Herausgeber: Panini
Veröffentlicht: 20.11.2012
Künstler: Fred van Lente, Tom Fowler
Art: Softcover (enthält komplett “Hulk: Season One”)
Seiten: 116
Sprache: deutsch
Preis: 14,95 €
U-Bahnlesetauglichkeit: Hulk in der Ubahn wäre großartig. Als Comic geht das aber auch gut.
Rating: MARCO SMASH!

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Ganz ehrlich: Mit Hulk hatte ich immer meine Probleme. Ich las ältere Comics und fand sie mitunter sehr okay, dann las ich modernere und verstand mitunter weder, worum es geht, noch, was das eigentliche Problem ist. Team-Ups mit Hulk (quasi auch neulich bei Deadpool) fand ich aber immer unterhaltsam und ich wusste, dass ich die Figur eigentlich sehr mag. Nur wo soll man anfangen, mag man die älteren Geschichten doch meistens lieber, wenn man sie früher schon einmal gelesen hat, wenn nicht sogar bei der Veröffentlichung dabei war. Aber heute? Ist so ein grünes Gammastrahlenmonster, geboren aus der Angst des kalten Krieges, heute noch modern? Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht, weswegen ihm in seiner “Season One” (Siehe hier kürzlich die X-Men) eine neue Origin spendiert wurde. Ob sie aufgeht, ob mich Hulk endlich packen kann, ob das alles Sinn macht und wie sich das eigentlich alles so liest, erfahrt ihr in folgender Review.

Was will man dem Hulk denn schon für eine neue Origin geben? Ist das nötig?

Hulk kennt ihr ja, oder? Das ist dieser, der größer, grüner und kräftiger wird, je wütender er ist. Das ist im Prinzip schon ein gutes Konzept, allerdings ist das Problem, dass er damals in den 60ern aus der Angst des Kalten Krieges und dem drohenden atomaren Krieg heraus geboren wurde. Vielleicht ist das nicht mehr zeitgemäß und vielleicht sollte man das mal aktualisieren, damit der Hulk auch heute noch ein relevanter, eigenständiger Charakter ist. So oder so ähnlich steht es zumindest auf dem Cover des Buches und mag vielleicht die ein oder andere Augenbraue erheben. Zu Recht auch.

Und worum geht es nun?

Tatsächlich macht das aber, wenn man den Comic gelesen hat, total Sinn. Die Grundidee, dass Bruce Banner aufgrund einer Gammastrahlenexpolsion zum Hulk mutiert, wurde beibehalten, allerdings auch noch ein wenig modernisiert. So war der Grund dieser Explosion eine Bombe, die lediglich die Lebewesen, aber nicht die Infrastruktur vernichten soll. Dieses Experiment findet auf einer abgelegenen Militärbasis statt, in die ein jugendlicher Rowdie einbricht, Banner will ihn retten, schafft es auch, wird aber von den Gammastrahlen verseucht. Ungefähr zeitgleich bemerken die Wachen des Stützpunkts ein großes, grünes Wesen, das nachts für Randale sorgt. Allerdings stellt sich schnell heraus, dass einer der Affen, die bei dem Experiment genutzt wurden, zu diesem mutierte.

Was allerdings niemand außer Bruce Banner weiß, ist, dass auch er davon betroffen ist und sich nachts verwandelt. Er sperrt sich selbst ein, setzt sich unter Drogen und versucht seinen zustand zu handeln, ohne zu wissen, dass der Hulk in ihm ganz eigene Ziele verfolgt und Motivationen besitzt. Er ist nicht nur eine wilde Zerstörungsmaschine, er ist ein eigener Charakter, geboren aus den Komplexen Banners und entbunden durch die verheerende Explosion.

Allerdings geht es gewiss nicht nur um Bruce/Hulk, sondern auch um eine geheime Gesellschaft, die das Wissen der Menschheiten mehren möchte. Sie forschen im geheimen mit moralisch fragwürdigen Experimenten und finanzieren das durch eine eigens gezüchtete Menschenart, die an sich autark funktioniert, dafür aber Drogen produziert, welche diese Gruppe verkauft, um die Experimente zu finanzieren. Hulk erfährt davon, als eine der Einheiten flüchtet und ihm um Hilfe bittet. Durch seinen Background will der Hulk natürlich helfen, smasht in deren Basis herum, kann aber auch dem Angebot nicht wiederstehen, dass ihm diese Gruppe macht. Sie will ihm nämlich helfen immer der Hulk und nie wieder Bruce zu sein.

Und genau hier wird der Comic unglaublich stark. Hulk und Bruce treffen, vermutlich in einem Fiebertraum, aufeinander. Beide konfrontieren sich mit Vorwürfen und obwohl Hulk der körperlich starke, impulsive Typ und Bruce der analytische, bedachte Charakter ist, müssen beide lernen, dass sie eine Person sind. Das hat so herrlich viel Symbolkraft, die ich von diesem Comic nie erwartet hätte. Großartig.

Ein richtiges Monster gibt es natürlich auch, wobei da auch eine gewisse Dreiecksbeziehung zwischen Bruce, seiner aktuellen Liebelei (der Tochter des Chefs der Basis) und eine vergangene (eine neue Wissenschaftlerin, mit der er mal etwas hatte) eine Rolle spielt. Letztere nutzt die Erkenntnisse aus der Analyse des Affen um einen Supersoldten zu schaffen, der herrlich abgefuckt und weird ist. Es ist natürlich Abomination, allerdings in einem völlig neuen Gewand, getrieben von Sucht und Gier und eben völlig abgefahren.

Hast du jetzt etwa alles verraten?

Höchstens im Groben. Tatsächlich muss ich aber nochmal extra herausstellen, wie sehr mich dieser Comic positiv überrascht hat: außerordentlich. Wie eingangs erwähnt versuchte ich immer einen Hulk zu finden, der auch mir persönlich Spaß macht, was ich immer ein bisschen schwierig fand. Hier habe ich ihn und er ist wirklich großartig. Leute, die die alten Comics mögen, werden den Reboot hier vermutlich nicht ausstehen können. Leute, die allerdings neu anfangen und kaum über Wissen um diese Figur verfügen, werden unglaublich gut unterhalten werden.

Und gezeichnet ist es mitunter auch super cool

Fazit: Ich mag die Optik, ich mag die komplexe Figur Bruce Banner und ich mag den allzu menschlichen Zwist zwischen Hulk und Bruce, der ja in jedem von uns statt findet. Ich mag, dass Hulk keine hirnlose Smashmaschine ist (gesmasht wird aber trotzdem ordentlich) und ich mag, dass Bruce nicht nur der trottelige Wissenschaftler ist. Ich mag das Ende, ich mag den Anfang und ich glaube, ich mag langsam diese Season-One-Comics von Marvel und freue mich schon auf die nächsten Bände.

Disclaimer: Tausend Dank an Panini für das Rezensionsexemplar.