Warum mir O2 keinen Vertrag geben möchte

Nach Debitel mag ich nun auch O2 nicht mehr. Überhaupt nicht.
Dabei hört man ja ständig, dass O2 ein ganz wunderbarer Mobilfunkanbieter mit traumhaften Konditionen und großartigem Support sei. Blöderweise ist mir aber beides nicht widerfahren, obwohl ich eigentlich gar nichts Außergewöhnliches wollte. Ich wollte nur eben einen dieser traumhaften Mobilfunkverträge, um dann den tollen Service zu geniessen. Dass bei O2 aber mit Vorurteilen und Schubladendenken gearbeitet wird, konnte ja niemand ahnen.

Jedenfalls hatten sie da irgendwann im Oktober ein ganz tolles Angebot. Man meldete sich dort nämlich einfach über das Internet für einen Datentarif an (den ich ja brauche, dank Gillys Smartphone) und brauchte für die ersten drei Monate keine Grundgebühr zu bezahlen. Für mich ist das ja immer ein gutes Lockmittel, zumal ich ja, wie gesagt, sowieso zu O2 wollte. Kaum dort angemeldet hatte ich mit diesem Prozess schon abgeschlossen und freute mich schon darauf, denen von nun an regelmässig Geld überweisen zu dürfen. Ich überlegte sogar, es ihnen zu erlauben, automatisch Geld von meinem Konto abbuchen zu lassen.

Allerdings erhielt ich am nächsten Tag direkt eine Mail mit folgendem Inhalt:

vielen Dank für Ihr Interesse am Mobilfunkangebot von o2.

Leider können wir Ihrem Auftrag nicht entsprechen. Die Ablehnung stützt sich auf eine
automatisierte Einzelentscheidung. Rückfragen hierzu richten Sie bitte (inkl. Angabe
Ihres vollständigen Vor- und Nachnamens, des Geburtsdatums und der Anschrift) schriftlich an […]

Mit schriftlich meinten die wirklich richtig schriftlich. Als Brief. Ich packte also meine Geschäftsbriefskills aus, die ich an meiner Berufsschule erworben hatte, und forderte eine Klärung der Umstände, also was die genauen Hintergründe der Ablehnung sind, wie ich zu nun zu einem Vertrag komme und was es genau mit dieser automatischen Einzelentscheidung auf sich hat.
Ich schickte den Brief ab.
Wochen strichen ins Land und ich rief mehrmals dort an, was sich aber auch nicht als so einfach gestaltete, weil sie zu der Zeit gerade das neue iPhone 4 ins Angebot genommen hatten und der Hotlinesupport ziemlich überlastet war. Irgendwann erreichte ich eine nette Dame, die mir erklärte, dass sie keine Auskünfte darüber am Telefon geben könne, eben weil es sich dabei um vertrauliche Daten handle. Das kann ich natürlich nachvollziehen, die Dauer der Bearbeitung allerdings nicht.

Irgendwann bekam ich eine Antwort, die allerdings auch nur beinhaltete, dass mein Anliegen ohne Unterschrift ungültig ist. Verdammt. Also nochmal alles von vorn.

Zwischenzeitlich hatte ich schon den Meister der Informationsbeschaffung, Google, konsultiert und in Erfahrung gebracht, dass es tatsächlich verschiedene automatisierte Bewertungsverfahren gibt, welche die Zahlungsbereitschaft von angehenden Kunden bewerten. Das gibt es nicht nur bei O2, sondern auch bei vielen anderen Firmen. Eben bei vielen, die Angebote haben, bei denen die Leistung vor der Zahlung bereitgestellt wird. Blöderweise nur hat O2 eines der schärfsten Systeme. Dabei wird sogar nicht unbedingt zwangsläufig eine Schufa-Auskunft eingeholt. Das kann passieren, muss aber nicht. In meinem Fall bräuchte ich davor sogar nicht einmal Angst haben, da ich weder Kredite noch irgendwelche Ratenzahlungen zu laufen, geschweige denn irgendwo Schulden, habe.

Wie diese Systeme genau arbeiten ist natürlich nicht bekannt, aber man kann wohl davon ausgehen, dass sie Daten, wie den Wohnort und sogar den Namen mit einbeziehen. Ich lasse das einfach mal so im Raum stehen. Oder nein, ich wiederhole es nochmal, etwas umformuliert: Da wird die Zahlungsbereitschaft eines Kunden am Namen und am Wohnwort bemessen.

Jedenfalls erhielt ich gestern erneut einen Brief von O2. Bitte mal lesen:

Im Prinzip steht da genau gar nichts. Ich bezweifle sogar, ob da irgendwie nochmal etwas nachgeprüft wurde, oder ob da nicht nur einfach die Ausgabe dieses wunderbaren Infoscore in den Brief gepastet wurde. Ich finde es nämlich total wunderbar, von wissenschaftlich annerkannten mathematisch-statistischen Systemem ohne genaue Begründung abgelehnt zu werden. Die Eineuronochwas für den Brief, sogar zwei mal, hätte ich mir auch echt sparen können.

Und was soll das überhaupt für ein wissenschaftlich annerkanntes System sein? Die Wissenschaft möchte ich mal sehen, die allein, und einzig und allein, auf Statistiken blickt, ohne die Einzelfälle zu prüfen. Wenn dem so wäre, würden alle Wissenschaftler nämlich einstimmig behaupten, dass wir gar nicht existieren, weil das Universum tatsächlich, wissenschaftlich annerkannt und mathematisch-statistisch, hauptsächlich leer ist.
Wenn man danach geht, bleibt wirklich nur als Erklärung, dass man als oller Ossi mit einem Ossivornamen und einen Nachnamen, der klingt wie ein Dorf im Osten, dazu noch in Neukölln lebend, einfach keine Verträge bei O2 abschliessen kann.

Ist das schon Diskriminierung?

Jedenfalls geh ich jetzt zu Alice. Nicht nur, dass die ja bald oder schon zu O2 gehören, sondern auch, dass ich da ja schon mehrere Jahre Kunde bin. Und wenn die mir dann meinen Datentarif für mein Handy geben, rufe ich damit bei O2 an und lache sie aus. Idioten.