2211 Wie kommentiere ich eigentlich richtig?
Mittlerweile wird hier ja richtig viel kommentiert und da auch in anderen Blogs gerne und viel kommentiert wird und das sowieso die Königsdisziplin der Resonanz ist, dachte ich mir, dass es nicht nur Zeit wird sondern auch zwingend notwendig ist, für meine Kommentatoren hier mal einen kleinen Leitfaden zu schreiben, der euch erklärt, wie man das richtig macht. Eigentlich ist es ja gar nicht schwer, da vieles von der Logik diktiert wird, aber es gibt eben doch ein paar Dinge, die es zu beachten gilt, wenn man ein gern gesehener Kommentator sein möchte. Wie gesagt ist das hier nur ein Leitfaden, an dem man sich entlang hangeln kann – was man aber schlussendlich davon umsetzt ist natürlich jedem selbst überlassen. Wichtig zu beachten ist eigentlich nur, dass mit diversen Rechten eben auch Pflichten einhergehen, die man zumindest im Hinterkopf behalten sollte.
1 – Jeder Blogautor hat die Pflicht, stets nur die aktuellsten Themen zu präsentieren
Weblogs sind im allgemeinen ein Medium, die, im Gegensatz zu anderen Medien, am einfachsten die Möglichkeit haben, aktuelle Themen und Dinge zu präsentieren. Darum hat der Blogautor auch die Pflicht eben nur das aktuellste zu zeigen oder zu erklären, eben weil die allgemeine Eigenschaft von Blogs ad absurdum geführt werden würde. Es ist deine Pflicht, als Kommentator, den Autor darauf hinzuweisen, dass sein Beitrag überholt ist. Am einfachsten geht das durch das (im übertragenen Sinne) Ausrufens von “alt”, wobei die Anzahl der As ein Indiz für das Alter des Inhalts ist.
2 – Du hast ein Recht auf korrekte Orthographie
Jeder Autor ist natürlich bemüht möglichst korrekt zu schreiben, weswegen er Vertipper natürlich absichtlich einbaut, um die Aufmerksamkeit seiner Leser zu kontrollieren. Zeige durch Erwähnen dieser Fehler, dass du den Text gelesen hast. Biete am Besten auch Hilfe an oder schicke dem Autor einen Duden zu, wenn du glaubst, dass dieser Fehler doch nicht absichtlich, sondern versehentlich, eingebaut wurde.
3 – Zweifle die Meinung des Autors an, in dem du sein Wissen hinterfragst
Blogartikel müssen natürlich die Meinung von möglichst vielen Leuten teilen, um von vielen Leuten akzeptiert oder anerkannt zu werden. Allerdings kann es sein, dass der Autor eine etwas verschobene Wahrnehmung zu einer allgemein anerkannten Meinung eines Themas hat, weswegen von dir erwartet wird, dass du das Wissen des Autors mit Sätzen wie “du hast doch gar keine Ahnung” hinterfragst. Er fühlt sich daraufhin genötigt, sein Wissen zu diesem Thema zu erweitern, um seine Meinung zu berichtigen. Besonders wichtig ist das bei Filmen und Musik.
4 – Tue kund, wenn dir Gewinnspielpreise nicht gefallen
Wichtig zu wissen ist es, dass Blogs nur von unanständig reichen Leuten betrieben werden, die jeglichen Bezug zu Geld verloren haben. Daher können sie aufgrund ihrer Umstände auch gar nicht wissen wie hochwertig Preise bei Gewinnspielen, die sie veranstalten, nun genau sind. Erzähle also oft und laut, dass ein Preis ganz furchtbar schlecht ist und nimm am Besten genau deswegen auch nicht am Gewinnspiel teil. Glück ist nämlich portioniert, da darf man es nicht an minderwertige Preise verschwenden.
5 – Sei misstrauisch bei Erfolg
Es ist absolut wichtig, dass du im Kommentarbereich anmerkst, dass ein Artikel nur für die Aufmerksamkeit geschrieben wurde, die der Autor braucht, wie der Vampir das Blut (man bemerke daran hauptsächlich die sexuelle Komponente). Besonders gilt das natürlich bei Blogs, die in diversen Rankings relativ weit oben stehen, da diese Blogger ihre Position natürlich halten möchten. Jeder Trackback von anderen Blogs ist da natürlich ausschließlich von Speichelleckern und Mitläufern hinterlassen worden. Im Hinterkopf zu behalten ist nämlich, dass alles, was viele Leute gut finden, per se schlecht sein muss.
