DCnU-Comicreview: „Action Comics #1“

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Wieder einmal war Mittwoch und wiedereinmal bin ich zu dem Comicdealer meines Vertrauens gepilgert, um mir ein paar der interessantes Neuerscheinungen des DC-Reboots unter den Nagel zu reissen. Was ich fand, was ich las, wie ich es fand und ob ich es weiterlesen werde, könnt ihr in den nun folgenden drei Comicreviews nachlesen, die ich der Einfachheit halber mal alle in einen Artikel schreibe. Dafür aber ein bisschen kürzer als sonst.

Titel: Action Comics #1
Herausgeber: DC Comics
Künstler: Grant Morrison, Rags Moralis, Rick Bryant
Preis: $3,99

Einer der Vorzeigetitel des Reboots ist, oder sollte viel mehr sein, ja auch „Action Comics“, ist das doch auch irgendwie die Serie, mit der alles Anfing. Es ist also ganz klar, dass diese auch beim Reboot zu den Titeln gehört, die ich mir auf jeden Fall geben musste. Und daran sind bestimmt nicht zuletzt auch Grant Morrison und Rags Moralis Schuld.
Gerade ersterer gehört für mich zu den größten Geschichtenerzählern der Branche und er hat mich bisher auch noch nie so wirklich enttäuscht, waren seine Titel doch mindestens ganz okay, aber selten wirklich schlecht. Meistens sogar ganz schön gut, wenn ich da an „All Star Superman“ denke.

Sie betreten nun Spoilerland

Die Geschichte spielt weit vor allen anderen Serien, als Superhelden noch gänzlich unbekannt und hauptsächlich gefürchtet sind und ist tatsächlich auch ziemlich schnell zusammengefasst. Supes nämlich versucht mittels seiner Fähigkeiten für Ordnung in Metropolis zu sorgen und legt sich daher mit einem der scheinbar mächtigsten Männer der Stadt, Mr. Glenmorgan, an. er versucht diesen durch ein paar fragwürdige Mittel zu einem Geständnis zu bewegen, erregt dabei aber natürlich das Aufsehen der Polizei und nichtzuletzt auch des Militärs, das eng mit Lex Luthor zusammenarbeitet, der Supermans Anwesenheit als Gefahr für die Menschheit betrachtet und das auch mit ein paar Beispielen, in denen Tiere in fremde Ökosysteme gebracht wurden, die diese dann so ziemlich zerstörten.

Fragwürdig insofern, als dass er beispielsweise mit dem Mann in der Hand von einem Hochhaus springt, was diesen dadurch so sehr verängstigt, dass er ihm alles erzählt, was er wissen möchte. Aber auch einfach die Tatsache, dass Supes seine Lakaien durch Wände steckt und anderweitig misshandelt, finde ich ein bisschen merkwürdig und irgendwie unpassend. Generell hat Superman auch eine gewisse Arschloch-Attitüde, die für mich so gar nicht zu ihm passt und sich einfach total falsch anfühlt, zumal er bei den normalen, mittellosen Leuten als totaler Held dasteht.
Auf der anderen Seite ist Clark natürlich ein superfreundlicher, netter und zuvorkommender Typ, der in seinen Schlabberklamotten sehr hilflos und schlacksig wirkt. Das ist natürlich die bekannt gut funktionierende Tarnung, wirkt auf mich aber reichlich schizophren. Dafür ist er aber offenbar gut mit Jimmy Olsen befreundet, der mit Lois zusammen beim Daily Planet arbeitet, Clark hingegen bei einer anderen Zeitung. Hier muss ich zugeben, dass das relativ clever ist, weil man die Romanze zwischen den beiden dadurch noch ein wenig strecken kann.
Übrigens gibt es auch eine klassische Superman-muss-außer-Kontrolle-geratenen-Zug-aufhalten-Stelle, dessen Ende in einen Cliffhanger mündet, der mich wirklich erschreckend kalt lässt. Dieses hatte Lex luthor nämlich von langer hand geplant, um unseren Superhelden gefangennehmen zu können. Aber ich möchte auch gar nicht weiter darüber reden und komme lieber direkt zum…

