2109 Mein neues Hobby: Lomografie
Fotografie fand ich ja eigentlich schon immer extrem spannend, allerdings habe ich einfach nicht das Auge der Leute, die das wirklich gut können. Ich bin einfach kein Fotograf und ich weiß das auch, denn es ist ja auch immer gut zu wissen, was man nicht kann. Nur mal so. Aber das Fotografieren ist auch eines dieser Dinge, die mir irgendwie Spaß machen und unter dem Strich ist es ja auch wichtiger, Dinge zu tun, die man zwar nicht kann, die einem aber Spaß machen, als Dinge zu tun, die man richtig gut drauf hat, aber einfach sterbens langweilig sind. Ihr wisst, was ich meine, oder? Es kommt ja auch immer ein bisschen darauf an, in welchem Rahmen man diese Dinge tut.
Jedenfalls hörte ich innerhalb der letzten zehn Jahre von der, ich sag mal, Kunstform der Lomografie. Dabei muss man einfach nur mit miesen Kameras Schnappschüsse machen und schauen, was dabei herauskommt. Kein langes Herumschrauben an Objektiven, kein langweiliges Ausleuchten, kein “Mach’s der Kamera, Baby”. Einfach Kamera rausholen und los gehts.
Klar, dass das genau eine Sache sein könnte, die mir irgendwie liegt. Ich habe nämlich weder die Muße, mich mit lange mit dem perfekten Motiv aufzuhalten, noch die Ruhe wirklich viel Energie in solche Dinge zustecken. Vom Geld für anständiges Equipment ganz zu schweigen. Ich probiere gerne und lasse mich noch viel lieber von den Ergebnissen überraschen. Das mag jetzt nicht unbedingt mein allgemeiner Lebensstil sein, aber so im kleinen, sicheren Rahmen ist das eigentlich genau mein Ding. Ich will lernen, probieren, schauen, was ich kann oder eben nicht kann oder vielleicht doch irgendwann kann. Ich weiß es nicht.
Und eben da passt mir die Lomogarfie genau in den Kram. Ich finde es klasse, dass ich nicht weiß, ob das Motiv etwas geworden ist oder nicht. Ob der Moment jetzt verloren ist oder doch auf Papier gebannt. Haben auch alle richtig geschaut oder hat gerade jemand geblinzelt? Was ist mit roten Augen? Hatte ich schon wieder den Finger auf der Linse? Egal, das nächste Motiv kommt bestimmt und es wird besser, als das verkacke jemals hätte sein können. Und selbst wenn das Bild nicht perfekt ist, der goldene Schnitt oder die Dritteltechnik für mich nur Worthülsen sind – das Bild hat Charme. Ich habe es gemacht. Ganz alleine. Ohne Bildstabilisator, Weißabgleich, irgendeine imaginäre Pixelzahl, Zoom oder was heute alles an einer guten Kamera dran sein muss. Nur mit mehr oder weniger ruhiger Hand und etwas Glück.
Vor allem kenne ich zu jedem Motiv eine Geschichte. Vor allem existiert jedes Bild bestenfalls bisher nur einmal. Ich weiß in etwa welches der Bilder ich wann und wo gemacht habe, wie die Leute schauten, als ich meine Billigkamera für schmale 3 Euro von Rossmann aufzog und wartete, dass der Blitz fertig geladen hat. Ich habe das Bild gemacht, allein und keine moderne, elektronische Technik hat mir dabei geholfen. Ich mag diesen Gedanken. Sehr. Das hat etwas beruhigend Urtypisches.
Beim Durchblättern durch die Bilder, die tatsächlich auch fast alle etwas geworden sind (von 27 Bildern wurden gerade 2 nichts), konnte ich mich teilweise sogar daran erinnern, wie sehr ich hoffte, dass sie gelungen sind. Aus keinem bestimmten Grund eigentlich, aber es wäre einfach schön gewesen. Ich muss aber dazu sagen, dass ich auch gar nicht mehr weiß, was die Motive von den Bildern waren, die nichts wurden.
Ich hatte die Kamera übrigens auch in Münster dabei. Zu diesem Zeitpunkt waren die Ecken schon schön abgenagt und es war fraglich, welche Leiden die Linse zu klagen hätte, hätte sie klagen können. “So eine Kamera als Partycam hat natürlich Stil”, sagte einer meiner Freunde. Tja. Ich weiß das. Okay, wusste ich nicht. Eigentlich hätte ich eher damit gerechnet, dass die Leute das ein bisschen eigenartig finden, was aber okay wäre, da ich das ja auch irgendwie gewohnt bin.
Übrigens habe ich bis dahin noch nie einen Film zur Entwicklung abgegeben. Aber ich ging auch relativ unbekümmert an die Sache ran, dachte mir, dass das ja nun keine Raketenwissenschaft sein kann, da einen Film abzugeben. War es aber irgendwie doch.
