Titel: The Pro – Die Superschlampe
Herausgeber:
Panini
Veröffentlicht: 04.11.2010
Künstler: Jimmy Palmiotti, Garth Ennis & Amanda Conner
Art: Gesamtausgabe
Seiten: 76
Sprache: deutsch
Preis: 9,95€
Rating: Fünf abgerissene Daumen nach oben.

Leseprobe auf mycomics.de, bestellbar ist es, wie immer, bei Panini.

Ich habe es schon manches Mal erwähnt, aber Garth Ennis ist mir nicht nur einer meiner liebsten Autoren, sondern auch einer der Menschen, der ziemlich gut zeigt, dass es manchmal einfach besser ist, einer Verrücktheit eine kreative Richtung zu geben, als einfach Städte in Schutt und Asche zu legen. Ich glaube wirklich, dass Ennis so ein Typ ist, bei dem das Sprichtwort “Genie und Wahnsinn liegen nah beieinander” mehr als zutreffend ist, was er wirklich mit jedem seiner Comics zeigt. “The Pro – die Superschlampe” ist da nicht nur ein weiteres Beweisstück meiner These, sondern auch das witzigste, unkorrekteste und teilweise auch abartigste, was die Superheldenparodien momentan zu bieten haben.

Worum geht es?

Der Spanner, der die Erde und ihre Entwicklungen beobachtet, sich selbst aber Späher nennt, geht eine Wette mit seinem kleinen, robotischen Handlanger ein, dass doch in jedem Menschen Superheldenqualitäten stecken und diese einfach nur geweckt werden müssen. Um seine Annahme zu untermauern, gibt er der Prostituierten (ihr erkennt, woher der Titel des Comics kommt) besonderer Superheldenfähigkeiten, auf dass sie diese für das Wohl der Menschheit einsetzt und der Spanner seine Wette gewinnt.

Es ist ganz klar, dass da dann auch bald die Liga der Ehre auf den Plan tritt, um die neue Streiterin für Recht und Ordnung in ihren Reihen willkommen zu heissen. Dabei bedient sich Garth Ennis ziemlich offensichtlich an den markantesten Figuren der Justice League of America und zieht deren besondere Eigenheiten gekonnt ins Lächerliche. So stand Superman Vorbild für Der Super-Heilige (so abscheulich gut, dass er ein extremer Langweiliger ist), Wonder Woman für Die Amazone (Der Prototyp aller Kampflesben), Batman und Robin für Der kühle Ritter (Prinzipienreiter in voller Rüstung – ohne Hose) und Der Warme Knappe (Superheldenazubi und des kühlen Ritters Boywonder), Green Lantern für Die grüne Limette (rappender Homeboy mit magischem Ring) und Flash für Der Flitzer (unwichtige Nebenrolle).

Dass die Superschlampe jetzt nicht wirklich gut in dieses Team passt, dürfte niemanden überraschen. Wie schlecht sie aber wirklich hinein passt ist teilweise überraschend, aber immer extrem unterhaltsam. Ihr dürft nicht vergessen, dass wir hier von Garth Ennis reden, der weder Scham noch Respekt zu kennen scheint, was seinen kreativen Output manchmal wirklich in Richtungen lenkt, bei denen normale Menschen bestenfalls mit dem Kopf schütteln.

Die Supertruppe jedenfalls möchte sie aus ihrem Elend retten, gibt ihr ein Kostüm (zusammengestückelt aus den Kostümen verschiedener anderer Superhelden) und nimmt ise in ihren Reihen auf. Allerdings sieht die Superschlampe ihr Leben nicht als Elend an und nutzt ihre Kräfte beispielsweise für superschnelle Blowjobs. Sie ist halt eher der pragmatische Typ. Alles eskaliert ein bisschen, als ein Schurkenteam namens “Die Grammatik-Gang des Grauens, darauf aus den ganzen Globus zu deklinieren” (die guten Namen sind inzwischen schon vergeben) das Spielfeld betritt. Klar, dass unsere Superheldentruppe diese Gegner bezwingt. Dass die Superschlampe aber ihre Gegnerin nach dem Sieg vollpinkelt, wird von ihren Kollegen allerdings nicht sonderlich gut aufgenommen.

(Ganz nebenbei liebe ich das links stehende Panel. Es zeigt einfach ganz genau, wer die Superschlampe ist, wie ihr Leben vor den Superhelden aussieht, was sie ausmacht und es erklärt einfach ganz wunderbar, warum sie handelt, wie sie handelt.)

Natürlich gibt es auch einen Showdown in diesem Comic. Terroristen besetzen ein Hochhaus und die Liga greift ein, um die Menschen vor großem Übel zu bewahren. Dass sie das ungefragt tun und die ganze Sache nur verkomplizieren, ist ganz offensichtlich einer der Kritikpunkte, die Ennis an den Superheldencomics im Allgemeinen äußert. Das Ganze endet natürlich in einem ganz wunderbaren Gorefest, gespickt mit einer guten Portion Chaos und einigen Toten. Nicht nur auf Seiten der Terroristen.

Und die Zeichnungen?

Ich würde fast sagen, dass Ennis mit seinen guten Freunden (die Idee zur Superschlampe wurde natürlich in einer Kneipe konkretisiert) Jimmy Palmiotti und Amanda Conner wirklich die optimalen Zeichner für diese Geschichte gefunden hat. Die Zeichnungen sind zwar teilweise so explizit und detailliert, als wäre das Grobe das Wichtige an dem Comic, allerdings zeigen sie nur auf ganz wunderbar ansehnliche Weise, dass das Superheldenleben eben doch nicht so einfach ist und man seine Vergangenheit, nur weil man auf einmal über außergewöhnliche Fähigkeiten verfügt, doch nicht so einfach abschütteln kann.

Fazit?

Ich liebe diesen Comic. Nicht nur, weil ich ein Ennis-Fanboy bin, sondern auch, weil er frisch ist, so ganz anders, als alle anderen Superheldencomics. Weil er alles, was wir über Superhelden wissen, was wir einfach so hinnehmen, hinterfragt und lächerlich macht, ein bisschen geschmacklos ist, dabei aber trotzdem einen ganz besonderen, schmutzigen, Stil pflegt. Sehr schön ist auch, dass er etwas für Leute sein könnte, die mit Superheldencomics nicht so viel anfangen können. Vielleicht ist er auch gerade etwas für Leute, die aus offensichtlichen Gründen nichts mit Superheldencomics anfangen können. Ich weiß es nicht. Jeder sollte diesen Comic gelesen haben und irgendwer sollte dafür sorgen, dass es eine Fortsetzung gibt.

Disclaimer: Wie immer bekam ich den Comic von Panini zugeschickt. Wahrscheinlich, weil sie mein Fanboydasein unterstützen, vielleicht aber auch, weil sie einfach wissen, was gut ist.