehr höflich; Erschreckend viele Weibchen jeden Alters wollen mit Dieter Bohlen ficken; Eine Sendung wird zwei mal am Tag über mehrere Tage gedreht – es wird also sehr viel rausgeschnitten) berichten. Aber irgendwann ist es ja auch mal gut.

Es gibt 17 tolle Kommentare:


#1
28. August 2010

und das sollen 2.300 wörter sein? kommt mir gar nicht so viel… obwohl…. doch!
is viel.
aber gut.
kannste ruhig öfter machen, ich steh ja auf so “geschichten aus dem leben”.
aber nicht zu oft bitte. meine lebenszeit is begrenzt und das alles zu lesen dauert. 😉


#2
28. August 2010

Hey, klasse Text, vielen Dank für das Teilen dieser Erfahrungen und Gedanken…


#3
Flo
28. August 2010

Hey klasse geschrieben und endlich sagt es mal einer gerade hinaus was für ein Müll das Ganze ist. Nur das schlimme ist, man erwischt sich doch ab und zu das man 1-2 Sekunden länger beim durchzappen auf diesen “Qualitätsfernsehen” bleibt.


#4
29. August 2010

Meine Theorie ist ja, daß solche Formate eine* moderne Form von öffentlichen Hinrichtungen sind. Das Volk muss seine Gewaltbereitschaft irgendwie kanalisieren und ausleben und diese Sendungen bedienen das, indem sie Menschen wie in einer Freakshow vorführt, damit der Pöbel über sie lachen, sie auslachen kann. Und Auslachen gehört ganz sicher nicht zu den positiven Gefühlen, genau wie meine Emotion zu sowas, dem Fremdschämen, ich kann mir sowas nicht mehr als ne Minute anschauen.

*Eine andere sind vielleicht Ballerspiele? Hui, hui, hui.


#5
29. August 2010

Ich frage mich ja immer wieder, wer in solchen Sendungen freiwillig auftriff?! Der “gemeine Pöbel” ist so verrohrt, dass er jede Gelegenheit ausnutzt, um von seinem eigenem beschrenktem Leben abzulenken und laut lachend mit dem Finger auf jemanden zu zeigen, der seine Schwächen oder Behinderungen öffentlich zur Schau stellt, sodass der Pöbel sich dem Kandidaten gegenüber sehr überlegen fühlt. Aber warum machen die Kandidaten sowas?! Sind sie wirklich so von sich überzeugt, dass sie sich unabsichtlich zum Affen machen und nach ihrem Auftritt (und der gnadenlosen Reaktion des Publikums) total desilusioniert sind?! Werden sie von falschen Freunden/Verwandten ermuntert sich zum Affen zu machen?! Bekommen die dafür unglaublich viel Kohle?! Ich hoffe ja das letzte.


#6
Jean K.
29. August 2010

Die auf Logenplätzen Sitzenden applaudieren und buhen auf Befehl so bereitwillig und selbstsicher, dass sie gar nicht mitbekommen, wie sie selbst vorgeführt werden, wie tragisch.

Ansonsten ist es immer dasselbe Problem: mangelnde Empathie.


#7
29. August 2010

ich war auch da, bin um kurz vor 8 gegangen.. ging mal gar nicht.. das waren 3 stunden absoluter stromberg horror für mich.


#8
29. August 2010

Wenn ich solche Artikel schreibe, also Artikel, die mich selbst sehr aufreiben, dann sind eure Reaktionen hier genau das, was ich dazu brauche. Danke erstemal dafür 🙂

der_sema: Das ist jetzt aber auche her die Ausnahme, dass ich solche Geschichten in der Form ausbreite. Ich habe schon viel gestrichen, aber manches (vor allem Beleidigungen) muss einfach gesagt werden *g*

Flo: Man muss sich ja auch nicht schämen, wenn man so etwas anschaut… zumindest, solange man sein eigenes Handeln soweit reflektieren kann, dass man weiß, was man sich da für einen Mist antut *g*

jfml: Genau das ist eine absolut passende Metapher. Früher waren die Leute froh, wenn mal einer hingerichtet wurde. Da war was los im Dorf und man konnte seinen ganzen aufgestauten Frust herausrufen. Heute gibt es halt die Bohlenformate dafür.

kamil: Ich glaube gar nicht, dass es überhaupt Geld dafür gibt. Kann ich mir nicht vorstellen, also zumindest in diesen Vorcastings. Aber warum die das machen… manche hoffen sicher auf ihre Chance. Es ist nur traurig, dass sie, wenn sie vielleicht wirklich ein bisschen Talent haben, dort hingehen müssen.
Ich kann mir aber auch vorstellen, dass einige davon gar nicht wissen, wie scheiße sie sind. Vielleicht, weil das Umfeld sich nicht traut zu sagen, dass sie wirklich nicht gut singen können.

