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Prinzipiell sind mir ja viele Dinge total egal. Worüber sich die meisten Leute aufregen, lässt mich kalt, aber dafür sind vielen anderen Leuten aber auch die Dinge egal, die mich beschäftigen. Zum Beispiel dieses Festival of Colors hier. Dieses Festival basiert auf dem indischen Fest namens Holi, das quasi den Frühling einläutet, indem die Leute auf Altaren gesegnetes Farbpulver in die Luft schmeißen oder sich gegenseitig bemalen. Das besondere ist wohl, dass dieses Fest zumindest für 5-10 Tage (solange dauert das wohl mitunter) auch Kasten überwindet und die Leute in der Zeit alle ein bisschen gleicher sind.
Ich finde es da immer ein bisschen schwierig, wenn hippe Agenturen daherkommen und solche Traditionen für blöde weiße Menschen mit zu viel Geld vermarkten. Sicherlich mögen sich die Leute in dem Moment auch sehr und sind vermutlich die besten Freunde und 9 Monate später werden bunte Kinder mit viel zu großen Fensterglas-Hornbrillen geboren, aber ich finde es schwierig, wenn so eine Tradition aus der Kultur gerissen wird, nur weil es irgendwie schnieke ist oder cool oder weil man damit gut Geld verdienen kann. Immerhin kostet so eine Karte auch knappe 17 Euro.
Am Ende können total kluturinteressierte junge Leute sagen, dass sie eine total coole Tradition aus Indien erlebt haben. In Indien? Ja, ja, nein, in Berlin oder so. Indien ist ja weit. Was das bedeutet? Na es ist wunderschön und wir Leuten damit den Frühling ein, das machen die ja schon immer so. Also wir jetzt auch, schon seit letzten Jahr auch und dieses aber auch. Jedes Jahr quasi, schon immer. Seit ich halt in Berlin wohne, oder München. Je nach dem. Zuhause in BaWü gibt es sowas ja gar nicht. Berlin (oder München oder so) ist ja total offen, was andere Kulturen angeht, die freuen sich auch bestimmt total, dass wir das auch hier feiern. Ja also nein, gesehen hab ich da jetzt keinen Inder, aber wir waren ja auch alle bunt. Da wächst die Welt wieder ein Stück zusammen. Für nur 17 Euro. In Indien ist das gratis, aber hier kostet das Geld. Vermutlich Lizenzgebühren oder so.
Ich weiß eigentlich gar nicht, was mich da so aufregt. Ich hasse weniger die Sache an sich, als die Menschen, die da hingehen, obwohl Hass vielleicht auch nicht das richtige Wort ist. Es kommt mir einfach ein bisschen respektlos vor, so als ob ein Fashionvictim einen Rosenkranz trägt, weil er so gut zum Gürtel passt. Auf der anderen Seite schäme ich mich aber auch ein bisschen, weil ich schon wieder Leuten, die ich gar nicht kenne, ihren Spaß nicht gönne. Aber ich gönne ja auch diesen Leuten ihren Spaß nicht, die den dicken Jungen mit Stöckern pieken und sagen, dass er ja nur weglaufen muss.
Aber eigentlich muss mich meine Verachtung auch gar nicht weiter begründen. Ich hasse das hier einfach und hoffe, dass es an dem Tag regnet.