1912 Kim Jong-Il ist tot – ein Land trauert
Vor gar nicht allzu langer Zeit, in einem weit entfernten Land, starb eine der herausragendsten Lichtgestalten des politischen Theaters – Kim Jong-Il. Von seinem Volk geliebt und verehrt, von seinen Feinden gefürchtet verstarb der 70-jährige sowohl politische als auch militärische Führer Nordkoreas, als er in einen Brunnen fiel und ihn einfach niemand hat schreien hören. Als einer der letzten führte er sein Land nach einem klassischen Modell, das so heute nur noch ganz selten umgesetzt wird. Demokratie wird auf die Flaggen geschrieben und umgesetzt wird sie mit umfassender Informierung der Bevölkerung durch die Kontrolle der Medien und ständige Präsenz von Sicherheitspersonal. Probleme, wie sie rückständig entwickelte Länder, wie die gesamte EU oder Nordamerika zu beklagen haben (ausbleibende Wähler, überall Gewalt, Kapitalismus) waren quasi nicht existent. Doch stand Jong-Il auch für die freie Meinung ein, die allerdings niemals unreflektiert verbeitet werden sollte. So wurden beispielsweise Journalisten und Blogger, die Kim Jong-Il als einer der ersten gleichberechtigt behandelte, sollten sie sich durch kritische Meinungen hervorgetan haben, in spezielle Camps einlud, um ihnen die Finessen der professionellen Berichterstattung beizubringen. Meistens sogar persönlich.
Macht macht bekanntlich unwiderstehlich und so war Kim Jong-Il nicht nur als eiserner Führer mit weichem Kern bekannt, sondern auch als Herzensbrecher. Seit Bill Clinton durfte kaum eine Bevölkerung so viel Samen eines Landesführers empfanden, wie die weibliche von Nordkorea. Trotz dessen er natürlich bis zu seinem viel zu frühen Tode mit den Eifersüchteleien in den Kreisen seiner Damen zu kämpfen hatte, wusste doch jede, dass er genügend männliche Liebe für alle aufbringen konnte und immer noch genug für alle anderen parat hatte. Dafür unterzog er sich bereits in frühen Jahren entsprechenden Operationen, die sein Charisma, seine Anziehungskraft und seine Manneskraft ins schier unermessliche steigerten. Seither nannte man ihn den goldenen Drachen Koreas, der auch, der Legende nach, über die Nester seiner Drachendamen stieg, und so einen eine Drachenarmee zeugte, welche die Welt erobern sollte.
Diese Operationen, in den frühen 80er Jahren durchgeführt, beruhten allerdings auf einer relativ jungen Technologie, weswegen ein Nachteil dieser Behandlung ganz offensichtlich die Zunahme des Körpervolumens Jong-Ils war. Dies gleichte er aber natürlich mit einem Gewinn an Sexappeal aus, welches ja die die eigentliche Absicht dieser Maßnahmen war.
Was aber vielleicht niemand so recht weiß und auch von den westlichen Teufeln verschwiegen wurde, ist, dass Kim Jong-Il nicht nur ein großer Staatsmann und männlicher Mannesmann war, sondern auch, dass sein Herz für den Film schlug. Dies ist nämlich auch der Punkt, der bei mir das Fass zum Überlaufen brachte und mich mit ihm auf einer gewissen Gefühlsebene verband.
So kam es nämlich, dass er im Jahre 1976 den Regisseur und Filmemacher Shin Sang-ok zu sich einlud, um ihm, neben ausschweifenden Festen mit einem Teil seiner Lieblingsfrauen, auch das Angebot zu unterbreiten, doch einen Film nach seinen Visionen für ihn zu drehen. Bereits wenige Jahre später, nämlich 1985, wurde Pulgasari, die Revolution des Monsterhorrorfilms, veröffentlicht. In einem Interview mit Sang-ok gab dieser bekannt, dass das Traurigste an an diesem Film zeitgleich auch das Schönste sei: Die Fertigstellung. Diese bedeutete nämlich, dass Sang-oks Job beendet war und er die pompösen Paläste Jong-Ils verlassen müsse, er aber trotzdem über alle Maßen glücklich sei, diesen Film, der auch zu seinem Traum, gar zu seinem Lebenswerk wurde, endlich veröffentlichen zu können.
Leider erhielt dieser Film aber kaum positive Resonanz im kapitalistischen Westen (Norden, Osten und Süden), was natürlich allein kulturelle Hintergründe hatte. Trotzdem gibt es den gesamten Film hier bei Youtube. (via René)
Und heute? Heute ist er tot, womit niemand gerechnet hatte, stand die große Sonne des Lebens, der Vater einer Nation, oder seine, wie ihn seine Freunde nennen durften, Exzellenz, doch noch mitten im Leben. Ein Land trauert und es ist ihm nicht peinlich, diese Trauer auch offen zu zeigen. Kim Jong-Il wird vermisst werden, wie wir auch andere, große Männer vermissen, die wir dieses Jahr verloren. Bin-Laden, Gaddafi, Jong-Il und das Jahr ist immer noch nicht vorbei.
Träume süß, kleiner Prinz.
Unser einziger Trost ist die erfolgreiche Züchtung seines Klons in geheimen, nordkoreanischen Labors, den man Kim Jong-un nennt. Er wird zwar als eigenständiger Mensch behandelt, aber der Name verrät es schon, er ist die perfekte Kopie seines Vaters und wir freuen uns, diesen tapferen Mann schon bald in Deutschland, zu seinem Machtantritt, begrüßen zu dürfen.
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