2809 Ich so in Arnhem (Holland) – Tag 2 / Teil 2 – Abendessen, World Statues und Rückreise
In meinem ersten Bericht erzählte ich euch ja schon von meiner Anreise nach Arnhem, während ich euch in dem zweiten Bericht von der ersten Hälfte des Samstags erzählte, den ich dort verbrachte, um die Stadt ein wenig kennen zulernen. Und was ich hier an diesem Abend sah, war echt ein ziemlicher Knüller, mit dem ich einfach vorher nicht gerechnet habe. Zum Glück bin ich vorher noch im Dudok abgestiegen, um mich auch angemessen zu stärken. Was ich dort aß, was ich später am Rhein erlebte und wie ich panisch versuchte nicht an den Herzattacken zu sterben, die meine Rückreise begleiteten, könnt ihr in folgendem Bericht nachlesen.
Das Holländisch ist dem Deutschen natülich bekannterweise sehr, sehr ähnlich, allerdings sind viele Wörter auch so anders, dass ich gar keine Ahnung hatte, was das alles so bedeutet, was ich so las. Was aber in vielen Sprachen gleich klingt, ist Spaghetti, weswegen ich mal auf Nummer sicher ging, und mir eben jene bestellte. Diese wurden zubereitet mit Spinat, getrockneten Tomaten und einer Art Frischkäse, was alles in allem auch echt lecker war.
Als ich jedenfalls so die Karte durchforstete und versuchte zu verstehen, was man hier so essen könnte, sah ich, dass der Laden auch über ein WLAN verfügt. Also schnell verbunden, Emails gecheckt, ein bisschen getwittert und bei Foursquare eingecheckt. Was man eben so als Digital Native macht, wenn man mehrere Stunden schon kein Internet hatte. Dort jedenfalls sah ich, dass von wirklich außerordentlich vielen Leuten der Apfelkuchen empfohlen wurde. Ihr seht ihn oben und er ungefähr fünfzigtausend Mal leckerer, als er auf dem Bild erscheint. So richtig mit Streuseln und massig an Füllung mit immernoch festen Äpfeln. Lecker!
Bevor jedoch das Festival der Word Statues anfing, bin ich noch etwas die Rheinpromenade entlang geschländert und ich stellte fest, dass die Bars, Restaurants und Cafés, die nicht im Zentrum sind, sich dort anzusiedeln scheinen. Dafür sind die, die am Rhein liegen, aber wesentlich ruhiger und gehobener, während die im Zentrum, wie eben auch das Zentrum selbst, irgendwie quirliger sind.
Das World Statues Festival ist eine Aktion, die wohl alljährlich in Arnhem stattfindet und viel schöner ist, als man es sich vorher denkt. Gut, Leute verkleiden sich, spielen ihre Rolle und andere Leute beobachten und fotografieren sie dann. Tatsächlich ist es auch genau das, aber wieviel Mühe sich die Leute mit ihren Kostümen geben und wie angestrengt sie über Stunden in ihrer Rolle bleiben, ist wirklich unglaublich.
Oftmals bewegen sie sich, manchmal roboterartig, manchmal menschlich, um dann kurze Zeit später wie Figuren fest zu stehen. Meist interagieren sie auch mit den Leuten, besonders gern mit Kindern, was natürlich Gelächter und manchmal auch panische Schreie (ja, wirklich!) hervor ruft. Da sieht man dann, wie schwer es ihnen manchmal fallen muss, nicht zu lachen oder die letzte Pose zu halten.
Die beiden hier oben spielten beispielsweise ganz kurz ein Stück, was wohl ein Streitgespräch war, vor, dafür aber lautlos und ganz plötzlich unterbrochen, dass sie wieder dastehen, wie goldene Statuen.
Blöderweise war es dort aber wirklich unglaublich voll. Also eigentlich war es blöd von mir, dort so früh hinzugehen, direkt zur Eröffnung, aber ich musste ja am nächsten Tag ja auch relativ früh raus, weswegen mir eigentlich gar nichts anderes übrig blieb.

Die Leute drängelten wie bekloppt, jeder wollte das beste Foto knipsen und ständig wurde man, direkt beim Drücken des Auslösers, angerempelt. Das war ein bisschen nervig, ist aber bei solchen Dingen natürlich auch normal. Wenn man selbst auch ein bisschen drängelt, geht das ganz wunderbar.
Der Darsteller da oben mochte es übrigens sehr, mit seinem Gewehr, das an eine Druckluftflasche angeschlossen war, auf Leute zu schiessen, was vor allem die Kids da erschreckte und wirklich witzig war.
Und immer der angestrengte Blick ins Leere und das wahrscheinlich noch wesentlich anstrengendere Halten der Pose.
Manchmal hatte ich aber ein bisschen Glück und die Darsteller schauten mir direkt in die Kamera. Ich bilde mir einfach mal ein, dass sie das absichtlich machten.
Der Kollege hatte es ganz besonders gut drauf, eine Pose sehr lange zu halten, um ein paar Kinder anzulocken und sie dann mit einem monsterhaften Lachen zu erschrecken. Ihre Schreie hallten wirklich über die ganze Promenade.