Fazit: Ich bin da wirklich ein bisschen enttäuscht. Die Geschichte ist irgendwie ziemlich flach und belanglos, dafür aber von Action nur so gespickt. Okay, der Titel heisst „Action Comics“, aber gerade von Grant Morrison habe ich da irgendwie mehr erwartet. Superman ist mir als Held grundlegend unsympathisch und ich versuchte tunlichst, mich nicht über sein Kostüm auszulassen. Flicken auf den Knien? Wirklich? Dieses Ambivalente der Figur (von den Obrigkeiten gejagt, vom Volk geliebt) ist zwar eine nette Idee, funktioniert für mich aber einfach nicht so, wie ich es mir gewünscht hätte. Die Zeichnungen sind okay, hätten aber sicher auch das ein oder andere Detail mehr verdient. Ich gebe der Serie mit der #2 bestimmt nochmal eine Chance, aber so, wie sich das hier alles las, hat es mir wirklich nicht sonderlich gut gefallen.

(Es folgen übrigens morgen noch ungefähr fünf Reviews. Seid mal gespannt!)


8 Comments

Jean · 8. September 2011 at 3:35

Hey, wir sind ja mal (fast) einer Meinung 😉 Mich haben tatsächlich die gleichen Punkte gestört, obwohl ich sagen muss, dass Mr. Morrison mehr mit seinen 20 Seiten anfangen kann, als manch anderer von DC.

Mike · 8. September 2011 at 14:44

Eine wirklich klasse Rezi, mit sehr interessanten Denkanstößen!

Mir (als „Uralt-“ Superman- Fan) hat ACTION # 1 sehr gut gefallen.

Morrison hat es (fast) perfekt geschafft, Eigenschaften und Verhaltensweisen des „frühen“ / originalen Superman (aus dem GOLDEN AGE, also Ende der 30er /Ang. der 40er Jahre) zu kombinieren mit modernen Elementen (vozugsweise aus der SMALLVILLE TV-Serie).

Schöne Beispiele sind die Sachen mit dem Sprung vom Hochhaus, der Erwähnung des Wife-Beaters usw. – das stammt alles aus den ersten ein Dutzend Supie- Stories von 1938/39; laut lachen mußte ich bei dem Dialog „Somebody… Save Me!“ – Das ist die Titelzeile aus dem SMALLVILLE Vorspann -dort geträllert von „Remy Zero“!

Das Superman’s Verhalten in ACTION # 1 befremdlich / arschlöchrig auf Leser erscheint, die nur die „weichgespülte“ / „Pfadfinder“- Fassung des Characters kennen (quasi fast jede -!- Interpretation der Figur seit Anfang der 50er Jahre -!-) wundert mich überhaupt nicht.

Wer sich ein wenig mit den Ursprüngen Supies beschäftigt, wird schnell merken, das Grant Morrison seine Hausaufgaben extrem gut gemacht hat.

(und als Fan bedauere ich nur, das lt. Morrison, diese „6 Jahre zuvor-Rückblenden-Story“ bereits
nach 6 o. 7 Heften vorbei ist. Ich würde viel lieber ein ACTION COMICS lesen, in dem dauerhaft Clark / Supie noch ein „Rookie“ ist; im „Superman“ Titel kann DC ja den „gegenwärtigen“ Man Of Steel zeigen.)

Nach dem Schul-Noten-System würde ich dem ersten Heft eine „2+“ geben!

