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Wir sind jetzt hier seit ein paar Tagen, mein Zeitgefühl habe ich irgendwo über Indien verloren, in Neuseeland und ich muss euch sagen, dass das Land wirklich so schön und beeindruckend ist, wie die Leute immer sagen.
Glücklicherweise wohnen wir sehr nahe am Lincoln College, ungefähr eine halbe Busstunde von Christchurch entfernt, in einer Ferienwohnung, die uns die Uni zur Verfügung stellte. Meine +1 (obwohl in diesem Fall ich die +1 bin) arbeitet da ja an einem streng geheimen, Länder übergreifendem Projekt, von dem ich so ziemlich genau gar nichts verstehe. Daher vertreibe ich mir ganz gerne die Zeit draußen, gucke Natur an oder besuche die nächste Stadt, Lincoln, und gucke mal, wie die Leute hier so leben. Tatsächlich mag ich das genau so. Einerseits könnte man sich natürlich die Sehenswürdigkeiten anschauen, die das Land zu bieten hat, was wir natürlich auf jeden Fall noch tun werden (das vom Erdbeben zerstörte Christchurch, Delphine, Pinguine, Kiwis, Maori, Berge, Natur, Schafe, Schafe und Schafe), aber so richtig, finde ich, lernt man ein Land kennen, wenn man lebt, wie die Einheimischen. Beides ist wohl gut und so werden wir das hier auch handhaben.

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Lincoln ist, wie gesagt, die nächste Stadt, die man innerhalb einer halben Stunde ganz gut zu Fuss erreichen kann. Sie hat genau einen Superdupermarkt, einen Pub, ungefähr 3 Kirchen, einen deutschen Metzger, 2 Asia Take Aways und ist alles in allem recht ruhig und offenbar recht abgeschieden. Nennen wir es langweilig.

Gestern lief ich da durch, machte Fotos und beobachtete eine Schulklasse in Schuluniformen, die direkt auf den örtlichen Subway zusteuerte. Das macht man hier in Lincoln halt so nach der Schule. Man hängt am Subway herum. Die älteren treffen sich dafür dann vor dem Liquor Store und machen das selbe. Das Leben in Lincoln ist äußerst ruhig und eines der größten Spektakel war wohl die Fleischtombola, die wir gestern in dem Pub, “The Famous Grouse”, beobachteten.

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Wir betraten das Lokal und sahen einen Tisch voll abgepacktem Fleisch, das dort vermutlich so auch schon ein, zwei Stunden lag. Wir aßen, tranken Bier und irgendwann begann die Tombola, bei der jemand Nummern vorlas, die auf einem Bildschirm angezeigt wurden. Die Gewinner nahmen sich ihre Fleischpackungen und setzen sich wieder an die Tische, um weitere Biere zu trinken und das Fleisch möglichst fern jeglicher Kühlkette zu halten. Das war höchst kurios, aber vermutlich macht man das hier so in Lincoln.

Was ich euch allerdings noch erzählen wollte ist das mit der Ernährung. Einerseits ist Neuseeland sehr britisch geprägt. Die Leute spielen gerne Cricket, sie haben eine Teekultur und ich warte nur hoffend darauf, zu einem Doctor-Who-Abend eingeladen zu werden. Die Ernährung scheint allerdings äußerst amerikanisch zu sein. Zwar gibt es viel Obst und Gemüse im Superdupermarkt, alledings ist das recht teuer. Viel günstiger sind da die Produkte im viel längeren Chipsgang. Und das ebenso lange Keksgang hat auch einige echt interessante Dinge zu bieten. Und dann war man ja auch noch nicht im Gang mit dem sonstigen Süßkram. Und Brot. Klar ist mir bewusst, dass es in Deutschland schon sehr außergewöhnlich viele Brotsorten gibt und wir das ja auch so mögen. In dem neuseeländischen Supermarkt hier scheint es allerdings genau eine Sorte Brot zu geben: Weißbrot. Whole Grain Bread ist dann aber zum Beispiel Toastbrot mit Körnern, aber dafür gibt es auch davon wieder einen Gang voller verschiedener Arten Weißbrot.

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Vielleicht kann man sagen, dass die Ernährung in Neuseeland anders gehandhabt wird, als bei uns, klar, aber man kann nicht sagen, dass die Leute ungesund leben. Sport ist hier ein ziemliches Thema und Rauchen ist hier so ziemlich verboten. Also es ist nicht direkt verboten, aber es ist so gut wie nirgends gestattet, es wird nicht beworben oder gar ausgepriesen und eine Schachtel ist wirklich außerordentlich teuer. Ihr wollt gar nicht wissen, wie teuer, aber vermutlich komme ich ob meines Geizes als Nichtraucher nach Hause.

Aber wie gesagt bin ich ja erst effektiv zwei Tage hier und kann noch gar nicht richtig urteilen. Heute geht es erstmal nach Christchurch, das vom Erdbeben 2011 ziemlich arg in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Übrigens hörte ich im Vorfeld oft, dass 30 Stunden Reisezeit sicher ganz schön schlimm sind. Jetzt kann ich allerdings sagen, dass niemand wirklich auch nur die geringste Ahnung hat, wie schlimm 30h Reisezeit wirklich sind, wenn man über 1.70m groß ist. Zwei Stunden sind okay und machbar, so sagen wir nach London. Aber eine 12h-Etappe ist furchtbar und irgendwann ganz schön schmerzhaft. Man weiß nicht, wie man sitzen soll, womöglich klappt der vor einem seinen Sitz ganz nach hinten und wenn man Pech hat, ist man auf zwei Seiten von Leuten umschlossen, dass man nicht mal quer über zwei Sitze liegen kann. Glücklicherweise flogen wir aber mit Qantas, die ein ganz schön gutes Onboard-Entertainment-System haben, das über eine Auswahl von rund 50 Filmen verfügt. Ich sah vermutlich “Life of Pi” und mochte es sehr, der neuste “Die Hard” ist unsagbar doof, “Platoon” ist aber immer noch so gut wie schon immer und “Futurama” geht ja eh immer.

Jetzt jedenfalls ist es hier halb zwölf mittags durch und ich denke, ich werde mal noch einen leckeren Kaffee in der brütenden Sonne trinken gehen. Wenn hier nämlich die Sonne scheint ist es, als würde man lebendig verbrannt werden, während einen der frische Wind kühlt. Vermutlich würde meine blasse, mitteleuropäische Informatikerhaut Blasen werfen, würde ich nicht peinlich genau darauf achten, mich mit Sonnencreme einzuschmieren, bevor ich das Haus verlasse. Vermutlich ist es Unsinn, aber man weiß ja nie.

Wenn ihr meine Reise übrigens live verfolgen wollte, könnt ihr ja mal bei Twitter oder Instagram vorbeischauen, wo ich das alles immer gern dokumentiere. Und Dank Prepaid-Internetkarte (die günstiger und besser ist, als mein Tarif zuhause) bin ich da auch recht fleissig.

Gute Nacht Deutschland.