Comicreview: All-Star Superman

Published by Marco on

Originaltitel: All-Star Superman
Herausgeber:
Panini
Veröffentlicht: 15.02.2011
Künstler: Grant Morrison, Frank Quitely
Art: Softcover Gesamtausgabe
Seiten: 296
Sprache: deutsch
Preis: 24.95€
U-Bahnlesetauglichkeit: Teilweise gegeben. Die Leute könnten einen auslachen, da sie immernoch ein falsches Bild von Superman im Kopf haben.
Rating:
Fast floss eine Träne. Fast.

Hier gibt es, wie immer, die Leseprobe und bestellbar ist es bei Panini.

Superman, der Mann aus Stahl, stirbt. Das ist kein Spoiler, sondern der Kern dieser sehr umfassenden, fast epischen Geschichte, deren Anfang eine Expidition zur Sonne nahm. Ein Wissenschaftler wollte ihr Feuer, wohl aus wissenschaftlichen, als auch aus Gründen des Stolzes, stehlen, was Lex Luthor natürlich zu stören wusste. Sein Plan aber war es nicht die Mission zum Scheitern zu bringen, sondern Superman zu töten. Was wäre da besser geeignet, als die Quelle seiner Kraft gegen ihn zu verwenden und ihn einer Überdosis Sonnenlicht auszusetzen. Superman stirbt. Und dieses Buch erzählt die Geschichte seines Sterbens.

Tolle Einleitung, aber worum geht es genau?

Die Geschichte handelt weniger vom Zerfall des Manns aus Stahl, sondern viel mehr davon, wie er mit seinem eigenen Sterben umgeht. Dabei durchläuft er natürlich auch beispielhaft die verschiedensten Phasen der Trauer. Anfangs versucht er noch sein Schicksal zu ändern, will es nicht wahrhaben, dass es zu Ende geht, später übermannen ihn verschiedenste Emotionen und am Ende muss er sein Schicksal einfach akzeptieren. Der Leser des Bandes begleitet den ersten aller Superhelden auf dieser Reise – aber klar ist, dass Supes natürlich auch verschiedenste Aufgaben, es ist sogar die Rede von Prüfungen, bestehen muss, bevor er geht.

So sieht sich Superman zum Beispiel mit der Bizarrowelt konfrontiert, auf der er sogar strandet, kurz darauf sogar mit zwei Kryptoniern, welche die Welt zu ihrem Spielplatz machen wollen, Solaris, der unsere Sonne ersetzen will, und natürlich Lex Luthor, der zwar zum Tode verurteilt wird, aber im Hintergrund trotzdem alle Fäden zieht. Das snid aber nur ein paar der Abenteuer, die er überstehen muss. Doch es läuft leider alles auf das Unvermeidliche hinaus.

Das klingt alles ein bisschen banal. Kann man es lesen?

Man sollte es sogar lesen. Wie gesagt ist das eine Geschichte epischen Ausmaßes, die sich vordergründig zwar mit Supermans Abenteuern auseinandersetzt, hintergründig aber auch sehr stark mit dem Sterben. Das Interessante daran ist, dass Supes eigentlich als unbesiegbar gilt, eher galt, sein Erzfeind aber trotzdem einen Weg fand, ihn zu töten. Dabei hat es Morrison aber irgendwie geschafft, Luthor nicht als den eindimensionalen Schurken darzustellen, wie es oft der Fall ist. In einer Szene, in der Clark Kent Lex Luthor in seinem Gefängnis  interviewen soll, kann Luthor sehr gut, fast nachvollziehbar, darlegen, warum Superman dieser Welt eigentlich eher schadet.

Generell taucht das Motiv des Sterbens so häufig auf, dass ich fast versucht bin „memento mori“ auf den Band zu schreiben und ihn in die Romantik-Ecke meines Bücherregals, wenn ich meine Bücher denn nach Genre ordnen würde und noch andere Romantik-Bücher besäße, einzuordnen. Allerdings ist das wirklich weit weniger nervig, als es vielleicht gerade den Anschein hat. Einfach auch deswegen, weil das Thema auf so unterschiedliche Arten behandelt wird, ohne das Gesamtziel aus dem Blick zu verlieren, dass es wirklich stets und ständig spannend bleibt.

Zeichnungen?

Das ist ein bisschen kurios. Bei einer Geschichte, mit so einem schwierigen, aber gut dargestellten, Thema erwartet man eigentlich düstere Zeichnungen, die vor Trauer und Verzweiflung nur so triefen. Allerdings ist das überhaupt gar nicht der Fall. Die Bilder sind bunt, freundlich, teilweise recht schlicht, mitunter aber extrem detailliert und stehen alles in allem in einem starken Konrast zu der Serie. An den Stil muss man sich erstmal ein wenig gewöhnen, das geb ich zu, aber wenn man sich drauf einlässt, ist es eine interessante Erfahrung.

