Warum mir O2 keinen Vertrag geben möchte III: Ein kleiner Zwischenstand

Freunde, ich bin wirklich überwältigt von dem, was hier gerade so abgeht. Die vielen Reaktionen auf den Artikel hauen mich einfach um. Vor allem aber auch, was da für Reaktionen dabei waren. Viele von euch erzählen ganz ähnliche Geschichten, manchmal sogar noch mit schlimmeren Konsequenzen, andere finden dieses System generell ungerecht, aber der Großteil von euch benimmt sich hier wirklich absolut vorbildlich. Dafür erstmal ein großes Lob. Wenn ein Artikel so sehr durch das Internet getragen wird, wie dieser, dann kann man eigentlich annehmen, dass sich dann auch die Trolle hier treffen. Aber gar nicht und das freut mich wirklich sehr. Okay, bei manchen kann man annehmen, dass sie den Artikel nicht verstanden haben, nur überflogen oder generell auf Stress aus sind, aber die Zahl derer ist wirklich verschwindend gering. Jedenfalls kann ich jedem nur empfehlen, auch mal die Kommentare dort zu lesen, weil sie das Bild von Arvato doch noch ein bisschen runder zeichnen.

Allerdings möchte ich euch kurz erzählen, was seit dem eigentlich alles passiert ist. Das gehört ja auch irgendwie zur Transparenz dazu, die hier alle so gut fanden. Außerdem schreibe ich das auch ein bisschen für mich auf, weil das ja schon eine recht herausragende Geschichte ist.

Der liebe Gilly war einer der ersten, der den Artikel in einem Tweet erwähnte, was ihm erstmal prompt einen Toptweet einbrachte. Das bedeutet eigentlich “nur”, dass der Tweet so oft weiter geretweetet und favorisiert wurde, dass er auf der Twitterstartseite landet. Das ist gut. Das ist sehr gut. Das ist nicht nur sehr gut, weil es eben mein Artikel war, sondern auch, weil ich es Gilly immer total gönne. Aber dem kann man eh nur alles gönnen.

Später kam dann die erste, krasse Verlinkung. Netzpolitik. Da dachte ich schon, dass mein Server zusammen bricht. Dann der Bildblog, aber der Server schaffte es. Scheinbar ist das alles kein Problem, wenn nicht alle Besucher gleichzeitig vorbeikommen, wie bei der Galileogeschichte damals. Ihr seht ja die Grafik links, die einen Auszug aus meiner Statistik darstellt. Der obere Punkt steht für knappe 10’000 Besucher, der Knubbel am Ansatz des Gebirges, sag ich mal, für knappe 1’500, was eigentlich normal hier ist.
Zwischenzeitlich bekam Mario Sixtus dadurch auch noch einen Toptweet und mittlerweile kann ich gar nicht sagen, wieviele Blogs das Thema aufgriffen. Dutzende bestimmt und ich bin für jeden einzelnen Trackback wirklich unbeschreiblich dankbar. 😀

Dazu noch bestimmt 30 Flattrklicks auf meinen Blog, der Artikel wurde bei Rivva auf der Startseite gezeigt (das ist eigentlich sogar eines der ersten Events dieser Geschichte) und bei Wikio war es der Topartikel. Dazu, aktuell, noch über 1000 Facebooklikes und knappe 500 Erwähnungen bei Twitter. Es ist einfach unglaublich.

Was mich halt auch so überrascht ist, dass ich das ja eigentlich nur aufschrieb, um das irgendwie komplett zumachen, weil ich ja eben den ersten Beitrag schon dazu schrieb. Dass das aber SOLCHE Reaktionen auslöst, dass sich da Leute treffen und ihre Geschichten mitteilen, dass da Leute vorbeikommen und die Geschichte aus anderen Warten erzählen, damit kann man einfach nicht rechnen. Und tatsächlich sind die Kommentatoren teilweise wütender und aufgebrachter, als ich es beim Schreiben war.

Jedenfalls trug ich die Artikel auch an die Verbraucherzentrale, die eigentlich auch nur sagen, dass das Thema bekannt sei, man da aber einfach nichts machen könne. Stichwort Vertragsfreiheit.

Was mich aber wirklich total freute war eine Mail, die ich von Herrn Christian Seidenabel, dem Leiter der Pressestelle der SCHUFA, erhielt, die ich hier auch zitieren darf.

Hallo Herr Friedersdorf,

Sie haben einen interessanten Blogg-Beitrag geschrieben. Aufgrund unserer Bewertung alleine sollten Sie glasklar einen Handy-Vertrag (oder Kredit) bekommen, wobei die SCHUFA dies natürlich nicht entscheidet, sondern die Vertragspartner eigene Regeln und Bewertungen dafür haben.

Da in den Kommentaren zu Ihrem Beitrag einiges durcheinander geht: Wir verwenden standardmäßig keine Geodaten. Uns ist es egal wo Sie wohnen, solange Sie selbst Ihre Rechnungen zahlen. 😉 Dann bekommt man auch einen prima Score…
Wir drücken Ihnen die Daumen!

Viele Grüße
Christian Seidenabel

Apropos Schufa. Ich erhielt ja auch neulich meine Selbstauskunft und die zeigt, neben einem Eintrag, dass ich ein Bankkonto habe, dass Paypal anfragte und noch irgendeiner Nichtigkeit, die mir gerade nicht einfallen mag, absolut keine Auffälligkeiten. Eigentlich steht da sogar überall, dass ich nur ein sehr geringes Risiko darstelle. Das dazu.

Und jetzt überlege ich, ob ich morgen wirklich diesen Journalisten von der TAZ anrufen sollte, um ihm noch ein paar Fragen zu beantworten. Vielleicht mach ich das sogar, auch, wenn wirklich die Chance besteht, dass ich am Ende nur der “Ich hab nichts gemacht”-Junge werde, wie Bart Simpson seinerzeit (© quitzi).

Aber eine Antwort von O2 selbst wäre wirklich noch sehr witzig. Oder passend. Je nachdem.

Wichtiger Nachtrag: Etwas, was ich völlig vergaß zu erwähnen, aber wirklich zu schön ist, um nicht mit euch geteilt zu werden, ist ein Tweet, den mir mein Freund Tobias schickte. Ich zitiere den einfach mal unkommentiert:

@Fadenaffe Bei #O2 wird man beim Handybestellen per Telefon jetzt tatsächlich auf eine Bonitätsprüfung hingewisen. Bist du Schuld? 😉

Fortsetzung hier.