Titel: Victorian Undead – Sherlock Holmes vs. Zombies!
Herausgeber:
Panini
Künstler: Ian Edginton, Art by Davide Fabbri
Art: Sammelband
Seiten: 148
Sprache: deutsch
Preis: 16.95€
Rating: Fünf ausgelutschte Schädel und eine große Lupe

Die Leseprobe gibt es, wie gewohnt, auf mycomics.de.
Dafür aber wieder bestellbar bei Panini.

Eigentlich sollte man meinen, dass das Thema Zombies mittlerweile schon irgendwie durch sein sollte, denn heutzutage gibt es ja irgendwie alles mit dem Zusatz “vs. Zombies”. Zumindest wird mir häufiger gesagt, dass Zombies total 2009 sind und alles darüber gesagt, gezeigt, gezeichnet oder gefilmt wurde. Aber wisst ihr was? Ich sehe das völlig anders. Nicht nur, dass Zombies ein wichtiger und stetig wichtiger werdender Bestandteil unserer Kultur sind, weil sie auch eine prima Metapher für die Entmenschlichung unserer Gesellschaft sind, sondern auch, weil alles mit Zombies doch irgendwie ein bisschen cooler ist. Da müssen wir einfach mal ehrlich sein. Jetzt hatte ich vor einer Weile “Victorian Zombies – Sherlock Holmes vs. Zombies” in der Hand und vermutete erst einen seichteren Abklatsch von “Stolz und Vorurteil und Zombies”, muss euch aber sagen, dass ich mehrmals mehr als positiv überrascht wurde. Aber der Reihe nach.

Worum gehts denn bitte? Also außer um Zombies

Wie wir ja alle wissen, ist Sherlock Holmes der größte Detektiv aller Zeiten. Wenn man es genau nimmt, ist er sogar ein noch größerer Detektiv als Batman, da dieser ohne seine ausgewieften Gadgets ziemlich aufgeschmissen und nichts weiter als ein durchtrainierter Sadist ist. Sherlock Holmes nämlich stehen nur die Techniken und Gerätschaften seiner Zeit zur Verfügung, die vielleicht manchmal, aus der Sicht der ihn umgebenden Personen, futuristisch anmuten mögen, aus unserer Sicht aber das Grundwissen eines jeden Tatort-Fans darstellen. Ich meine damit Mikroskope, Fingerabdrücke, Petrischalen und derlei Zeug.

Ich muss allerdings ganz ehrlich zugeben, dass ich mich in dem Sherlock-Holmes-Universum nicht wirklich gut auskenne. Natürlich weiß ich, was gemeint ist, wenn vom Hund von Baskerville die Rede ist, mir ist Doktor Watson ein Begriff, ich kenne seine Postanschrift und auch Mycroft ist mir kein Unbekannter. Danach wird es für mich allerdings schon schwierig, was mir vor dem Genuss des Comics ein bisschen Sorge bereitete. Völlig unbegründet allerdings, wie sich herausstellte.

Diese Ausgabe, ich weiß aber nicht, ob sie zum sogenannten Canon der Sherlock-Holmes-Saga zählt, soll, laut Einband, nun Sherlocks schwierigster Fall seiner Karriere sein. Und tatsächlich ist die Geschichte mindestens episch: In Londons Untergrund entdecken Sherlock und sein treuer Gefährte ein Lager der Untoten, die sich fortan über die ganze Stadt ausbreiten. Die Bewohner ahnen zu diesem Zeitpunkt noch nichts von der nahenden Katastrophe, was sich aber schnell ändern wird. Es ist zwar nicht so, dass von staatlicher Seite keine Hilfe zu erwarten ist (ganz im Gegenteil!), allerdings sind die Angriffe der Untoten so zielgerichtet, dass eine Art Gebieter dahinter stecken muss. Muss!

Ich weiß nicht, ob ich an dieser Stelle verraten sollte, wer dieser Gebieter ist. Ich mache es lieber nicht.

Jedenfalls ist es jetzt an Sherlocks scharfem Verstand hinter dieses Geheimnis zu kommen und der nahenden Apokalypse ein Ende zu setzen. Natürlich zu einem sehr hohen Preis.

Kaufen oder nicht kaufen?

Lasst es mich so sagen: Wenn ihr auf Zombies steht, kommt ihr daran nicht vorbei. Wenn ihr allerdings einen Comic erwartet, der eher von Bildern, als von Erzählungen, lebt (pun intended – wie alle anderen übrigens auch), solltet ihr kurz nochmal weiterlesen, bevor ihr den Comicdealer eures Vertrauens belästigt. Was mir nämlich beim Lesen auffiel war, dass ich (anders als bei jüngst verzehrten Comics) wirklich lesen musste. Die Bilder dieses Comics sind zwar sehr detailliert gezeichnet, vor allem, was die Zombies angeht, führen aber eher weniger die Geschichte fort. Viel mehr sind es die Gespräche und Aussagen der Figuren, insbesondere die zahlreichen Monologe Sherlocks. Das mag für den ein oder anderen etwas abschreckend wirken, ich fand es aber sehr, sehr angenehm. Das ist auch der Hauptgrund, warum ich die Geschichte weniger als Comic, denn als bebilderte Geschichte verstehen möchte. Klar, unter dem Strich ist es ein Comic, aber die wirkliche Masse an Text, mit der man sich konfrontiert sieht, macht das ganze doch auch zu einem Roman.

Kann man machen, finde ich.

Ein anderes Kaufargument wäre, dass die Geschichte zudem auch wirklich sehr gut ist. Anfangs erwartet man noch eine typische Zombie-Apokalypse-Story, was später aber sehr tief und mitreissend wird. Die Charaktere empfindet man als wirkliche Personen, nicht nur als Geschichtsträger, und tatsächlich wartet die Story auch mit einigen sehr cleveren Ideen auf. Okay, manchmal schreit es gerade zu nach Deus Ex Machina, wenn Sherlock den nötigen Hinweis wieder aus dem scheinbaren Nichts gefingert hat, aber ich meine mich dunkel zu erinnern, dass das ja auch ein bisschen der Charme solcher Geschichten ist.

Fazit?

Unter dem Strich kann man schon sagen, dass dieser Comic ein bisschen auf der “Stolz-und-Vorurteil-und-Zombies”-Welle mitschwimmt, aber ich glaube nicht, dass irgendjemand etwas anderes behaupten würde. Trotzdem steht der Comic wunderbar für sich allein, macht Spaß, reisst mit und ist von hinten bis vorne ganz wunderbar. Ich wüsste jetzt ehrlich keinen Grund, warum ihr da nicht mal das ein oder andere Auge drauf werfen solltet. Es müssen ja auch nicht eure eigenen sein.

Disclaimer: Wie häufiger war auch das ein Geschenk von meinen Freunden bei Panini. Der Comic ist super, daran rüttelt auch nicht die Tatsache, dass ich ihn geschenkt bekommen habe.