Herausgeber: Cross Cult
Veröffentlicht: 26.11.2006
Künstler: John Layman, Rob Guillory
Art: A5 Hardcover (enthält die Ausgaben Chew#6-10)
Seiten: 128
Sprache: deutsch
Preis: 16,80 €
U-Bahnlesetauglichkeit: Buchform sei Dank kann ich nicht sagen, was sich da besser lesen liesse
Rating: Vier von fünf Gourmetsternen

Kaufbar bei Amazon (Partnerlink) oder direkt bei Cross Cult, leider ausnahmsweise ohne Leseprobe.

Tony Chu ist Cibobath und das beudetet, dass er Dinge über das erfährt, was er isst. Beisst er in einen Apfel, erfährt er, wo er angebaut wurde, welches Pestizid benutzt wurde und wie der Farmer hiess, der ihn erntete. Isst er ein Stückchen Mensch, erfährt er seinen Namen, erkennt seine Absichten und alles über ihn, was er wissen möchte. Das ist eine ziemlich praktische Fähigkeit, wenn man in einer Welt lebt, in der Hühner und deren Erzeugnisse wegen einer Seuche verboten wurden und man Agent bei der FDA ist, die es sich zur Hauptaufgabe gemacht hat, Vergehen gegen dieses Verbot zu verfolgen.
Welche Aufgaben Tony im zweiten Band der Erfolgsserie bestreiten muss, wie das Wiedersehen mit seinem alten Partner, der ein Hackebeil ins Gesicht bekam und nun ein Cyborg ist, vonstatten ging und wie ich das alles fand, könnt ihr in folgender Review nachlesen.

Als Vorspeise eine kleine Inhaltsangabe

Man müsste eigentlich annehmen, dass es Tony mit seiner besonderen Fähigkeit besonders gut geht. Allerdings wird er von seinem Chef nach Strich und Faden gemobbt und zu den schlimmsten Fällen geschickt, die man sich vorstellen kann. Dafür ist sein alter Partner John Colby wieder an seiner Seite, der ihn eigentlich hassen müsste, ist er doch eigentlich an seinem Unfall Schuld. Eigentlich. Aber die beiden Spielen dem Chef ihren Hass nur vor, damit sie, psychoUNlogisch zusammengesperrt werden. Dank des Unfalls mit dem Beil nämlich ist Colby nun technisch aufgewertet worden und verfügt in seinem Schädel über einige technische Raffinessen. Korrupt ist er aber nach wie vor. Und sexuell flexibel.
Tonys Bruder, der Spitzenkoch Chow, spezialisiert auf Hühnchengerichte aller Art, wird auf die recht abseits nahe Hawaii gelegene Insel Yamapalü geflogen, wo er als Koch seinen Visionen nachgehen kann. Tony folgt ihm, ist er doch auf der Suche nach einer mysteriösen Pflanze, die nach Hühnchen schmeckt, aber nicht von dieser Welt zustammen scheint. Ein paar falsche Mordanschuldigungen, etwas Kannibalismus und einen mörderischen Hahnenkampf-Hahn später hat sich der Sheriff der Insel mit dem Vogel aus dem Staub gemacht und bereitet seinen Ruhestand in Mexiko vor. Währenddessen stellte sich heraus, dass der Gouverneur der Insel eigene Visionen verfolgte und Yamaplü auf jede Karte setzen wollte. Dazu holte er sich die besten des Fachs (welches Kochen ist), um die Fplanze in schmackhafte Gerichte zu verwandeln. Darunter auch die zauberhafte Amelia Mintz, die Gerichte so beschreiben kann, dass sie entweder eine wilde Kotzerei oder den Himmel auf Erden heraufbeschwören kann, und der Cibolokutor Fatanyeros, der, selbst stumm, mittels seiner Speisen sprechen kann und sie in essbare Gedichte oder geheime Botschaften verwandeln kann. Und ein Vampir. Aber der kam freiwillig.
Und während der Gouverneur die Insel mittels der ominösen Pflanze für die Welt relevant werden lassen wollte, möchte die Bevölkerung, und viel mehr darunter die Hühnerzüchter, lieber weiter Geflügel verspeisen. Tony befindet sich mitten in diesem Aufstand.

Als Zwischengang etwas Optik

Ich weiß selbst nicht, wie sich Cibopathie anfühlt, aber Dank der Arbeit Guillorys kann ich es erahnen, schafft er es, diese ganzen Sinneseindrücke, die Tony während des Essens hat, in Bilder zu packen. Darüber hinaus ist die Optik so verschoben, so ansatzweise realistisch, dass es fast schon überrealistisch ist, dass einerseits auch Raum für eigene Interpretationen gelassen wird, man auf der anderen Seite aber auch extrem viel Spaß daran hat, sich die Panels anzuschauen. Sei es, wenn man die Seiten nach Flugzetteln und Zeitungen absucht, um kleine, ironische Botschaften zu finden, oder wenn man einfach diese Kunst bewundert. Es ist bunt, es ist überzeichnet und es ist wunderschön. Emotionen werden überzeichnet und den Ekel, den Tony vor einem Kackhaufen empfindet, den er vermutlich in naher Zukunft essen soll, kann man fast spüren. Da findet man selbst den Kannibalismus schon fast gar nicht mehr so schlimm, sondern fast schon erträglich. Fast trivial.

Als Hauptgericht eine große Portion Meinung

Ich liebe Chew. Ich muss es in die Welt hinausschrei(b)en, wie sehr ich es liebe: Sehr.Ich liebe Chew sehr. Der Comic ist witzig, unterhaltsam, spannend, undurchsichtig, logisch und einfach, ja, liebenswert. Die Charaktere sind zwar mitunter ein bisschen oberflächlich, allerdings reden wir hier auch gerade mal über den zweiten Band. Tony leidet bei allem, was er tut und man hofft so sehr, dass er mit seiner Amelia zusammen kommt. Ich hasse seinen Boss, wie er es tut und allein diese Welt, die Layman da geschaffen hat. Nun, ich möchte nicht darin leben, aber sie ist so detailreich, dass man fast nur erahnen kann, was einen da noch erwartet.
Die Geschichte, der große rote Faden, ist schwierig. Man spürt, dass er da ist, aber es ist schwer ihm zu folgen. Das ist aber gar nicht schlimm, denn jedes Mal, wenn Layman bei der Erzählung vom Weg abkommt, finden wir neue Geheimnisse, die gelüftet werden wollen, erfahren mehr über die Figuren und fragen uns immer mehr, welche Rolle Tony eigentlich spielen soll.
Wir wissen allerdings auf jeden Fall, dass die Bühne nicht Yamapalü sein wird, dafür aber, dass die Gallusbeere eine entscheidende Rolle spielen wird.

Als Absacker die Specials

Von Cross Cult ist es ja bekannt, dass sie ihren Werken gerne noch einen besonderen Kniff mitgeben. So ist es bei diesem Buch ein Interview mit dem Sternekoch Michael Hoffmann, der zwar selbst seit seiner Kindheit keine Comics mehr las, sich aber trotzdem den kritischen Fragen stellen muss, die Comics und Küche, passend zum Buch, verknüpfen sollen. Und es gibt noch zwei leckere Rezepte – eines davon natürlich mit Roter Beete (Tony Chu isst rote Beete, weil diese nicht seine besondere Fähigkeit triggert. Ich hätte das oben sagen sollen. Tun wir so, als hätte ich das, okay?)

Fazit: Zupacken, reinbeissen und verschlingen!

Disclaimer: Vielen Dank an Cross Cult für das Rezensionsexemplar!