DERASTRONAUT_HC2CDCberformat_923[1]Herausgeber: Panini
Veröffentlicht: 08.10.2013
Künstler: Danilo Beyruth
Art: Übergroßes Hardcover (enthält komplett “Astronauta”)
Seiten: 84
Sprache: deutsch
Preis: 16,95 €
U-Bahnlesetauglichkeit: Diesen Comic sollte man in kompletter Abegschiedenheit lesen.
Rating: Eine heller, strahlender Magnetar

Kaufbar bei Amazon (Partnerlink) oder direkt bei Panini, mit Leseprobe bei mycomics.

Oder ihre gewinnt ihn einfach hier. Dazu aber weiter unten mehr.

Geschaffen wurde der Astronaut bereits 1963 von Mauricio des Sousa für die Sonntagsausgabe der Zeitung namens Diário de S.Paulo, wo er eher den Anschein eines unterhaltsamen und harmlosen, kleinen Comicstrips hatte, trotzdem aber recht ernste Themen behandelte. Während der Astronaut nämlich mit der Erkundung des Weltraums beschäftigt war, trennte sich seine Freundin von ihm und heiratete jemand anderes, was der Astronaut nie so richtig verkraftete. Trotzdem schlug sein Herz weiter für die Wissenschaft.
Nun hat Danilo Beyruth eine viel modernere und noch erwachsenere Version des brasilianischen Comichelden geschaffen, die sich mit ganz ähnlichen Themen auseinandersetzt, sie aber auf sehr andere Weise angeht. Wie genau, ob das besser ist und warum man dringend einen Blick in diesen Comic werfen sollte, erfahrt ihr in folgender Review.

Warum schickt man denn nur einen Astronauten los und nicht gleich mehrere?

Der Astronaut befindet sich auf einer schwierigen und äußerst gefährlichen Mission. Es wurde nämlich ein Magnetar entdeckt, was ein äußerst Massereicher Stern am Ende seines Lebenszyklus werden kann, den er untersuchen soll. Nun fliegt er dort mit seinem Raumschiff hin, landet auf einem Asterioden im Gürtel des Magnetaren und will gerade außerhalb seines Raumschiffes Sensoren platzieren, als sein Raumschiff von einem Gesteinsbrocken so schwer getroffen wird, dass er nicht mehr starten kann. Blödeweise ist die Strahlung des Magnetaren so stark, dass er auch keinen Kontakt zu seiner Weltraumbehörde aufnehmen kann. Er ist gestrandet und muss nun irgendwie versuchen zu überleben und sein Raumschiff zu reparieren. Allerdings ist das gar nicht so einfach, zehren doch Hunger, Dehydration und langsam aber sicher auch der Wahnsinn an ihm.

Ist das etwa die ganze Geschichte?

Das mag vielleicht ein wenig trivial klingen, aber tatsächlich fängt das Abenteuer ziemlich genau hier an. Der Comic nämlich vermittelt zwar einerseits sehr gut den wissenschaftlichen Anreiz des Astronauten neue und unbekannte Gefilde im Weltraum zu untersuchen, setzt sich aber auch auf sehr spannende Weise mit der Isolation des Helden auseinander. Immer wieder, über einen Zeitraum von Wochen, verfolgt den gleichen Tagesrhythmus, der nur aus der Kontrolle der Vorräte, dem obligatorischen Fitnesstraining, der Nahrungsaufnahme, dem Arbeiten, dem Meditieren und dem Schlafen besteht. Immer und immer wieder, jeden Tag das absolut gleiche, mit dem Ziel, endlich aus seinem Gefängnis entkommen zu können, bis er schließlich der Paranoia und somit dem Wahnsinn verfällt.
Dabei ist er mit seinen Gedanken allerdings auch ständig am anderen Ende des Universums, bei seiner Ex-Freundin Ritinha und seiner Familie, für die er sich mit letzter Mühe an sein Leben klammert.

der-astronaut-1

Und schafft er es?

Am Ende bleiben ihm nicht mehr viele Möglichkeiten und er muss einsehen, dass sein Raumschiff unrettbar verloren ist und seine Vorräte langsam aber sicher zur Neige gehen. Ihm bleibt nur noch eine Möglichkeit sich zu retten, indem er sich in seinen stabilsten Raumanzug zwängt und den wagemutigen Sprung in Richtung seiner Heimat schafft, in der Hoffnung, von irgendjemandem gefunden zu werden.

In space nobody hears you scream, but does it look nice?

Die Zeichnungen sind, obwohl die Thematik eine recht düstere ist, sehr hell und sehr schön gezeichnet. Gerade die Stelle, die einem die langeweilige Routine des Astronauten vermittelt, ist wunderschön umgesetzt, zeigt sie doch immer wieder die gleichen Panels, immer wieder, immer kleiner, nahezu endlos, bis ein bärtiger und verwilderter Astronaut mit einem Geisteszustand ringt. Optisch beeindruckend ist vor allem auch der Part, in dem er wahnsinnig wird und Figuren aus seiner Vergangenheit sieht, wie sie ihm zu seinen nächsten Schritten raten und was geschieht, wenn er dort einsam und verlassen stirbt. Gesprochen wird in der Geschichte, gerade im Mittelteil, nicht wirklich viel, übernehmen hier doch vor allem die imposanten Bilder die Erzählung der Geschichte. Allerdings gibt es doch ein paar Fachbegriffe, die dann später nochmal in einem Glossar erklärt werden.
Außerdem gibt es ganz am Ende auch noch einen Comicstrip des Originalmaterials, wodurch man einen ziemlich guten Eindruck davon bekommt, woher der Astronaut eigentlich stammt.

Fazit: Einerseits handelt es sich um eine fantastische Science Fiction Geschichte, andererseits ist sie aber auch eine schöne Studie des menschlichen Geistes, die untersucht, was mit jemandem passieren könnte, der sich für sehr lange Zeit in Isolation befindet. Der Comic ist schön, sogar wunderschön gezeichnet, sehr bedrückend und dadurch unglaublich gut. Man bekommt fast ein Gespür für die Dualität zwischen der Angst vor dem Unbekannten und dem Antrieb, genau dieses Unbekannte zu erforschen. Und wieder einmal erkennt man, dass der schnelle Tod vielleicht nicht das schlimmste ist, was einem passieren kann.

Und was ist jetzt mit dem Gewinnspiel?

Ihr wollt diesen Comic sofort lesen? Da habt ihr Glück, denn großartigerweise stellt mir Panini genau ein druckfrisches Exemplar zur Verlosung bereit. Was ihr dafür tun müsst? Verratet mir einfach mittels eines Kommentars unter diesem Artikel, welchen Planeten (egal ob real oder fiktional) ihr gerne besuchen würdet und natürlich auch warum. Tut dies bis zum Freitag den 04. Oktober 2013 (um 23:59:59 Uhr) und euer Kommentar kommt in die Lostrommel. Mitmachen dürfen natürlich nur Leute aus Deutschland und das auch jeweils nur ein mal. Ich wünsche euch viel Glück!

Disclaimer: Vielen Dank an Panini für das Rezensions- und Verlosungsexemplar!