Herausgeber: Panini
Originaltitel: How to understand Israel in 60 days or less
Veröffentlicht: 21.06.2011
Künstler: Sarah Glidden
Art: Hardcover
Seiten: 212
Sprache: deutsch
Preis: 24,95€
U-Bahnlesetauglichkeit: Dank des sehr angenehmen Formats als Hardcover wunderbar lesbar
Rating:5 von sieben brennenden Kerzen auf der Menora

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In Israel wird das Leben durch einen stetigen Konflikt bestimmt, von dem eigentlich niemand so genau weiß, worum es dabei geht.
Tatsächlich fasst das ziemlich genau zusammen, was ich (und sicher auch einige andere) über Israel wissen, wenn man mal die ganzen Halbwahrheiten herauslässt, die man immer überall so aufschnappt. Was man nämlich über diesen Konflikt weiß, ist tatsächlich nicht viel und genau da setzt das Comicdebüt (mit einem Graphic-Novel-Sticker auf dem Einband) der jungen Sarah Glidden an. Diese fuhr nämlich im Rahmen des Birthright-Programms, das jungen Juden gestattet ihre Wurzeln zu ergründen, nach Israel. Natürlich hat sie sich vorher schon ausgiebig mit der Geschichte des Landes und vor allem diesem Konflikt auseinandergesetzt, um gegen jede Gehirnwäsche, wie sie selbst sagt, gefeit zu sein. Über das, was sie dort aber genau erlebte, berichtet sie in diesem autobiographischen Comic.

Ist hier “Gehirnwäsche” vielleicht gar kein so falsches Stichwort?

Ich dachte tatsächlich, dass dies hier auch in gewisser Weise Propaganda sein könnte, nur eben umgekehrt. Dadurch, dass die Figur der Sarah Glidden (ich glaube, man muss die echte Sarah ganz stark von der Comic-Sarah trennen) selbst schon davon ausgeht, in Israel mit Propaganda bombadiert zu werden, nimmt man da natürlich auch eine eher abwehrende Haltung gegenüber dem an, was ihr auf ihrer Reise erzählt wird. Es ist ganz klar, dass Sarah gegen Ende der Reise sehr an dem zweifelt, was sie so lernte und wusste und zwischenzeitlich auch sehr verwirrt ist. Und ich selbst finde das alles auch ungemein schwierig.

Als ich dieses Buch anfing zu lesen, ging ich wirklich davon aus, am Ende mehr über Israel, diesen schrecklichen Konflikt und vor allem auch über die Menschen und die Religion gelernt zu haben. Was ich aber tatsächlich lernte, war, dass das alles nur noch viel komplizierter ist, als ich es immer annahm und sich beide Seiten natürlich im Recht wähnen, während einfach nur Menschen leiden. Während Sarah Glidden in dem Buch versucht eine Lösung für den Komflikt zufinden, wartete ich als Leser darauf, wann diese Lösung denn nun endlich offenbart wird. Damit hätte ich das Buch dann einfach als Unsinn abtun und nie wieder darüber nachdenken können. Die Lösung kommt natürlich nie, viel mehr noch mehr Fragen.

Interessant ist das Buch aber auf jeden Fall an den Stellen, die das Land kulturell und historisch vorstellen und zeigen, dass dort eben auch noch Menschen und nicht nur Soldaten wohnen. Ein bisschen weh tut es manchmal, wie blauäugig Sarah da durch die Welt stapft und manchmal einfach das Falsche sagt, wo ich dann gern die Hände über dem Kopf zusammenschlagen möchte. Okay, es tut gut, dass das Buch durch kleine Scherze auf ihre Kosten aufgelockert wird, aber das Bedrückende des Buches bleibt dann doch irgendwie mächtiger. Dafür sorgt vor allem auch eine verwirrte Sarah, die manchmal nicht mehr weiß, was sie denken soll und einfach vor sich hinweint.

Und die Zeichnungen?

Die Zeichnungen sind in ihrer Einfachheit wirklich schön und zeigen ganz schlicht, dass das Land Israel wirklich sehr schön sein muss. Interessant finde ich diese Schlichtheit aber vor allem bei den Figuren, die zwar sehr einfach gezeichnet sind und quasi nur Knopfaugen besitzen, dadurch aber erstaunlich ausdrucksstark werden.
Dazu muss ich aber auch unbedingt noch erwähnen, dass die Tusche-Bilder auch hauptsächlich deswegen so gut wirken, weil sie auf relativ starken Karton gedruckt sind und man beim Umblättern schon auch ein bisschen das Gefühl hat, hier die Originalzeichnungen in Händen zuhalten.

Fazit:

Ich fand das Buch schwierig. Man kauft und liest es, weil man Israel verstehen und vielleicht etwas lernen möchte oder, was mein Beweggrund war, weil man von der Thematik schon so übersättigt ist, dass man da unbedingt eine junge, frische Sichtweise braucht, um da nicht total abzustumpfen. Wenn man das Buch aber ausgelesen hat und sich fragt, was man denn nun genau gelernt hat, ist es irgendwie tatsächlich nicht besonders viel. Man hat, wie die Protagonistin selbst, Angst auf Propaganda reinzufallen und das Land irgendwie zu romantisieren und am Ende ist man einfach noch verwirrterter, als zuvor. Ich kann wirklich nicht sagen, was ich von dem Buch halte, fand es in Auszuügen wirklich gut, bin im allgemeinen aber doch ziemlich durcheinander.

Disclaimer: Danke an Panini, die mir das noch zu einer Rezension zur Verfügung stellten.