Originaltitel: US-Bomb Queen Volume 1: Woman of Mass Destruction
Herausgeber:
Panini Comics
Veröffentlicht: 15.03.2011
Künstler: Jimmie Robinson
Art: Softcover Gesamtausgabe der ersten Serie
Seiten: 128
Sprache: deutsch
Preis: 14,95 €
U-Bahnlesetauglichkeit: Trotz der Beschreibung auf dem Einband absolut gegeben
Rating:
Drei Blindgänger und eine zu kurze Zündschnur

Bestellbar bei Panini und die Leseprobe bei mycomics.

Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, dass Comics, die sich selbst mit ihrem ungehörig großem Sex- und Gewaltanteil bewerben in genau diesen Teilen total versagen. Wenn dieser Comic dann aber empfiehlt, dass er von Lesern unter 16 Jahren besser nicht konsumiert werden sollte, darf man allerdings zumindest gespannt sein. Und gespannt war ich, als die “Bomb Queen” endlich in meinen Briefkasten flatterte. Ob sie aber auch hält, was sie verspricht, lege ich euch in folgender Review dar.

Gähn – Deine Einleitungen werden auch echt nicht besser

Dafür entschuldige ich mich natürlich, aber ich muss zu meiner Verteidigung auch sagen, dass der Comic daran Schuld trägt. Ich meine, wir haben hier einen der exzessive Gewalt verspricht, von dessen Cover eine halbnackte Frau glänzt, die zudem auch noch ziemlich gut gezeichnet ist, der sexy sein will, neu, frisch, nie dagewesen. Sogar die Story verspricht einiges, handelt er doch von der Stadt New Port City, die schon Jahre keine Superwesen mehr gesehen hat. Wen es dort noch gibt ist die Bomb Queen, die letzte Superschurkin, die diese Stadt fest im Griff hat. Allerdings nicht mit einem ausgeklügelten, despotischen System, sondern mehr als ein Star, mit der Stadt als Spielplatz. Sie nimmt sich was sie will, wann sie es will, kontrolliert die Polizei, die Politik, das Fernsehen – alles. Und die Idee gefällt mir eigentlich.
Auch die vielen Kleinigkeiten, die sich daraus ergeben, brachten mich mitunter zum Schmunzeln. Seien es die eigens für notorische Verbrecher eingerichteten Verbrechenszonen, in denen eben jenes nicht nur legal, sondern auch erwünscht ist oder der Running Gag, bei dem die Bombqueen bei jeder Unterredung mit dem amtierenden Bürgermeister seine Wand zerstört, um das Büro zu betreten.

Wieso erwähnst du so explizit, dass er der amtierende Bürgermeister ist?

Weil genau das die eigentliche Geschichte ist. Ein gewisser Mr. Woods, der bestimmt auch einen Vornamen hat, der mir aber gerade nicht einfallen möchte, will nämlich der neue Bürgermeister werden, um die Stadt von der Gewalt und natürlich der Bomb Queen zu befreien. Dabei schreckt er auch nicht vor fragwürdigen Mitteln zurück, die zum Beispiel auch das Anheuern eines Superhelden (inklusive des Bezahlens jenes mit Wahlkampfgeldern) mit einschliessen, zurück. Klar dürfte sein, dass das der Bomb Queen nicht gefällt und sie die Stadt lieber in dem Chaos behält, in dem es sich befindet.
Tatsächlich ist es nämlich auch gar kein Chaos, weil sich die Bewohner New Port City’s mit den Zuständen abgefunden haben und sogar ganz glücklich darüber sind, dass es keine Superhelden mehr gibt, die sie mit ihrem ständigen Gekämpfe in Gefahr brachten und dabei regelmäßig die Stadt zerstörten.
Die Geschichte entwickelt sich jedenfalls trotzdem soweit, dass die Bomb Queen in dieser Stadt nicht so gern gesehen ist und die Bürger sogar vor ihrem überhaupt nicht so geheimen Hideout demonstrieren. Ein paar Verschwörungen und holprige Wendungen später endet die Geschichte aber auch schon. Und was bleibt? Nicht viel.

Bevor du den Comic zerreist, erzähl doch bitte nochmal was über den Sex und die Gewalt!

Eigentlich fängt hier sogar schon das Zerreissen an. Die Bilder sind von der Optik her wesentlich schlechter, als der durchschnittliche Webcomic. Die Farben sind blass und langweilig, alles ist so sauber und aufgeräumt, die Zeichnungen selbst sind uninspiriert und irgendwie fade. Ich weiß nicht, aber ich finde es wirklich schwer hier irgendetwas zu finden, was ich gut finden könnte. Leider setzt sich genau das auch in Sachen Sex und Gewalt, also den Dingen, die den Comic laut eigener Aussage hervorstechen lassen sollen, fort. Von der Rückseite prangt es mit “Über 100 Seiten garantierter Gewaltdarstellung & sexueller Sorglosigkeit!” weswegen auch klar sein dürfte, warum mich der Comic sofort interessierte. Wir sehen auch einige Nippel (meist von der Bomb Queen selbst), ihr Kostüm ist unerhört kurz und eng (Stichwort Cameltoe), wir sehen auch ein paar zerfetzte Leichen und ziemlich viel Blut. Das alles ist aber irgendwie so ungelenk, zu gewollt und zu versagt. Es ist, als sähe ich die Absicht, aber Robinson wäre nicht in der Lage gewesen, diese auch umzusetzen. Eigentlich finde ich das ziemlich schade, weil die Idee hinter dem Comic eine ziemlich interessante ist. Aber auch das wurde ja nicht so richtig gut umgesetzt. Das Potential ist also auf jeden Fall da, es wurde nur einfach nicht ausgeschöpft, weil die Ideen, so empfand ich es zumindest, nie so richtig zu Ende gesponnen wurden, während man peinlich genau darauf achtete, die Bomb Queen immer noch einen coolen Spruch reissen zu lassen. Nichts gegen coole Sprüche – coole Sprüche sind cool – aber irgendwann auch einfach genug.

Aber das Cover, komm, so schlecht kann das doch nicht sein.

Doch. Das Cover ist tatsächlich das Beste am ganzen Comic. Schaut euch bitte mal die Leseprobe, die ein ziemlich gutes Gefühl für den Comic vermittelt, an, aber vom Kauf muss ich hier wirklich entschieden abraten. Der Einband und auch der Klappentext selbst vermittelt einem zwar das Gefühl, dass man hier eine echte Alternative zu Garth Ennis in den Händen hält, der ja eben so absurde Geschichten erzählt und auch mit dem Beleuchten des Superheldengenres von einer anderen Warte aus Erfahrungen hat. Hält man aber nicht.
Allerdings sind bis dato noch mehrere andere Serien der Bomb Queen veröffentlicht worden und vielleicht wird es ja noch besser – das kann ich aber nicht sagen. Was ich euch aber sagen kann, ist, dass mir das hier absolut keinen Spaß machte.

Disclaimer: Meine Freunde von Panini machten mir das ja ziemlich schmackhaft und es tut mir auch wirklich Leid, dass ich das ein bisschen zerreissen musste. Ich hoffe, wir sind trotzdem noch Freunde.