Jetzt mal ehrlich: Wie hoch ist der Heulfaktor?

Ja okay, ziemlich hoch. Man, also ich, sitzt nicht heulend vor diesem Comic, hat Probleme durch die verwässerten Augen der Geschichte zu folgen und verfällt mittendrin nicht in tiefe Depressionen, aber bedrückend ist es auf jeden Fall.

Aber es ist doch nur Superman. Superman ist total langweilig.

Sowas kann man nur sagen, wenn man Supes aus den aus heutiger Sicht eher schlechten Verfilmungen, dieser modernen, schelchten Serie oder generell als Figur der Popkultur kennt. Hinter Supes versteckt sich zwar einer der mächstigsten Superhelden, die jemals geschaffen wurden, aber er hat eben auch seine Schwächen und diese werden in diesem Band hier sehr gut dargestellt. Für mich funktioniert Superman vor allem auch immer sehr gut, wenn er leidet oder seinen Emotionen freien Lauf lässt. Das sind nämlich die Momente, in denen er die Kontrolle verliert und in denen es für den Leser spannend wird, da dort dann einfach rohe Kräfte frei wirken. In dem Comic gibt es beispielweise eine Szene, in der er unkontrolliert auf einen Schurken einprügelt. Das ist pures Supermangold. In diesem Zusammenhang sei aber auch noch der Kampf mit den anderen Kryptoniern erwähnt, die einfach noch stärker und fieser als er sind und Superman sich, ihnen gegenüber, in der Rolle des Clark Kent, als des absoluten Losers, wiederfindet. Genial.

Fazit (auch, wenn man es erraten kann)

Diese Serie gewann 2006 den Eisner Award für die beste neue Serie und 2007 und 2009 den Award für die beste laufende Serie. Ich habe gerade nicht im Kopf, was in diesen Jahren comicmäßig noch so geschah, aber ich würde fast behaupten, das sie diese Preise zu Recht gewann. Es ist vielleicht nicht unbedingt ein Must-Have, aber es ist eine gute Möglichkeit, um sich mit dem Mann aus Stahl, den man sonst vielleicht wirklich eher langweilig findet, anzufreunden oder gar zu versöhnen. Dadurch, dass es eine All-Star-Serie ist, braucht man auch kein Vorwissen und hat das Glück, dass es eine in sich abgeschlossene Serie ist, die keinerlei Einfluss auf das, ich sag mal, wirkliche Universum hat. Empfehlen würde ich es jedem, aber hier sei euch auch erstmal die Leseprobe ans Herz gelegt, um diese Empfehlung zu überprüfen.

Disclaimer: Ich las „Grant Morrison“ und musste es haben. Zum Glück stellen meine Frende von Panini da keine weiteren Fragen und schickten es mir direkt zu. Danke!

9 Comments

zwara · 16. März 2011 at 13:54

kann mich nur anschliessen. wirklich gelungen.

Olorin · 16. März 2011 at 20:45

Ich hab den Zeichentrickfilm dazu gesehen 🙂

Marco · 16. März 2011 at 22:38

@zwara: Du meinst die Review, ne? Ich hab mir ja auch Mühe gegeben 😀

@Olorin: Ich auch und der war wirklich ziemlich furchtbar. Der Grund ist, dass vieles aus dem Comic rausgelassen werden musst und das, was bliebt, auch noch gestaucht wurde. :/

thomas · 17. März 2011 at 14:25

Ich habs auch mal wegen Grant Morrison gekauft, trotz Superman.
Grandios finde ich die Bizarro-Superhelden, am besten davon den Flash.

Da Na · 17. März 2011 at 15:58

U-Bahnlesetauglichkeit 😀
Ich muß immer aufpassen, daß die kleinen Jungs nicht bei mir mitlesen, will ja keinen traumatisieren.

Marco · 18. März 2011 at 13:27

@thomas: Ja die waren echt saucool… oder Wonder Woman.. 😀

@Da Na: Das ist ein wichtiges Kriterium… aber es kommt ja auch immer drauf an, was man damit erreichen will, dass die Umistzenden womöglich ein paar Blicke erhaschen 😉

mandarine_one · 19. März 2011 at 1:03

Ich muss jetzt endlich mal den zweiten US-Band lesen… damn it… Aber der erste war schon klasse!

Ich hätte auch gern Freunde bei Panini…

Marco · 20. März 2011 at 22:27

@mandarine_one: Ja lies das bitte wirklich mal weiter, damit du auch sagen kannst, ich hab Recht 😀

Mein Block, mein Blog | Spreewild · 23. März 2011 at 11:20

[…] umfasst eigentlich alle Comicreviews, die ich bisher geschrieben habe. Ich glaube, es liegt daran, dass so wenige Leute die lesen, weil […]

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