Ich musste da tatsächlich eine nette Frau fragen, dass sie mir erklärt, was ich denn jetzt genau ankreuzen muss, dass ich auch das bekomme, was ich wollte. Eigentlich wollte ich ja nur ein paar Bilder, aber welche Größe, welches Papier? Es waren ja nun auch nicht alle Größen ausgepriesen. Nicht, dass ich am Ende noch alles auf Tassen bekommen hätte. Und in welchen Schlitz muss das dann überhaupt? Tatsächlich ist das eine dieser Fragen, die man in seinem Leben nur einmal stellen sollte.
Was ich an diesen Bildern teilweise so mag, ist wirklich auch die Prophanität. Ihr müsst euch das nämlich so vorstellen, dass ich irgendwo durch Berlin (Münster, München) lief und mir irgendwann dachte, dass ich doch auch mal wieder ein Foto machen könne. Manchmal dachte ich, wie bei dem Bild direkt hier drüber Dinge wie “Oh, Raben auf der Straße, crazy” und drückte ab. Meistens tatsächlich auch ohne durch den Sucher zu schauen. Eigentlich sogar hauptsächlich.
Einem Freund, der auch einer dieser professionellen Fotografen ist, ist aufgefallen, dass die Farbe von manchen Objekten über die Ränder gelaufen zu sein scheint. Mir ist das ehrlich gesagt bis dahin gar nicht wahrgenommen, aber das ist eben dieses Fotografenauge, von dem ich eingangs sprach, das ich aber ganz offensichtlich nicht habe. Jetzt, wo ich es aber sehe, finde ich, dass das dem Charme dieser Fotografieart nur zuträglich ist.
Im Übrigen habe ich den vogestrigen Abend fast ausschließlich (Übertreibung) damit verbracht, Fotos zu scannen, zu drehen und zurecht zu schneiden, bis mir Google sagte, dass das Photoshop CS4 ja schon von Hause aus kann. Man muss dort lediglich bei Datei -> Automatisieren auf “Fotos freistellen und gerade ausrichten” klicken, und schon schneidet der einem die Bilder aus, begradigt sie und legt sie auf einzelne Arbeitsflächen. Das ist wirklich mal ein sehr cooles Feature, was auch erstaunlich gut funktioniert und nur minimale Nachbearbeitung verlangt. Zum Beispiel, wenn die Fotos beim Scannen zu eng beieinander lagen.
Hätte ich das vorher gewusst, hätte es mir vielleicht den Sonntagabend gerettet, aber es ist ja jetzt auch nicht so, dass es mir nicht auch ein bisschen Spaß gemacht hat.
Vielleicht sollte ich euch noch kurz etwas zu den Bildern selbst erzählen.
Also das ganz da oben bin unverkennbar ich, allerdings bin ich eher selten so gelb.
Das darunter ist die S-Bahn-Station Kaiserdamm mit Blick auf den Funkturm. Das Bild hab ich geschossen, nachdem ich bei Gilly mein HTC abgeholt hatte.
Dadrunter ein Bild von den Eisbachsurfern in München. Die hatte ich hier schonmal mit digital geschossenen Bildern.
Dadrunter ein Bild einer Stretch-Limo (unverkennbar), die vor einer Werkstatt, speziell für amerikanische Autos, steht.
Dadrunter mein alter Kater. Mittlerweile 14 Jahre alt.
Dadrunter ein Blick vom Balkon bei meiner Mutti. Kein Gewitter, nur schlechte Beleuchtung.
Dadrunter die Sicht aus dem Flugzeug über Berlin.
Dadrunter ein Bild, das ich auf der Autobahn irgendwo zwischen Berlin und Münster schoß.
Dadrunter Raben auf einer Straße in Neukölln.
Dadrunter ein Satelitenschüsselgarten auf den Dächern von Moabit.
Dadrunter die Straße, an der das Haus steht, in dem ich wohne.
Dadrunter der Beweis, das in Neukölln eigentlich ständig die Sonne scheint.
Ich hoffe, ihr hattet ein wenig Spaß beim Lesen und Betrachten der Bilder. Ihr könnt nämlich davon ausgehen, dass ich das hier nicht zum letzten Mal gemacht habe. Auch, wenn ich noch keine neue Kamera geholt habe, glaube ich doch, dass ich das bald nochmal wiederholen werde. Nicht, weil die Ergebnisse so überawesome geworden sind, sondern einfach, weil es alles in allem totalen Spaß gemacht hat.
Übrigens sind das natürlich nicht alle Bilder, die etwas geworden sind. Manche sind ein bisschen zu langweilig, andere sind ein bisschen zu dunkel, aber auf den meisten sind einfach Leute, die ich kenne und die sich nicht unbedingt freuen würden, in einem doch eher fragwürdigen Blog aufzutauchen. Da müssen wir jetzt alle mal Verständnis für haben.
Und was denkt ihr so?
