6 – Mach auf dich aufmerksam
Blogger achten ausschließlich auf die Artikel, die sie schreiben und nehmen die Kommentarfunktion ihres Blogs lediglich als annehmbares Übel wahr. Ihr müsst nämlich wissen, dass die Kommentarfunktion nur geduldet wird, um die Sache, die man da macht, auch als Blog bezeichnen zu dürfen. Weil es hip ist.
Aus diesem Grund müssen eure Kommentare, sollen sie vom Autor gelesen werden, möglichst viel Aufmerksamkeit erregen: Benutzt möglichst viele Satzzeichen, gebraucht Schimpfwörter, erfindet neue Schimpfwörter, pöbelt andere Kommentatoren an, und kombiniert die anderen Punkte dieses Leitfadens. Gut sind auch immer Links in Überlänge und, wenn es das Kommentarfeld zulässt, Bilder von Geschlechtsorganen. Es müssen nichtmal menschliche, können aber auch die eigenen, sein.
7 – Wenn du etwas besser weisst, weisst du es eben besser
Es ist nicht nur eine Pflicht, sondern auch ein Privileg, einen Autor zu berichtigen, denn ein Autor verfügt über gottgleiche Allwissenheit und nur wenig ist gottgleicher, als einen anderen Gott zu berichtigen und seine Fehler zu korrigieren. Geniesse es, denn diese Gelegenheiten sind viel zu selten. Beachte auch einfach gar nicht, wenn dir schon jemand zuvor gekommen ist, lass dich lieber davon inspirieren. Das ist dein Moment. Geniesse ihn. Und verlinke die Wikipedia.
8 – Gespräche unter Kommentatoren sind unerwünscht
Etwas, was man als Nicht-Blogger wissen muss, ist, dass Kommentare prinzipiell immer der Tod jeder SQL-Datenbank sind. Sie lasten diese viel zu sehr aus, füllen sie mit allerlei unnötigen Daten und manchmal lösen sie auch DROP- und DELETE-Anweisungen aus, was selten ein gutes Ende nimmt. Deswegen sind Kommentare ausschliesslich an den Autor zu richten.
Wenn ein anderer Kommentator eine Verständnisfrage oder ein Hilfegesuch hat ist es abgesehen davon auch deswegen ratsam, die Beantwortung dessen dem Autor zu überlassen, weil dieser nämlich nur auf Kommentare wartet und es niemals passieren wird, dass dieser Kommentare übersieht oder gar vergisst. Niemals.
Außerdem können es Blogger absolut nicht leiden, wenn deren Blog als Stätte der sozialen Interaktion benutzt wird. Dafür sind Foren da.
9 – Deine Aufgabe ist kritisieren oder bewundern. Sonst nichts.
Dem Autor fällt die Rolle des witzigen, geistreichen Vortragenden zu. Deine Rolle schliesst alle oben genannten Punkte, maximal noch das Bewundern, ein. Du sollst nicht witzig sein, darfst nichts Geistreiches Beitragen, schon gar nicht Dinge aus deiner Perspektive erzählen. Denke immer daran, dass das nicht dein Blog ist. Du betrachtest ihn nur von außen, wie ein Aquarium. Das Gewusel und Getummel hinter der Glasscheibe findet ausschließlich zu deiner Belustigung statt, möchtest du aber an dem Gewusel und Getummel etwas ändern oder Einfluss darauf nehmen, musst du dir ein eigenes Aquarium einrichten, auf das dann wieder andere von außen schauen.
10 – Nichts zu danken, gern geschehen
Jeder Blog, ob klein oder groß, hat die Absicht Geld zu verdienen. Das gilt wirklich ausnahmslos für jeden Blog. Wenn ein Blog noch keine Bannerwerbung geschaltet hat, dann liegt das einfach daran, dass er noch keine entsprechenden Angebote erhalten hat und da ja Geld der einzig messbare Wert eines Blogs ist, sind Dankeschöns und Gutgemachts einfach ein unnötiges Risiko für den Blog (siehe Punkt 8). Was soll so ein Dankeschön überhaupt bei einem Autor auslösen? Er fühlt sich dadurch nicht besser und sieht auch nicht, dass seine Arbeit, die ihm auch noch Spaß bereitet, anerkannt wird. Das kann man man einzig und allein, wie bereits eingangs erwähnt, durch Geldgeschenke bewerkstelligen, weswegen sowieso jeder Blog nicht nur einen Flattr-Button, sondern auch ein PayPal-Spendenkonto haben sollte.
Disclaimer: Dieser Artikel entstand nicht aus Erfahrungen, die ich allein hier sammelte, sondern auch aus Dingen, die ich in anderen Blogs beobachtete. Wer das alles nicht versteht ist doof. Ansonsten gilt (eigentlich überall), was René schonmal geschrieben hat. (Bild via)





