Herausgeber: Cross Cult
Veröffentlicht: 10.10.2010
Künstler: Benjamin Schreuder, Felix Mertikat
Art: Hardcover-Album
Seiten: 64
Sprache: deutsch
Preis: 16,80 €
U-Bahnlesetauglichkeit: Ein bisschen groß und unhandlich und es gibt zu viel zu schauen, für eine wacklige U-Bahn
Rating: Herr Hirschmann tanzt den Macarena!

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Die Stilrichtung des Steampunks geht davon aus, dass Mikroeletronik nie erfunden wurde, jede Gerätschaft und jede Maschine mittels Dampfkraft angetrieben wird und sich der Stil, in Sachen Kleidung und Design, eher an dem viktorianischen Zeitalter orientiert. Das ist bekannt und hat bisher schon einige schöne Werke hervorgebracht. Ein ganz neues dieser schönen Werke ist “Steam Noir – Das Kupferherz”, der erste Teil einer Serie, die zwar viele Steampunk-Elemente beinhaltet, doch aber irgendwie auch ganz anders ist. Worum es darin geht, ob ein fantastischer Steampunk-Roman in Comicform Sinn macht und wie ich das alles fand, könnt ihr in folgender Review nachlesen.

Bitte eine kurze Antwort – funktioniert es?

Jawohl, sehr gut.

Und etwas länger? Worum geht es überhaupt?

Die Geschichte handelt gleichermaßen von der Welt, in der sie spielt, als auch von einigen Charakteren, die darin leben. Die Welt ist nämlich weniger ein Planet im eigentlichen Sinn, als mehr eine Anhäufung von im Äther schwebenden Inseln namens Landsberg, die alle unterschiedliche Regierungssysteme und Ziele haben, aber mittels eines Stahlgerüstes miteinander verbunden sind. Hinzu kommt eine andere, wesentlich mysteriösere Insel namens Vineta, auf der, zumindest glaubt man das, die Toten hausen sollen. Mindestens geht von dieser Insel eine reale Gefahr aus, schaffen es doch immer wieder einige Seelen nach Landsberg, um dort mit ihrer Verzerrungsenergie, einem Phänomen, das die Realität biegt und beugt, is sie bricht, Chaos zu stiften. Nicht bewusst oder gar absichtlich, aber gefährdend.
Dem stellen sich sogenannte Bizarromanten entgegen, die das nötige Wissen besitzen, um diese Seelen zu fangen. Allerdings werden aktuell mehr Strahlenwaffen eingesetzt, die diese Seelen vernichten, statt sie zu fangen, ohne dass man sich über die genauen Konsequenzen bewusst ist.

Die Geschichte begleitet Heinrich Lerchenwald, Lebemann und Bizarromant, mit seinem Team, bestehend aus Richard Hirschmann, Blechmann mit AI, und Frau D., taffe Tartortermittlerin, die alle für den Leonardsbund arbeiten, der es sich zur Aufgabe machte, das Seelenproblem zu lösen. Diese drei Figuren stoßen bei einem Routineeinsatz auf ein außergewöhnliches Problem. Offenbar wurde aus der in einen Kamin eingemauerten Leiche eines Mädchens ein Kupferherz gestohlen, hinter dem nun nicht nur die Obrigkeiten her sind, sondern auch noch schwierige Fragen aufwirft. Die Spur führt zu einem recht exzentrischen Arzt.

Und? Meinung? Funktioniert das in einem Steampunkuniversum?

Man muss einfach sagen, dass Steampunk die einzig mögliche Alternative war, um Technik und Übernatürliches auf eine interessante Weise zu verbinden. Was hier aber geschaffen wurde, ist tatsächlich Literatur auf ganz hohen Niveau. Ein bisschen schwierig ist lediglich, dass einen die Geschichte direkt in diese Welt wirft und nur wenig erklärt. Dafür hat man aber das Gefühl, diese völlig absurde und fremde Welt auf eigene Faust zu entdecken, man achtet auf jedes Detail, freut sich über die nächste Absurdität, stellt Fragen und hofft, dass diese auch schnell beantwortet wären. Ich stellte mir beispielsweise die Frage, warum es als nicht außergewöhnlich angesehen wird, dass Menschen auf durch den Äther schwimmenden Inseln leben und außerhalb davon sogar überleben können, man aber Wesen vernichtet, welche die Realität ändern können. Irgendwie so. Es verwirrt mich, aber es macht Spaß verwirrt zu sein.
Ganz toll sind auch die Hauptcharaktere, die doch so angenehm unterschiedlich sind, aber sehr gut zusammen funktionieren, ihre erstaunliche Welt aber auch nicht zu sehr in den Hintergrund rücken.
Außerdem ist die Verarbeitung des Buches von höchster Qualität und die Erklärungen der Welt mit ihren Zusammenhängen am Ende genau das Extra, was es braucht. Was ein bisschen stört ist vielleicht, dass die Geschichte sich gefühlt ein bisschen langsam entwickelt, was aber auch einfach daran liegen könnte, dass das Buch einfach viel zu schnell ausgelesen ist. Trotzdem, Zeichnungen, Geschichte, Lesegefühl, alles ist toll und faszinierend und natürlich aus Begeisterung viel zu wenig.

Fazit: Was soll ich sagen? Ich hätte wirklich gerne etwas zu bemängeln gefunden, bin von dem ersten Bands des Epos aber einfach viel zu begeistert. Ich kann euch davon lediglich abraten, wenn ihr mit Steampunk noch gar nichts zu tun hattet, weil es danach sicher unglaublich schwer werden könnte, etwas auf vergleichbarem Niveau zu finden. Alle anderen: Lest das!

Disclaimer: Vielen Dank an Cross Cult für das zur Verfügungstellen des Rezensionsexemplars.