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Wo der Silver Surfer ist, ist Galactus natürlich nicht weit. Und wo die beiden sind, ist auch Stan Lee nicht besonders weit entfernt und so kommt es, dass er sich dazu noch Jean Giraud, besser bekannt als Moebius, geschnappt hat, um dem Surfer eine Geschichte zu schneidern, die sich nicht nur sehen, sondern auch lesen lassen kann. Worum genau es geht und ob sich das auch wirklich wie Moebius anfühlt, erfahrt ihr in folgender Review.

Momentan wohnt der Silver Surfer als obdachloser, mit sicher verpacktem Surfbrett, auf der Erde und versucht die Menschheit gut zu finden oder sie zumindest zu ertragen. Bis eines Tages eine riesige Rakte mitten in der Stadt landet. Niemand ahnt, was da auf sie zukommt, aber natürlich weiß es der Surfer sofort: Galactus ist zurück. Einst schwor er eigentlich die Erde nie wieder anzugreifen, allerdings hat der Weltenverschlinger einen ganz anderen, viel perfideren Plan.
Währenddessen geht ein Fernsehprediger in seinem Büro auf und ab, weil einfach niemand mehr im Fernsehen anschaut und keiner mehr einen Sinn für Religion zu haben scheint. Da kommt ihm Galactus als neuer Götze natürlich gerade recht, bildet er um ihn doch eine neue Religion. Eins führt zum anderen und auf einmal ist die Welt voller Fanatiker, die Galactus anbeten, während der Silver Surfer der einzige ist, der sich ihm entgegen stellen will. Im Kampf zwischen den beiden wird natürlich die halbe Stadt zerstört, bis die Bürger erkennen, dass Galactus womöglich doch nicht der Erlöser sein könnte.

Ist das alles wirklich… so?

Vielleicht liegt es daran, dass die Geschichte schon ein paar Jährchen alt ist, vielleicht aber auch daran, dass sie wirklich ein bisschen oberflächlich ist, aber der ganze Part, in dem die Bevölkerung zu fanatischen Jüngern wird, ist ziemlich schnell und unreflektiert erzählt. Es passiert einfach so und niemand, wirklich gar keiner, stellt sich dem Prediger entgegen. Vielleicht ist das aber auch die Moral, weil Moral – das kann der Comic. Er redet davon, dass man für seine Überzeugung einstehen und alle Widrigkeiten überstehen muss, dass man an das Gute im Menschen glauben muss, dass die Göttlichkeit in uns allen steckt und dass Menschen wirklich nicht mehr als eine Herde Schafe sind. Das finde ich wirklich ein bisschen schade, weil eine Story, in der einzig der Surfer und Galactus auftreten, klingt erstmal mega gut, ist dann am Ende aber eben doch ziemlich oberflächlich, wenn nicht gar schlichtweg dünn.

Wenn da nicht noch Moebius wäre

Wenn man einen Moebius-Comic kauft, bekommt man auch genau das, was man sich erhofft: Unglaublich tolle Zeichnungen. Und das sogar, obwohl er hier anders arbeiten musste, als er es gewöhnt war. Das sagt er zumindest in einem sehr umfangreichen Interview, das auch in dem Band abgedruckt ist. Anders als sonst musste er hier mit genauen Vorgaben arbeiten, was ihm aber auch sehr gut gefiel und als Leser gehen einem hier echt die Augen auf. Die Farben, die Formen! Es ist ein typischer Moebius.

Fazit: Wenn zwei Größen aufeinandertreffen, kann man großartiges erwarten. Aber storytechnisch, obwohl sie sehr umfangreich ist, hat mich das irgendwie nicht so richtig vom Hocker gehauen. Vielleicht, weil alles so hektisch ist, als wollte man zu viel Kram in zu wenig Seiten pressen, aber dafür ist es wirklich, wirklich schön anzuschauen. Manchmal reicht das ja.

Kaufbar bei Amazon (Partnerlink) oder direkt bei Panini, leider ohne Leseprobe.

Erscheint am: 29.07.2014
Seiten: 84
Format: HC
Original-Storys: “Silver Surfer: Parable”
Autor: Stan Lee
Zeichner: Moebius
Preis: 16,99 €
U-Bahnlesetauglichkeit: Ein richtiges Buch mit festem Einband lässt einen gleich viel kultivierter wirken.
Rating: 3 von 5 fanatische Jünger fanden das auch irre gut.