Titel: Die Chroniken von Wormwood
Herausgeber:
Panini
Künstler: Garth Ennis, Jacen Burrows
Art: Sammelband
Seiten: ca 200
Sprache: deutsch
Preis: 19.95€
Rating: 666 von 666 möglichen Punkten

Leseprobe bei mycomics.de (der komplette erste Teil)
Bestellbar bei Panini

Ich hatte es euch ja schon mehr oder weniger angedroht, dass ich hier in unregelmäßgen Abständen auch mal eine Comicreview zum Besten geben wollte. Manche fanden das cool, anderen war es egal und einige wenige fänden das sogar scheiße. Allerdings gab es auch welche, die sowieso alles total supi finden, was ich so mache. Wenn ihr Mädchen seid, könnt ihr mir ruhig mal eure Telefonnummer zukommen lassen, weil es nämlich noch ganze andere Dinge gibt, die ich total supi kann. Zuhören zum Beispiel.

Jedenfalls schickten mir meine Freunde von Panini neulich ein kleines Paket, bei dem ich nach dem Öffnen wirklich aus allen Wolken fiel und kichernd durch die Wohnung lief: Man schenkte mir zwei wirklich absolut großartige Comics. Über das eine möchte ich noch nichts erzählen (mach ich aber später mal, etwas umfassender), das andere war “Die Chroniken von Wormwood”. Es ist ja nun relativ klar, dass dieser Comic nicht wirklich lange ungelesen bei mir herumliegen würde.

Anstatt euch hier lang und breit zu erklären, wovon der Comic handelt, warum die Figuren empfinden was sie empfinden und weshalb der Künstler die Striche so gesetzt hat, wie er sie gesetzt hat, möchte ich euch lieber einfach mit Gründen erschlagen, warum ihr euch diesen Comic holen müsst. MÜSST, hört ihr? Ihr kommt nämlich einfach nicht daran vorbei, ihn zu lesen, wenn ihr wisst oder wissen wollt, was gut ist.

Worum gehts?

Danny Wormwood, Antichrist und Fernsehserienproduzent, soll, wenn es nach seinem Vater ginge, das Ende der Welt, auch bekannt als Armageddon, einläuten, wozu er allerdings überhaupt keine Lust hat. Er ist nämlich der Meinung, dass die Menschen schon ganz gut allein klar kommen und so hängt er lieber mit seinem Kumpel Jay (Jesus) und seinem anderen Kumpel Jimmy (ein sprechender, meistens fluchender Hase) herum oder produziert eben seine Fernsehserien. Ab und zu vögelt er noch Jeanne D’Arc oder seine Freundin, aber ansonsten hat er mit den Geschäften seines Vaters nicht viel am Hut.
Das stinkt Satan natürlich gewaltig und so versucht er ihn mit allen Mitteln, die ihm freundlicher Weise auch meistens direkt aus dem Vatikan von Papst Jacko zur Verfügung gestellt werden, zu überzeugen eben doch für sein Erbe einzustehen.

Klingt das schomal gut? Hier ein paar Gründe, warum ihr daran nicht vorbei kommen werdet:

Der Autor der Comicserie ist Garth Ennis.
Diesen Satz könnte ich eigentlich direkt so stehen lassen, aber wahrscheinlich können nur die wenigsten etwas damit anfangen. Garth Ennis jedenfalls ist einer dieser Autoren, von denen man gar nicht wissen möchte, was das wirklich für Typen sind. Seine Lieblingsthemen nämlich scheinen wirklich Gewalt, Sex, Religion und alle drei Sachen kombiniert zu sein, was er schon in Serien wie Preacher, The Boys und Punisher unter Beweis stellte. Prinzipiell bedeutet das aber einfach, dass euch hier eine tierisch abgefuckte, verwirrende und zum Schreien komische Gesichte erwartet, die manche Leute eben wegen jener Eigenschaften lieben oder aus den gleichen Gründen hassen werden. Garth Ennis versteht es eben einfach, den Leser auf eine Gratwanderung zu schicken, bei der er sich nicht sicher ist, ob er wirklich über die Witze lachen darf oder das Heft doch lieber verbrennen sollte, auf dass es niemals jemand zu GEsicht bekommt.
Die Bilder sind, sag ich mal einfach so, sehr explizit. Brüste, Sex, Gewalt, mitunter sogar Penisse – das kann man da alles sehen. Trotzdem wirkt es passend, aber was wäre ich für ein Mensch, wenn ich sagen würde, das mich das stört? Abgesehen davon ist das alles wirklich ganz wunderbar gezeichnet, was Jacen Burrows, der übrigens auch schon für Warren Ellis und Alan Moore gezeichnet hat, da abliefert.
Ich würde euch übrigens so verdammt gern verraten, wie Gott dort dagestellt wird, aber es würde euch echt die Überraschung versauen. Denkt an mich, wenn ihr es seht. es ist eifnach nur genial. Verboten und genial.
Ebenso genial war, obwohl die Geschichte mit dem ganzen Drum und Dran absurd ist, wie sonst nur Weniges, die Moral der Geschichte, die sich einem eigentlich auch schon gut ab der Hälfte erschliesst, als Danny, Jay und Jimmy beschliessen dem Himmel, als auch der Hölle einen Besuch abzustatten. Sie nennen es Urlaub. Aber auch hier möchte ich wirklich nicht spoilern.

Und unterm Strich?

Unter dem Strich kommt ihr, meiner Meinung nach, einfach nicht daran vorbei, auch diesen Comic zumindest einmal anzuschauen. Wenn ihr schon den Film Dogma mochtet, der mit seinen cleveren Ideen ein völlig neues Licht auf das ganze Christentum warf, ihr ihn aber doch noch etwas zu harmlos fandet, dann ist der Comic einfach genau das, was ihr lesen müsst. Er ist einfach bitterböse, zynisch und dabei von hinten bis vorne schlichtweg genial. Die Charaktere funktionieren zusammen so gut wie ein Uhrwerk nud die kleinen Nebengeschichten, die nicht direkt etwas mit der Hauptstory zu tun haben, runden die ganze Sache erst richtig ab.

Disclaimer: Ich habe den Band von Panini als Rezensionsexemplar geschenkt bekommen und gedenke ihn zu behalten. Das bedeutet nun aber nicht, dass ich ihn deswegen schön rede (-n muss) – so gut solltet ihr mich ja nun doch kennen. Er ist einfach verdammt gut. Kaufen!