Originaltitel: Supergod
Herausgeber: Panini
Veröffentlicht: 15.05.2012
Künstler: Warren Ellis, Garrie Gastonny
Art: Softcover (enthält Supergod #1-5)
Seiten: 140
Sprache: deutsch
Preis: 16,95 €
U-Bahnlesetauglichkeit: Wenn ihr verkraften könnt, ein paar Stationen zu weit zu fahren, ist das eine gute U-bahnlektüre (so passiert: mir)
Rating: Das Dreikopfpilzwesen singt Lobeshymnen im Chor mit sich selbst.

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Ihr kennt sie, diese alternativen Superheldengeschichten, in denen sie Ausrasten und die Welt bedrohen, wie sie gegeneinander kämpfen und alle verwüsten. Aber was, wenn wir diese Helden als das betrachten, was sie wirklich sein könnten? Was, wenn sie nicht einfach nur Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten, sondern wirklich uns überlegende Wesen sind? Gottgleiche Wesen? Wie würde ihre Moral aussehen, hätten sie überhaupt eine? Was könnten wir tun, wenn wir für sie nichts weiter sind, als unbedeutende, kleine Stimmen, die sie einfach ausblenden können? Diese Frage versucht Warren Ellis zu beantworten und wie er das macht, könnt ihr in folgender Review nachlesen.

Supergötter? Total schnaffte Götter, die total super sind, freundlich und nett?

Nein, nicht einmal ansatzweise. Die Geschichte spielt prinzipiell vor dem Hintergrund, dass der kalte Krieg ein bisschen anders verlaufen ist, als wir ihn mitbekamen. Er endete nicht mit einer Welt voller Atombomben, um andere Länder einzuschüchtern, sondern damit, dass viele der Nationen übermächtige Wesen erschufen, die unter ihrem Banner nicht nur kämpfen, sondern einfach wirken, sollten. So erschuf beispielsweise Indien einen Gott nach Vorbild seiner Mythologie, das Indien retten sollte, was dazu führte, dass es einen Großteil der Bevölkerung tötete, um die Überbevölkerung zu bekämpfen. Das ist in seinem Verstand logisch, jedoch machte dieser Massenmord die anderen Nationen nervös, weswegen sie ihre Projekte weiter vorantrieben.
Die USofA beispielsweise erschuf ein Wesen auf grundlage eines toten Piloten, der sich selbst als seelenlos wahrnimmt und zwar für sein Land kämpft, wie es ein guter Amerikaner eben tut, trotzdem aber nach seinem Seelenheil strebt. Das Russische Projekt ist ein bisschen archaischer und das sind alles noch gar nicht die abgefahrendsten Wesen, von dem die Geschichte berichtet. Dabei begann alles mit einem Wesen, das aus drei Astronauten entstand.

Ist das nicht alles ein bisschen zu abgefahren?

Tatsächlich wird es gegen Ende alles ungeheuer absurd, obwohl der Weg dahin sehr subtil und in sich erschreckend logisch ist. Das erste Wesen entstand, wie gesagt, aus drei Astronauten, die miteinander im Weltraum aufgrund eines Pilzes verschmolzen und in deren Gegenwart Menschen begannen, ihn anzubeten und gewaltsam zu masturbieren. Aa, das ist absurd, pseudowissenschaftlich aber extrem logisch und clever.
Natürlich führt das dahin, dass die Wesen gegeneinander antreten, weil das ihr Sinn ist. Sie wollen, müssen, ihre Nation schützen, wobei die anderen Götter natürlich eine direkte Gefahr darstellen. Allein schon, weil mehrere Länder direkt mit einem Augenzwinkern mancher Wesen vernichtet werden.

Und optisch? Wie wird das überhaupt erzählt?

Und hier wird es nochmal richtig clever. Wir erleben die Geschichte nicht so, wie sie passiert, sondern nur aus zweiter Hand. Ein überlebender Wissenschaftler, der das erste Pilzwesen untersuchte und erforschte, berichtet einem unbekannten via Telefon von den Entwicklungen, die zum Ende der Welt führten und wer welche Rolle darin spielte und viel mehr auch, warum er eigentlich einen Großteil der Schuld trägt. Dabei nimmt er allerlei Drogen, die er eben so findet, um sich zu betäuben und dem Ende den Schrecken zu nehmen. Clever ist, dass er dabei manchmal bei seinen Ausführungen durcheinander gerät und die Geschichte stellenweise nicht richtig konsistent ist. Aber das macht gar nichts, ist sie doch trotzdem erschreckend, gruselig, beeindruckend und einfach abgefuckt. Wirklich. Sie ist so abgefuckt, dass man sich stellenweise einfach nur an den Kopf packt. Sei es das Wesen, das cthulhuresque Gebilde aus lebenden Menschen baut oder jenes, das alle Zeitlinien gleichzeitig sieht und diese eintreten lässt, die am wenigsten langweilig sind.
Optisch ist das dabei genauso beeindruckend, wie man es sich vermutlich gerade vorstellt. Und manchmal auch eklig, auch mal traurig, oft aber erschreckend. Immer toll.

Fazit: Ich weiß gar nicht, warum mir der Comic vorher noch gar nicht bekannt war. Man sollte ihn auf jeden Fall lesen, dabei aber weniger unter dem Gesichtspunkt, dass es eine alternative Superheldenorigin ist, als mehr eine Kritik an der Politik und der unmoralischen Wissenschaft. Vielleicht ist es auch die Geschichte des Menschen, der immer nach Übernatürlichem Sucht und es im Zweifelsfall einfach selbst erschafft. Auf jeden Fall aber ist es ein Must-Read.

Disclaimer: Vielen Dank an Panini für das Rezensionsexemplar und ein paar interessante Albträume.