Herausgeber: Panini
Veröffentlicht: 24.01.2012
Künstler: Charlie Huston, Juan Jose Ryp
Art: Softcover mit Faltcover (beinhaltet “Wolverine – The Best There Is 1-6”)
Seiten: 148
Sprache: deutsch
Preis: 16,95 €
U-Bahnlesetauglichkeit: Überhaupt nicht! Zu viel nackter Wolverine, zu viel Blut!
Rating: Von sechs Adamantiumklauen sind leider fünf rostig.

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Wolverine ist ja bekannterweise “the best there is at what he does, but what he does best isn’t very nice”. Außerdem bekannt dürfte sein, dass sich die Marvel-Max-Serien immer an einer eher erwachseneres Publikum richten, da dort der Gewalt und mitunter auch dem Sex in einer Weise gefrönt wird, die für Kids alles andere als geeignet ist. Schmeisst man beides in einen Topf, gibt noch eine Story hinzu, die quasi auf Gewalt aufbaut, und rührt alles gründlich durch, könnte man wohl einen ziemlich blutigen Comic erwarten. Was ich aber schlußendlich davon hielt, ob Gewalt ein Träger für eine gute Geschichte sein kann und ob Wolverine gar in solch einer Geschichte am besten funktioniert, könnt ihr in folgender Review nachlesen.

Wie wurde denn die Gewaltorgie getarnt?

Natürlich kann man keine Geschichte der Gewalt mit Wolverine als Protagonisten nicht so erzählen, dass er 148 Seiten lang mittels seiner Klauen, stilvoll und kreativ, Leute zerstückelt und verstümmelt. Also man kann es gewiss schon, aber dabei käme kein wirklich nachhaltiger Comic heraus. Wolverine nämlich ist ja, durch seinen Heilfaktor, nahezu unsterblich, was ihn nicht nur zu einem der waghalsigsten Mutanten im Marveluniversum macht, sondern offenbar auch zu einem interessanten Studienobjekt. So wird er von dem Schurken mit Hilfe einer bewusstseinsverändernden Substanz gefügig gemacht, um an seinen Experimenten teilzunehmen. Allerdings ist Logan ja nun auch nicht der einzige mit Heilfaktor und so gehören zur Riege dieses Schurken andere nahezu unsterbliche Wesen, eines psychisch kaputter, als das andere. Ich wähle hier bewusst das Wort “Wesen”, da diese zwar menschlich aussehen, ihre Menschlichkeit aber teilweise schon lange verloren haben.
Jedenfalls steckt Logan nun mitten in den Experimenten um seine Quasiunsterblichkeit, die er für einen Jungen auf sich nimmt, den er dadurch retten will. Allerdings ist das alles natürlich ganz anders, als es scheint.

Aber wie ist es denn nun wirklich?

Das ist eigentlich gar nicht so wichtig, da sich die Befürchtung bestätigt, dass der Comic wirklich nur durch seine Gewaltakte getragen wird. Praktischerweise hat der Schurke, mir fällt sein Name gar nicht mehr ein, nämlich die Fähigkeit Viren und Krankheiten in seinem Körper zu produzieren, was dem Autor Charlie Huston eine Menge Freiheiten gibt, Wolverine auf möglichst brutale Art und Weisen zu töten. Trotzdem leidet darunter eben auch die Story, die, wenn man die Gewaltexzesse abzieht, eigentlich sehr flach daher kommt. Wolverine wird eben gefoltert, der Twist gegen Ende ist ziemlich banal und die anderen Charaktere wirken, bis auf eine Ausnahme, recht eindimensional.

Und die Optik? Macht die Spaß?

Grafisch ist es immerhin ganz nett. Wenn man einen Faible für Blut und Verstümmelungen hat (das ist nichts, wofür man sich schämen oder unwohl fühlen sollte), kann man hier recht viel Spaß haben. Allerdings hat es Juan José Ryp leider nicht so richtig gut drauf Gesichter und Emotionen auf Gesichtern darzustellen. Das ist leider ein sehr schwerwiegendes Manko. Trotzdem hat er es geschafft, den leidenden Wolverine recht gut darzustellen und die Details machen teilweise auch recht viel Spaß. Wenn man eben nicht auf die Gesichter achtet.

Fazit: Ich mag es kaum zugeben, aber der Comic ist wirklich nicht der beste. Tatsächlich ist er sogar ziemlich schlecht. Selbst, wenn man ihn unter dem Aspekt des Trashs betrachten würde, hätte man daran nicht so viel Spaß, weil der Comic sich in all seiner Überzogenheit viel zu ernst nimmt. Das fängt schon bei Wolverine an, der nicht so wirkt, wie der Wolverine, den man eigentlich kennt – und als tanzenden Friseur, wenn auch unter Drogeneinfluss, wollte ich ihn nie sehen.

Witzig ist hingegen, dass man Wolverine zwar sieht, wie er seien eigene Lunge auskostzt und andere verstümmelt, Schimpfwörter aber verfremdet werden.

Disclaimer: Trotzdem vielen Dank an Panini für das Rezensionsexemplar.