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Musik und Comics gehen wirklich nur sehr selten Hand in Hand, aber wenn Gerard Way daran beteiligt ist, dann kann man schon mal hoffen, dass es eine sehr interessante und sehr gute Kombination werden könnte. Gerard Way ist ja bekanntlich nicht nur Comicautor sondern auch Frontmann der Band My Chemical Romance gewesen und mit “The True Lives of the Fabulous Killjoys” hat er ein Experiment gewagt, das es so meines Wissens nach noch nicht gab. Er hat nämlich nicht nur geholfen den Comic zu schreiben, sondern auch mit seiner Band ein Album gleichen Titels produziert, das quasi die Vorgeschichte dazu liefert. Ob und wie das überhaupt funktioniert, erfahrt ihr in folgender Review.

Bevor ich mich dem Comic widme, möchte ich euch bitten folgendes Musikvideo anzuschauen und -zuhören, das eben auch Teil des Comics ist und die Vorgeschichte dazu erzählt. Natürlich spielt Gerard hier die Hauptrolle, aber eigentlich geht es um das kleine Mädchen und eben auch um die Figur, die in dem Video von Grant Morrison gespielt wird. Bitteschön:

 youtubedirekt

(Das ist aber auch ein unsagbar cooler Song)

Wir sehen, dass die Fabulous Killjoys eine Gruppe von jugendlichen sind, die in der Wüste leben und sich gegen eine Firma namens Better Living Industries auflehnen. Aus ihren Fängen entführen sie ein kleines Mädchen, das Jahre später erwachsen ist, während die Killjoys nur noch eine schöne Erinnerung sind. Das Mädchen wird heute als eine Art Retterin angesehen, allerdings ist sie sich dieser Rolle nicht so sicher, zumal sie auch gar nicht weiß, wie sie diese Rolle genau ausfüllen soll.
In der Wüste trifft sie auf eine neue Gang, die in die Fußstapfen der Killjoys getreten ist und von einem paranoiden Typen angeführt wird. Das Ziel dieser Gang ist eigentlich nur Party, Party, Party, während das Leben in Battery City, die von der BLI geleitet wird, alles andere als schön ist. Emotionen und alles, was Spaß macht, ist verboten, dafür sind aber Roboter an jeder Ecke zu sehen, die heimlich auf die Rückkehr ihres Gottes warten, der sie von ihrer Schmach befreien soll. Wer in Battery City aus der Reihe tanzt wird einer Prozedur unterzogen, die ihm alle Andersartigkeit nimmt, was gerade Korse, dem Grant-Morrison-Charakter, nicht gut bekommen sollte, hat er doch heimlich eine homosexuelle Affäre, die so gar nicht in dieses Bild passt.
Hinzu kommt noch die Geschichte der beiden Porno-Bots, Red und Blue, wovon erstere ein älteres Modell ist und mittlerweile nicht mehr mit Energie versorgt werden soll. Dafür soll sie aber bald abgeholt werden, um zu seinem Satelliten umgebaut zu werden. Vielleicht ist das Recycling.

Das klingt… kompliziert?

Das ist es auch, weil ich mir auch nach dem zweiten Mal lesen noch nicht so richtig sicher bin, ob ich verstanden habe, worum es hier eigentlich geht. Sind da jetzt alle Figuren Roboter oder nur die Bewohner von Battery City? Dafür sprechen würde ja die Superkraft des kleinen Mädchens, die sich am Ende des Comics materialisiert und dafür sorgt, dass die Bewohner alle befreit werden. Und was bedeutet dieser Zwiespalt zwischen Spaß, Spaß, Spaß in der kargen Wüste unter den Jugendlichen, zu dem Ernst, Ernst, Ernst der anderen Leute in der monochromatischen Stadt? Im Groben macht das vielleicht ja noch alles Sinn, im Detail ist es dann aber schwieriger. Hier verfolgen wir ja viele kleine Geschichten, die alle eine zusammenhängende große Erzählen. Wir erfahren von den Porno-Bots, deren Liebe die harte Stadt nicht überstehen würde und die dadurch in die Wüste flüchten müssen, wo sie eigentlich nicht mit Energie versorgt werden können. Wir erfahren von den neuen Killjoys, die eigentlich nur eine Bande Halbstarker sind, die sich aus reinem Vergnügen mit den Lakaien der BLI anlegen und ständig von der großen Revolution reden. Wir erfahren auf von Krose, der eigentlich auf der bösen Seite steht, für den wir aber aus verschiedenen Gründen doch Sympathien hegen. Und dann sind da auch noch die Radiomoderatoren, die die echten Killjoys noch mit erlebten. Und all das formt eine ziemlich dichte, düstere, aber bunte Welt und irgendwo ist da eine Metapher versteckt, die ich einfach nicht so richtig sehen kann. Aber ich glaube das ist nicht schlimm, vielleicht bin ich dafür nur nicht empfänglich genug und muss es noch ein drittes Mal lesen, um es zu verstehen.

Wenigstens ist es hübsch

Und wie hübsch das ist! Becky Cloonan liefert hier echt großartige Arbeit ab, die auf den ersten Blick vielleicht etwas schlicht wirkt, auf den zweiten aber vor Details echt nur so strotzt. Der krasse Kontrast der eher monochromatischen Stadt zur bunten und wilden Wüste, in der die Teens leben, ist ein wahres Wechselbad der Farbwahrnehmung und macht irre Spaß.
Tief in meinem inneren weiß ich, dass das ein ganz, ganz toller Comic mit einer wichtigen Botschaft ist, die ich ansatzweise begreife, allerdings ist es wirklich einer dieser Comics, die man einfach mehrmals lesen muss, um das alles zu begreifen. Weil das alles aber so ansehnlich ist, weil die Figuren so viel Tiefe besitzen und weil sich das allen im Stück einfach so rund anfühlt, ist es bestimmt keine Strafe öfter mal zu diesem Comic zu greifen. Wahlweise auch gerne mit dem passenden Soundtrack im Ohr.

Kaufbar bei Amazon (Partnerlink) oder direkt bei Panini, leider ohne Leseprobe. Aber es ist cool, glaubt mir.

Erscheint am: 22.07.2014
Seiten: 164
Format: Softcover
Original-Storys: The True Lives of the Fabulous Killjoys 1-6
Autor: Gerard Way, Shaun Simon
Zeichner: Becky Cloonan
Preis: 16,99 €
U-Bahnlesetauglichkeit: Man muss es mit der richtigen Musik auf den Ohren hören und sich komplett ausklinken.
Rating: Destroya mochte das!

Vielen Dank für das Rezensionsexemplar an Panini. You rock!