Jean K.: Sehr schön gesagt, wirklich. Das war genau das, was mir auffiel, als diese Zuschauerreaktionen voraufgezeichnet wurden. Einfach mal buhen. Der Grund wird schon der richtige sein.

sara: Schade, dass ich nicht wusste, dass du da auch bist. Ich hätte dann mal von oben heruntergewunken *g*
Wenn du dich an ein Blitzlicht vor der Show erinnerst – das war ich 😉
Ansonsten darfst du dich von jeder meiner an das Publikum gerichteten Beleidigungen ausnehmen. 😉


#9
29. August 2010

Kann jfml nur zustimmen. Das Ganze wirkt irgendwie wie ein interaktiver Pranger, an den sich die Leute selbst stellen, warum auch immer. Vielleicht, weil sie sich professionell täuschen lassen von einer Aussicht auf Ruhm – ich würde ehrlich mal gerne eine Reportage drüber hören, mit welchen menschenverachtenden Tricks die “Talentsucher” bzw. Menschenfutterbeschaffer dieser Shows arbeiten.

Solche Sendungen wecken in mir immer kälteste zornige Verachtung darüber, dass sie funktionieren…


#10
30. August 2010

In solchen Momenten bin ich froh Fadenaffe bei Twitter zu folgen.

Danke für deinen Bericht. 🙂 Dein Blog ist ab sofort regelmäßiger Aufenthaltsort meinerseits.

Gruß,
Erbse


#11
30. August 2010

sehr schön geschrieben, hat spaß gemacht deinen bericht zu lesen!
ich mag solche sendungen ja überhaupt nicht, aber man kommt ja auch irgendwie nicht dran vorbei.
ich hab jedenfalls kein mitleid mit den leuten, die so blöde sind, sich da so dermaßen bloß zu stellen…. selber schuld 😉


#12
30. August 2010

Chrisch: Ich möchte irgendwie gar nicht wahrhaben, dass die Moral der Gesellschaft bzw. die Achtung vor anderen Menschen wirklich schon so weit denaturiert ist, dass die Leute selbst gar nicht hinterfragen, wie scheiße sie sich in dem Moment aufführen. Also das Publikum jetzt.

Erbsi: Du bist natürlich herzlich willkommen… und danke 😀

retrokitten: Nee, so würd ich das jetzt nicht ausdrücken. Ich glaube eher, dass man die Teilnehmer in drei Kategorien unterteilen muss:
1 – die, die wirklich etwas drauf haben
2 – die, die ganz okay sind, jetzt nicht sehr gut, aber schon gut
3 – die, die entweder nicht wissen, dass sie sich dort lächerlich machen würden oder die, denen keiner sagt, dass sie wirklich scheiße sind.

Die ersten beiden sollten ihren Ruhm besser woanders suchen oder gar nicht. Die letzten brauchen bessere Freunde oder überhaupt welche.

So oder so ist das sehr, sehr traurig.


#13
30. August 2010

Den Artikel unterschereib ich sofort. Ich wurde mal vor Jahren zu Oliver Geissen mitgenommen und das noch vor der Zeit, als die Artikulationsfähigkeit der meisten Kandidaten bei 0 abgelangt war. Ohne Worte.
Nur noch soviel: Handys und MP3-Player können zwar klassische Musik, aber durch die Komprimierung geht leider vieles flöten. Gerade bei Orchesterwerken.


#15
31. August 2010

sehr starker text ..
man hört ja leider immer wieder das so sendungen in “echt” ja eigentlich noch viel schlimmer sind als im tv


#16
Tobi
31. August 2010

Amen.

Mehr kann man dazu nicht sagen.

…und die Ausstrahlung wirst du dir trotzdem – oder erst recht – ansehen? 😉


#18
Frederik
4. September 2010

Auch ich war schon mal ein armer Irrer bei einer Pro7 Show. Die Kontaktaufnahme fand über Xing (!!!) statt. In die Show bin ich auch gekommen … als vermeintlich armer Irrer, der alles falsch gemacht hat. Hatte ich natürlich nicht, es wurde nur so zusammengeschnitten und mit dieser achso lustigen Moderation untermalt. Beworben hatte ich mich auf die Show nachdem man mich auf das amerikanische Original verwiesen hatte. Ich dachte das wäre ein großer Spaß. Im amerikanischen Original wurden die Teilnehmer allerdings nicht verarscht, im deutschen Fernsehen geht es wohl nicht ohne. Der Tante vom Casting Team bin ich kürzlich noch einmal ganz zufällig in einem Fernsehstudio in dem ich als Zuschauer war über den Weg gelaufen. Sie hat mich auch erkannt, aber ganz schnell gesehen daß sie Land gewinnt. Fazit: Wenn es bei RTL schon krass abgeht, Pro7 Produktionen toppen das alles! Das ist hochgradig menschenverachtend was da abläuft. So,Ruhe jetzt, genug geklagt!


#20
marie
1. October 2010

ich bin dr sehr dankbar für deinen artikel, ich habe mich selbst mal von denen hinrichten lassen, es ist eine erfahrung, die einen hart arbeitenden künstler auch in den wahnsinn treiben kann,ich rate jedem davon ab da hinzugehen oder sich so was anzuschauen, weil es ist eine geplante, menschenverachtende hölle! Ich danke Dir

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