Originaltitel: Orbital
Herausgeber: Splitter
Veröffentlicht: 11.2007
Künstler: Sylvain Runberg, Serge Pellé
Art: Hardcover
Seiten: 112
Sprache: deutsch
Preis: 22,80€
U-Bahnlesetauglichkeit: Zu groß, aber wenn es regnet, kann man sich prima drunter stellen.
Rating: 9 von 10 Sandjarenfingerknochen

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Orbital war nicht nur einer der Titel des Gratis-Comic-Tages, sondern davon auch einer, der mich am meisten beeindruckte, weswegen außer Frage stand, dass ich mir den ersten Band, der aus zwei Teilen besteht, irgendwie organisieren musste. Zwar gab es um GCT schon komplett den ersten Teil, aber da der mit einem fiesen Cliffhanger endete, war das natürlich nicht genug. Ob mich der Rest dann auch so überzeugte und ob Franzosen überhaupt noch andere Comics als Asterix können, dürft ihr in dieser Comicreview nachlesen.

Können sie?

Können sie! Sehr gut sogar und mitunter auch besser als Asterix. Das sage ich aber auch nur, weil ich damit nie wirklich viel, außer manchmal in Filmform, anfangen konnte. Diese Geschichte hier hat allerdings auch gar nichts mit Römern und Galliern zu tun, sondern mit der Menschheit im Allgemeinen und wie sie im intergalaktischen Gefüge so ankommt. Das übrigens besonders schlecht, weil die Erde in sich zwiegespalten ist und weil die Menschheit einen Krieg gegen eine friedfertige Rasse begann, die sie im Zuge dessen fast ausrottete. Der Zwiespalt der Erdbevölkerung rührt von einer Jahre zurückliegenden Abstimmung her, in der entscheiden wurde, ob sich die Menschheit der Konföderation anschiessen soll oder nicht. Natürlich gab es dort zwei Parteien, eine Pro, die andere Kontra. Es wurde dafür entschieden, aber mittlerweile ist die Kontra-Partei an der Macht, die natürlich versucht, dass die Menschen auch weiterhin unter sich bleiben.

 

Das riecht nach Problemen rassistischer Natur

Tatsächlich ist das auch ein Hauptmotiv dieses Comics.
Es gibt nun nämlich zum Beispiel die IDA, die interweltliche diplomatische Abteilung, der Kaleb Swany als erster Mensch überhaupt beitreten darf. Diese IDA ist eine Organisation, die Probleme, welche die Spezies untereinander natürlich zwangsläufig haben, auf diplomatischem Wege lösen soll, bevor es zu kriegerischen Auseinandersetzungen kommt. Jetzt treten Agenten der IDA aber immer als Binom, also zu zweit, auf und Kalebs Partner ist gerade Mezoke Izzua, ein Vertreter der Sandjaren, eben jenes Volkes, das die Menschen fast ausrotteten.
Probleme sind hier ganz klar vorprogrammiert, werden aber von den beiden Protagonisten schnell beiseite geschoben, verstehen sie doch selbst, dass sie einem höheren Ziel dienen. Allerdings sehen das andere Leute nicht so, gerade, wenn sie auf Kaleb treffen.

Hat der Comic auch eine eigentliche Geschichte?

Aber natürlich! Der erste Auftrag des Binoms ist es nämlich zu einem Planeten zu fliegen, auf dem sich menschliche Siedler unrechtmäßig niederließen. Unrechtmäßig in der Art, als dass dieser Planet eigentlich einem anderen Volk gehört, die sich lange nicht darum scherten. Interessant wurde für diese der Planet nämlich erst, als die menschlichen Siedler damit begannen ein seltenes Mineral abzubauen, um es zu raffinieren und zu verkaufen.
Unser Binom wird jetzt hinzugerufen, um diesen Streit, der tatsächlich zu einem Krieg mit galaktischem Ausmaß führen kann, möglichst friedlich beizulegen.

Boah, klingt das nach langweiligen Politikkram

Wenn ich es so lese, muss ich da zustimmen. Tatsächlich wird dieser Rahmen noch gesprickt mit Intrigen und Verrat, einem biomechanischem Schiff, einem Angriff echt fieser Spinnenaliens und einer generell so komplexen Welt, dass man in ihr sicher unzählige Geschichten erzählen könnte, die gefälligst auch erzählt werden sollen. Und von der Optik des Comics habe ich noch gar nichts erzählt. Da weiß er nämlich wirklich so richtig zu überzeugen. Die Figuren selbst, sogar die Menschen, sehen ein bisschen karikiert aus, was hier aber, zwischen den ganzen außergewöhnlichen Aliens, ziemlich gut funktioniert. Außerdem werden hier auch öfter die Panelbegrenzungen aufgebrochen oder direkt weggelassen, was erstaunlich gut funktioniert und gerade in actionreichen Szenen dem Lesefluss nur zuträglich ist.
Besonders gut, so als Detail, gefällt mir aber, wie teilweise mit den Sprechblasen umgegangen wird. Aber das müsst ihr dann selber sehen.

Eine Frage noch: was ist Orbital?

Orbital ist eine riesige Einrichtung im Weltall, die das Reisen in eben jenem wesentlich schneller macht.

Ach, wie in Mass Effect?

Ja, wie in Mass Effect.

Die Binome erinnern ja auch an Mass Effect, nur dass sie da Spectre hiessen und alleine sind.

Ja, irgendwie schon.

Ist das dann die selbe Geschichte?

Gar nicht! Die Gemeinsamkeiten sind auf jeden Fall da und auch nicth von der Hand zu weisen. Aber mehr als eine ähnliche Grundkonstruktion ist hier nicht vorhanden. Anders, als bei Mass Effect, ist Rassismus hier eigentlich das zentrale Thema, aus dem die Konflikte der Geschichte erst entstehen und später zu Verrat und Verlust führen. Man kann aber schon sagen, dass, wer Mass Effect mochte, hier auch sehr viel Freude dran haben wird. Wer Mass Effect allerdings nicht kennt, kann sich ganz unbefangen an diesen Comic setzen. Und ja, es gibt keine Leute, die Mass Effect nicht mochten.

Disclaimer: Danke an Splitter für das Rezensionsexemplar des Comics. Den zweiten Teil würde ich dann auch direkt nehmen. 😉