Marco · 9. September 2011 at 0:35

@Jean: Das stimmt wirklich und ich finde es auch echt ein bisschen schade, dass man ihn so kaum gemerkt hat irgendwie…

@Mike: Dankeschön! 🙂
Aber na ja, nach dir recyclet er ja dann auch wieder nur alte Sachen, was dann ja auch irgendwie schade ist. Für die langjährigen Hardcorefans (wie dich, hihi :D) ist das sicher eine supertolle Sache und bei anderen Helden würde es mir da ganz sicher ganz genauso gehen, aber für Leute wie mich, die Superman eher als den strahlensten aller Helden sehen, als die Person, die quasi als Vorlage für das Gute steht, ist das dann schon wieder ein bisschen schwieriger.
Und na ja, Smallville hab ich ja nie geschaut. Vielleicht sollte ich das echt mal tun *g*

Mike · 9. September 2011 at 11:45

…zu den Dingen die mir so an SMALLVILLE gefallen, gehört auch, das der (junge) Clark in seiner Entwicklung zum Superman (wie ihn die meißten Fans kennen) auch durchaus als „arschlöchrig / mit dem Kopf durch die Wand“ dargestellt wird. Schlußendlich merkt Clark dort aber (früher oder später) auch, das er „so“ einfach falsch liegt.

Man sieht eine ENTWICKLUNG zum größten Super-Helden.

…und die Story (Rückblende) in ACTION dauert ja wohl „nur“ ca. 6 – 7 Ausgaben an (leider).

danach gibt’s (wieder) den „regulären“ älteren Supie in ACTION (im „Superman“ Titel von Perez ja sowieso).

Ich fänd’s großartig, wenn DC einen Supie-Titel im Programm hätte, der ähnlich wie die SMALLVILLE TV-Serie, Supie’s Entwicklung vom Jugendlichen „Trotzkopf“ zum erwachsenen Helden zeigt.

Marco · 9. September 2011 at 17:44

@Mike: Na ja wie gesagt, wenn man sich da von der Serie inspirieren lässt, ist das ja ziemlich gut, oberflächlich aber ein bisschen hinderlich. Und wenn ich die Serie gesehen haben muss, damit ich den Comic dann gut finde, ist das vielleicht auch nicht so gut. Aber wie gesagt, ich tu mir die #2 bestimmt nochmal an und guck dann mal, wie sich das so entwickelt hat. Bis dahin hab ich bestimmt auch mal bei Smallville reingeschaut *g*

Mike · 9. September 2011 at 22:11

hmmm, da hab‘ ich mich wohl ungeschickt ausgedrückt.

Ich wollte nicht sagen, das man SMALLVILLE gesehen haben „muss“; mir als „Alt-„Fan des Man Of Steel bereitet es nur unglaublichen Spaß, wenn Autoren wie Morrison (in ACTION COMICS) oder z.B. 2003 Mark Waid (in Superman: Birthright) Bezüge bzw. Andeutungen / eine Hommage an die Show in die Comics einbauen.

…zumal es in der TV-Serie (leider) auch reichlich überflüssige Episoden gibt (speziell in den ersten drei Seasons); wenn sich die Stories ab Season 4 immer häufiger nach Metropolis verlagern wird’s „sehenswerter“; und ab Season 5 gibt’s reichlich Gast-Auftritte anderer DC Heroes (Aquaman, Green Arrow, Dr. Fate, Starman – & Girl, Hawkman, JLA, JSA usw.)

…auf jeden Fall find‘ ichs super-interessant zu lesen, wie die vers. „neuen“ DC Serien von Lesern aufgefaßt werden, für die einiges / vieles am DCU noch Neuland ist.

Marco · 10. September 2011 at 20:13

@Mike: Na es ist ja schon eine coole Idee, wenn man Fans der Serie solche kleinen Dinge gibt, über die sie sich dann freuen können, aber Außenstehen können eben mit solchen Insidern meist nix anfangen… das ist dann doch ein bisschen schade eigentlich.
Aber die Serie guck ich ja schon. Irgendwann mal. Das sind ja doch auch ein paar Staffeln, das braucht echt Zeit *g*

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