Es ist ein bisschen schade, dass es nur so wenige Darsteller waren und ich da schon nach guten 1.5 Stunden durch war, hätte ich mir doch gern noch mindestens 300 weitere angeschaut.
Wie gesagt war ich da viel zu schnell durch und auf dem Rückweg stellte ich fest, dass ich, wenn ich doch nur ein Stunde gewartet hätte, dort viel bequemer durchgekommen wäre. Nichtsdestotrotz war es aber auch so einfach ganz wunderbar. Offenbar wurden die Darsteller aber von Zeit zu Zeit ausgewechselt, weswegen ein zweiter Durchgang sicher noch ein paar andere Figuren gebracht hätte. Aber ich war dann auch schon relativ fertig und musste dringend ins Bett.
Aber ich wollte noch nicht, weswegen ich, auf der Suche nach etwas leckerem zu trinken, nochmal einen Abstecher an die Rheinpromenade gemacht habe. An einer der schickeren Bars wollte ich noch einen Cocktail trinken, aber man sagte mir, dass es dort maximal Bier gäbe. Bin ich halt wieder gegangen. Ins Zentrum.
Aber dort fand ich echt gar nichts und nachdem ich es gefühlt drei mal durchquert hatte, holte ich mir beim Späti, der Nachtwinkel hiess, noch schnell ein Bierchen für den Weg. Jener Weg führte mich dann aber durch den szenigen Teil Arnhems, wo wirklich Bar an Bar an Tanzschuppen an Konzertbar war. Ich stand noch kurz mit Bierchen in der Hand und hörte einer jungen Dame beim Singen zu, bin dann aber auch schnell weiter nach Hause ins Hotel.
Aber ich wollte noch nicht schlafen und mein Bierchen war ja auch noch nicht alle, also liess ich den Abend noch kurz an einem Kanal direkt neben dem Hotel auf einer Bank ausklingen, freute mich darüber, dass ich den großen Wagen am Firmament deuten konnte und kraxelte in mein Hotelzimmer. Das war sein schöner Tag. Ein sehr schöner. Zu Southpark schlief ich ein.
Am nächsten Morgen stand ich dann auch schon gegen halb neun, geweckt vom Nachbarn, der auf voller Lautstärke eine Dokumentation über 9/11 schaute, auf, frühstückte das selbe, wie am Tag zuvor (nur mehr Kuchen), checkte aus und machte mich auf den Weg zum Bahnhof.
Wie ihr euch erinnert, habe ich mir ja am Tag zuvor extra einen Plan ausdrucken lassen, der mir sagte, wie ich mit dem Zug zum Flughafen komme, weil ich ja manchmal ein bisschen vorrausschauend bin. Aus Gründen, die sich mir jetzt nicht mehr so richtig erklären, war ich aber bereist um halb zehn am Bahnhof (um halb elf sollte der Zug gehen) und so wartete ich, mich nochmal vergewissernd, ob das alles auch so stimmt.
Es stimmte nicht.
Denn der Zug, der mir herausgesucht wurde, fuhr gar nicht am Sonntag. Fuck. Panik. Schnell eine Frau gefragt, ob “zo” wirklich die holländische Abkürzung für Sonntag ist, sie bestätigte und versuchte mir auf holländisch zu erklären, wie ich nun zum Flughafen komme. Mehr Panik. Die Hinfahrt dauert doch schon eine Stunde länger als angekündigt. Wenn ich dieses mal wieder so lange brauche, habe ich viel zu wenig Zeit, um zum Flieger zukommen. Online eingecheckt war ich ja auch nicht.
Weil ich die Frau nicht so richtig verstand und immer auf englisch antwortete, sie aber holländisch mit mir sprach, hatte sie dort schnell eine Frau gesucht, die auch zum Flughafen musste (Ich sag es ja, Holländer sind echt nett!). Diese hatte sich sogar einen Plan ausgedruckt, der die Ankunft um 12:15 ankündigte, zehn Minuten bevor mein Flieger abhob. Scheiße, das reicht nie. Nie!
Mehrmals im Flieger von Panikattacken überrascht malte ich mir schon aus, was geschehen würde, wenn ich den Flieger verpasste, spielte schon mit dem Gedanken, mir noch ein paar Sachen in Amsterdam anzuschauen und redete mir ein, dass ja am Ende doch immernoch alles gut gegangen wäre.
Nachdem ich als in Utrecht umstieg, fragte ich im Anschlusszug, wann dieser denn Schipol, also den Flughafen, erreichen würde. 11:15 Uhr. Fuck Yeah. Von Panik keine Spur mehr, aber die Feststellung getroffen, dass Holländer zwar sehr freundlich, aber auch tierisch verplant sein können. Das passiert also, wenn man die beliebteste weiche Droge landesweit legalisiert.
Ich denke, damit kann ich leben.
Sagte ich schon, dass der Kurztrip toll war?
Gesponsert wurde mir mein Trip von http://www.niederlande.de, dem Städtereisen-Microblog und in dem Holland Blog


















