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Grant Morrison gehört für mich zweifelsohne zu den besten seines Handwerks, weil er so viele gute Geschichten geschrieben hat, das einige davon (“All-Star Superman” beispielsweise) mittlerweile zu meinen All-Time-Favorites gehören. Manche finden ihn allerdings auch etwas überschätzt, was sicherlich auch keine haltlose Behauptung ist. Trotzdem war ich doch sehr gespannt auf “Happy!”, bei dem er wieder mal die Feder schwang (das Wortspiel wird später klar). Worum es dabei geht und warum das wieder eine ziemlich faszinierende Geschichte ist, erfahrt ihr in folgender Review.

Und wer ist nun der glückliche?

Irgendwann in einem anderen Leben war Nick Sax mal ein ziemlich guter Polizist und Ehemann. Wegen einer Affäre und seinem Hang zu Korruption und Alkohol ist das aber schon lange nicht mehr so, weswegen er sich heute als Auftragskiller verdingt, dem Alkohol immer noch sehr zugetan ist, auch einen Faible für Glücksspiele entwickelte und ständig mit einem Ekzem zu kämpfen hat. Es läuft also nichts wirklich gut für Nick, bis eines Tages auch noch ein blaues, geflügeltes Pferd erscheint, das dringend seine Hilfe benötigt.
Dieses Pferd heißt Happy und ist laut eigener Aussage der imaginäre Freund eines Mädchens, das in größter Gefahr schwebt. Offenbar wurde sie entführt und wird nicht mehr lange leben, sofern Nick nichts unternimmt und ihm hilft, dieses Mädchen zu finden.

Okay, das klingt ziemlich abgefahren

Es ist schon eine sehr skurrile Geschichte, die Nick da widerfährt. Gejagt von Mafiosi und selbst auf der Jagd nach einem irren Kindermörder im Weihnachtskostüm, dann auch noch die Polizei mitsamt seiner ehemaligen Affäre im Nacken, kann er eigentlich nur annehmen, dass er langsam aber sicher verrückt geworden ist, wäre Happy nicht so unglaublich praktisch und erschreckend real. Er warnt ihn vor Gefahren, schaut für ihn um Ecken, hinter denen Schurken lauern könnten, und hilft ihm sogar beim Betrügen bei einem Pokerspiel mit ziemlich zwielichtigen Gestalten. Es führt eigentlich kein Weg daran vorbei zu glauben, dass Happy echt sei und seine Hilfe wirklich braucht.

Also hilft er ihm?

Natürlich hilft er ihm, aber bis dahin muss Happy noch einiges an Überzeugungsarbeit leisten, zumal die Welt, in der sich Nick bewegt, wirklich keine schöne ist, in die etwas strahlendes und fröhliches wie Happy einfach nicht hineinpasst. Im Verlaufe der Geschichte erfahren wir noch wesentlich mehr über die Beziehung von Happy, dem vermissten Mädchen und Nick, alles ist eng verwoben und unglaublich trostlos, dass einem richtig die Lust auf ein besinnliches Weihnachtsfest vergeht. Natürlich erwartet uns auch einiges an Gewalt, die für den Leser aber eher emotionaler Natur ist. Nicks Welt, wie auch Nick selbst, ist so freudlos, dass man sich schon fragt, warum er eigentlich jeden Morgen aufsteht. Vermutlich nur, um Geld für die Medikamente zu verdienen, die sein Ekzem in Schach halten sollen. Dazu dann noch dieser bedrohliche Killer, dieses düstere New York und ein durchweg beschissenes Weihnachten, das überhaupt keine heimelige Stimmung verbreitet.
happy hingegen ist das krasse Gegenteil. Er ist fröhlich, optimistisch, hat Antrieb und ein Ziel, dass er unbedingt erreichen muss, was er aber allein nicht schafft. Dieser Kontrast ist schmerzlich offensichtlich, weil er im Gegensatz zum ganzen Rest eben auch hell und fröhlich gezeichnet ist, klare Formen hat und dessen Umrisse nicht so verschwimmen, wie alles andere. In gewisser Weise ist Happy für Nick realer als alles andere, was er kennt. Fast hätte ich noch behauptet, dass der Comic ein bisschen liderlich und unschön gezeichnet ist, durch den Kontrast von Happy zu der Umgebung würde ich aber fast behaupten, dass das ein unglaublich clever eingesetztes Stilmittel ist.

Fazit: “Happy!” ist einfach nur deprimierend. Eigentlich sollen einem imaginäre Freunde das Leben ja erträglicher machen, aber das gilt wohl nicht, wenn es nicht der eigene imaginäre Freund ist. Die Geschichte fängt deprimierend an, wird dann im Verlauf noch ein bisschen deprimierender und gerade, als man denkt, dass es endlich für alle besser wird, legt man den Comic beiseite und möchte vielleicht ein bisschen weinen oder sein altes Stofftier in den Arm nehmen. Und deswegen ist Grant Morrison ein total guter Autor.

Erschienen am: 17.06.2014
Seiten: 132
Format: Softcover
Original-Storys: “Happy!” #1-4 komplett)
Autor: Grant Morrison
Zeichner: Darick Robertson
Preis: 16,99 €
U-Bahnlesetauglichkeit: Ich glaube man müsste es eher in sicherer Umgebung lesen, umringt von Dingen, die einen fröhlich machen.
Rating: Happy! macht nicht so happy, aber genau deswegen funktioniert es ja.

Kaufbar bei Amazon (Partnerlink) oder direkt bei Panini, mit merkwürdiger Preview.

Disclaimer: Vielen Dank an Panini für das Rezensionsexemplar

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