Herausgeber: Panini.
Veröffentlicht: 08.01.2013
Künstler: Antony Johnston, Wellinton Alves
Art: A4 Softcover (enthält komplett “Daredevil Season One”)
Seiten: 108
Sprache: deutsch
Preis: 14,95 €
U-Bahnlesetauglichkeit: Warum Daredevil auf dem Cover ein gelbes Kostüm trägt, ist immer ein guter Gesprächseröffner
Rating: 6 von 10 Blindenstöcke sind eigentlich Billy Clubs

Kaufbar bei Amazon (Partnerlink) oder direkt bei Panini, leider ohne Leseprobe.

Die anderen Ausgaben der Season-One-Reihe (hier Hulk, dort X-Men) waren ja mitunter überausgut und mindestens überraschend. Zum Teil auch überraschend gut. Zudem wisst ihr ja alle vermutlich schon sehr gut, dass ich auch ein riesiger Fan von Mark Waids momentanen Daredevil-Run bei Marvel bin. Was läge da also näher, als sich mal “Daredevil – Season One” zu schnappen und zu hoffen, dass beide Faktoren etwas Großartiges schaffen. Wie es mit Daredevil anfing, wie er zu seinem roten Kostüm kam und ob das schlußendlich wirklich so gut ist, wie ich mir wünschte könnt ihr in folgender Review nachlesen.

Und was ist denn nun die neue Origin von Daredevil?

Ähnlich wie bei den anderen “Season One”-Bänden findet diese Geschichte ziemlich genau am Anfang der Karriere des Helden statt. Wie er zu seinen Superkräft, die eigentlich nur aus seinem Radarsinn bestehen, kam, ist schnell in wenigen Panels erklärt und bleibt auch bei dem Unfall mit dem Atommülllaster. Matt Murdocks Vater ist auch weiterhin ein toter Boxer, nur seine Karriere beginnt eben nicht so glamourös, wie bei anderen Helden.
matt Murdock ist darüberhinaus natürlich auch weiterhin Anwalt und hat gerade eine Kanzlei mit seinem Freund Foggy Nelson gegründet. Sein Sinn für Gerechtigkeit aber war es, der ihn in das Superheldenspandex brachte, um auch wirklich für Gerechtigkeit in Hells Kitchen zu sorgen.
Das Problem ist lediglich, dass Daredevil eben noch nicht der A-Lister ist, den wir alle kennen und eben auch den ein oder anderen Fehler begeht. So lässt er sich beispielsweise von einem äußerst fragwürdigen Schurken namens Matador vor einigen Zuschauern vorführen und wird vom Angstgas von Mr. Fear vergiftet. Wenigstens die Bürogehilfin, die er ab und zu mal retten muss, steht auf ihn. Allerdings auch nur auf seinen Alterego als Superheld und weniger auf Matt selbst.
Um diese Erfahrungen, die er als Held sammeln muss, spannt sich die Geschichte eines Rechtsstreits, in dem das Bauamt von New York eine alte Kirche räumen lassen will, um dort Bauprojekte durchzuführen. Natürlich ist das alles auch nicht so richtig koscher und Matt vertritt den Priester sowohl als Anwalt, als auch als Daredevil, als welcher er die Beweise sammelt. Das ist alles ein bisschen verworren, dabei aber immer angenehm undurchsichtig, während der Aha-Effekt erst auf den letzten Seiten eintritt.

Taugt es denn optisch etwas?

Realismus ist bei Comics immer so eine Sache. Manchmal klappt es sehr gut, sieht eindrucksvoll aus und transportiert die Geschichte in einen realistischen Kontext. Wenn es schief geht, sehen die Gesichter aus wie Masken und Posen wirken irgendwie merkwürdig, ohne dass man festmachen kann woran es liegt. Leider ist das auch hier der Fall. Zudem wirken die Panels oft sehr steril und leer und es gibt meistens nur sehr wenig zu entdecken. Trotzdem ist das nicht ständig der Fall und so sind manche Zeichnungen sehr schön dynamisch und mit viel Liebe umgesetzt. Es ist fast ein bisschen so, als würde man merken, wo sich der Künstler Wellinton Alves besonders viel Mühe geben wollte, weil dieses oder jenes Panel besonders wichtig ist. Aber irgendwie werde ich auch mit diesen cleanen Gradienten (sag ich mal so), also den absolut sauberen Farbverläufen, nicht so richtig warm. Ich glaube diese tragen besonders dazu bei, dass Zeichnungen zu sauber, zu generisch wirken. Ihr wisst schon, was ich meine. Vielleicht müsste ich das mal genauer beobachten.

Und alles in allem…

… ist es tatsächlich die Geschichte, die diesen Comic auszeichnet. Es macht sogar fast Spaß Daredevil versagen zu sehen. Wenn ein Sims nicht hält und er abstürzt, ein Gegner zu schnell für ihn ist oder einer unter Wasser abtaucht und er ihn nicht mehr wahrnehmen kann, weil dann sein Radarsinn versagt. Man kann quasi zwischen den Panels herauslesen, wie sehr Matt Murdock in seinem Stolz gekränkt wurde und es diesen Schurken noch einmal beweisen will. Die Geschichte um den eigentlichen Fall, den die Kanzlei behandelt, ist auch sehr schön komplex und zieht sich durch das ganze Buch, während alles andere eher füllendes Beiwerk ist, ohne sich allerdings als solches anzufühlen. Besonders schön sind auch die Stellen, in denen Daredevil das Angstgas von Mr. Fear gegen seine Handlanger einsetzt und sie ihn für einen wirklichen Teufel halten (das erinnert ein bisschen an “Batman Begins”, ist aber trotzdem cool) und die, in der er zum ersten Mal sein ikonisch rotes Kostüm überzieht, um Angst zu seiner Waffe zu machen. Wie er mit seinem Radarsinn allerdings Farben wahrnehmen kann, habe ich nicht ganz verstanden, wird aber auch nicht erklärt.

Fazit: Die “Season One”-Reihe weiß wieder einmal zu überzeugen. Zwar ist dieser Band hier der Schwächste von denen, die ich bisher las, trotzdem ist es aber ein sehr guter Comic mit einer sehr guten Geschichte. Es ist zwar nicht Waids Daredevil, den ich stets ohne Einschränkungen empfehle, aber dennoch ein sehr guter und unterhaltsamer Comic.

Disclaimer: Vielen Dank an Panini für das Rezensionsexemplar.