Originaltitel: Batman and Robin
Herausgeber: Panini Comics
Veröffentlicht: 15.03.2011
Künstler: Grant Morrison, Frank Quitely
Art: SC (beeinhaltet Batman & Robin 1-6 – gibt es aber auch als HC)
Seiten: 156
Sprache: deutsch
Preis: 16,95 € (HC: 29,- €)
U-Bahnlesetauglichkeit: Besser nicht in der Ubahn lesen, weil ihr einfach eure Stationen verpassen werdet, sofern es euch nicht von Mitfahrern geklaut wird.
Rating: Ein kompletter Satz Dominosteine, bestehend aus Steinen mit den meisten Punkten.

Bestellbar bei Panini und die Leseprobe bei mycomics.

Wie ihr ja alle wissen solltet, bin ich nicht gerade der größte Batman-Fan. Tatsächlich finde ich ihn sogar sehr fragwürdig, was ich aber nicht als Problem ansehe, sondern als Herausforderung, die mich dazu treibt, immer mal wieder etwas von dem dunklen Rächer zu lesen, um zu verstehen, was die Leute an ihm finden. Wirlich oft schon wurde ich dabei positiv überrascht, aber seit kürzlich ich zu “Batman & Robin” von Grant Morrison und Frank Quitely griff, bin ich dabei, meine eher ablehnende Grundhaltung auf das Schärfste zu hinterfragen. Verdammt.

Warum ist der Batman so dürr und wer ist überhaupt der kleine Mann da rechts?

Batman ist tot, das sollte allseits bekannt sein. Was auch wichtig zu wissen ist, ist, dass Bruce Wayne einen Sohn hat, der sich Damien nennt und zehn Jahre alt ist. Nebenbei bemerkt wurde Damien seit seiner Geburt von der Mördergilde, allen voran seiner Mutter Talia al Ghul, die Tochter Ra’s al Ghuls, zum Töten ausgebildet und ist genau der Psycho, den man da erwarten würde. Batman selbst ist aus eingangs erwähnten Todesgründen nicht mehr Bruce Wayne, sondern Dick Grayson, der sowohl der erste Robin, als auch Nightwing war. Man kann also sagen, dass die Rollen alle völlig neu besetzt sind und sich das dynamische Duo selbst erst finden muss, bevor es auf Verbrecherjagd gehen kann.

Also trainieren sie in dem Comic nur? Und reden? Oder wie?

Gar nicht! Schon in ihrer ersten Geschichte, dieser Sammelband beinhaltet zwei Abenteuer, treffen sie auf einen sehr merkwürdigen und extrem gefährlichen Schurken – Professor Pyg. Überaus wahnsinnig befehligt er unter anderem eine Truppe von puppengesichtigen Zombies, die er erschafft, indem er ihnen diese Masken aufsetzt. Außerdem auch eine Zirkustruppe, die ebenso abgedreht, wie völlig psychopathisch ist, und unter anderem versucht das GCPD einzunehmen.
Die zweite Geschichte schliesst sich direkt daran an, denn die Transformation des einen Puppenzombies funktionierte nicht wie gewohnt und brachte eine wahnsinnige und groteskte Gestalt zum Vorschein, die sich mit Red Hood zusammenschliesst und Scarlett nennt. Red Hood, der nämlich eigentlich Jason Todd, der gescheiterte Robin, ist nutzt nämlich die Chance von Batmans Abwesenheit, um auf seine Art in Gotham für Ordnung zu sorgen. Damit gemeint ist eigentlich nur das Töten von Schurken und nicht, wie Batman es stets tut, das einsperren und darauf warten, dass sie ausbrechen und wie gewohnt weitermachen.
Das sind zwar die beiden Hauptplots des Buchs, im Hintergrund aber geht es auch darum, dass Damien Wayne und Dick Grayson versuchen müssen das Team zu werden, als das man Batman und Robin kennt. Damien, der eben von der Mördergilde zum Töten ausgebildet wurde, zweifelt natürlich an Dicks Autorität, währenddessen er mit der Bürde klarkommen muss, nun Batman zu sein und diesem schweren Erbe gar nicht gewachsen ist. Das ist insofern interessant, als dass der treue Butler Alfred hier als die Beständigkeit funktioniert, die nicht nur Dick braucht, um in seine Rolle hineinzuwachsen, als auch der Leser selbst, um in der Geschichte richtig Fuss zufassen.
Und: Das neue Batmobil kann fliegen.

Erzähle er mir von den Zeichnungen!

Frank Quitely ist einfach einer der besten seines Berufsstandes. Bereits auf der ersten Seite hatte ich eines dieser Woah-Erlebnisse (dazu bitte die leseprobe konsultieren), in dem er eine Explosion nicht als diesen typischen Bamkapow-Schriftzug untermalte, sondern als Teil der Explosion selbst. Das fand ich wirklich unglaublich clever. Davon aber abgesehen schafft er es auch, dieses Erschlagene, Bedrückene und Düstere der Metropole Gotham City in Bilder zupacken, die einen stets aufs neue begeistern. Es gab ungelogen keinen Moment, in dem ich dachte, dass er das Niveau irgendwie hat absinken lassen. Weil die Bilder nämlich mitunter auch so detailliert sind, muss man den Comic mindestens zweimal lesen, um das alles irgendwie zu erfassen. Aber das macht nichts, denn man kann das alles auch gern drei oder vier mal lesen und hat immernoch seine Freude dran. Selbst dann noch, wenn man sich einfach nur die Bilder anschaut.

Okay, bitte erzähl mir etwas Negatives. Bitte.

Es ist schwierig, hier etwas zu finden, was mir nicht gefallen hat. Grant Morrison ist einer der größten Autoren der Comicszene und mit Frank Quitely schafft er einfach ganz Wunderbares (zuletzt schon All-Star Superman). Allerdings hat Morrison auch manchmal die Eigenart, dass man der Geschichte nicht so richtig folgen kann. Das kann zum Einen vielleicht daran liegen, dass die Sprünge innerhalb der Handlungsfäden manchmal ein bisschen zu schnell sind, also auch vielleicht daran, dass diese Handlungen nicht so richtig zu Ende geführt werden. So kommt es mir zumindest manchmal vor. Es ist so, als hätte vieles noch mehr Potential, das einfach nicht, aus welchen Gründen auch immer, vollends ausgeschöpft wird. Aber das macht gar nichts, weil trotzdem so viel passiert, es einen so sehr fesselt, dass ich für meinen Teil getrost darüber hinwegsehen kann, zumal Morrison neben der eben genannten Eigenart eben auch jene hat, die sich den Leser sprichwörtlich an die Geschichte fesseln lässt.

Lass mich raten: Kaufen?

Aber sowas von. Allerdings gebe ich euch den Tipp, das nicht sofort zu kaufen, sondern noch mindestens zu warten, bis der zweite Teil rauskommt, dass ihr, nicht so wie ich, ewig auf ihn warten müsst. Dann solltet ihr es zudem noch so langsam lesen, dass ihr gerade fertig werdet, wenn der dritte Teil erscheint. Aber ich weiß ja selbst, dass das nahezu unmöglich ist. Jedenfalls kann ich hier getrost einen Lesebefehl aussprechen, da es sogar mich als alten Batmanverweigerer absolut begeistert hat. Und das woll schon was heissen.

Disclaimer: Okay, okay, meine Freunde von Panini haben es geschafft, dass ich Batman gut finde. Auch, wenn es nicht Bruce Wayne ist. Aber bis dahin ist es auch nur noch ein kleiner Schritt.