1409127765_image01[1]

Selten fängt eine Review bei mir direkt mit einem Spoiler an, aber ihr müsst wissen, dass Damian ja mittlerweile eigentlich tot ist. Er starb in “Batman Incorporated” und ich habe die Ausgabe sogar gelesen, die ganzen Zusammenhänge aber nicht so richtig verstanden. Fakt jedenfalls ist, dass Damian tot ist und das ist sehr, sehr schade, weil er vermutlich einer der interessantesten Charaktere der Bat-Family war. Aber wie kann es denn nun einen eigenen Comic über ihn geben? Das erfahrt ihr natürlich in dieser Review.

Aber wer ist denn nun eigentlich genau Damian ?

Damian ist der Sohn von Talia al Ghul, der Anführerin der League of Assassins und Tochter von Ra’s al Ghul, und eben Bruce Wayne und falls ihr befürchtet, dass das alles irgendwie unsauber vonstatten ging, muss ich euch enttäusches: Talia ist tatsächlich ein Love Interest von Bruce Wayne. Es ist kompliziert.
Jedenfalls gebar (mehr oder weniger) sie (mehr oder weniger) Damian, der die ersten Lebensjahre (mehr oder weniger) damit zubrachte, von der Liga zum Killer und Nachfolger (mehr oder weniger… Comics sind so kompliziert ey) ausgebildet zu werden. Trotzdem gehört es aber eben auch dazu seinen Vater kennenzulernen, weswegen sich Bruce natürlich um ihn kümmern musste. Es folgten urkomische, bedrückende, tolle und beeindruckende Geschichten zusammen mit Batgirl Stephanie Brown, Dick Grayson als Batman, als Bruce Wayne sowas wie tot war (ich berichtete, zwei mal), und schließlich natürlich auch Geschichten, in denen Damian Robin wurde und Bruce Wayne Batman war, wie es eigentlich sein sollte. Und tatsächlich war Damian sehr kontrovers, weil er beispielsweise ein zehnjähriger, ausgebildeter Killer war und auch unter Batmans Führung gerne mal endgültigere Lösungen fand. Aber es hat Spaß gemacht. Sehr viel Spaß. So viel Spaß, dass sein Tod in “Batman Incorporated” #8 einfach viel zu trivial und echt unnötig war.
Allerdings hatte sich Grant Morrison vor einigen Jahren mal hingesetzt und eine Geschichte um einen erwachsenen Damian in einer alternativen Zukunft für “Batman” #666 geschrieben, in der er erwachsen wurde und sich die ikonische Kutte überzog. Andy Kubert hat das jetzt vor gar nicht allzu langer Zeit (Anfang 2014) erneut aufgegriffen und eine etwas umfangreichere Story daraus gestrickt, um die es hier gehen soll.

Das waren Informationen, wie ich sie von einem Comicblogger erwarte (wenn mich schon niemand lobt, tu ich das eben in schizophrenen Selbstgesprächen), aber wovon handelt der Comic denn nun?

Batman stirbt. Wiedermal. Dieses Mal ist es aber wieder Dick Grayson der einen auf Fledermaus macht, während Bruce in Rente gegangen ist. Dick wird nämlich Opfer einer Bombe, die irgendein Superschurke gelegt haben muss, weswegen sich Damian auf einen Rachefeldzug begibt und ein paar Hochkaräter umlegt, was natürlich gar nicht die Attitüde eines Batmans ist. Das versucht Bruce im Verlaufe der Geschichte mit Damian zu klären, woraufhin Bruce natürlich schwer verletzt wird und kurz nachdem Alfred ihn notoperieren konnte, wie er es schon so oft in seinem Leben getan haben muss, stirbt auch noch der treue Butler und das Herz der Bat-Family.
Damian , der davon sichtlich mitgenommen ist, wird ein bisschen verrückt und meint in einer Katze die Reinkarnation Alfreds zu sehen, woraufhin er Besserung schwört, ein weißes Cape umlegt und nun den gerechten Pfad der Batmen beschreiten will. Schnell entpuppt sich der Attentäter als der Joker, oder zumindest als jemand, der so aussieht, wie er, und für Damian wird es allein dadurch schwer, weil er versucht, niemanden mehr in seiner Rolle als Batman zu töten.

Hm. Funktioniert das so?

Am Ende des Comics fand ihn ihn wirklich nicht so gut, obwohl er schon sehr viele schöne Elemente hat. Ich mag das Motiv, dass der Sohn erst wirklich wachsen kann, wenn der Vater nicht mehr ist – das hat etwas Shakespearesques, wirkt allerdings ziemlich forciert und unnötig. Dafür ist das futuristische Gotham mitunter echt toll, die Nebencharaktere, dazu gehört auch Bruce Wayne, interessant und der Showdown am Ende ist natürlich auch äußerst spektakulär. Trotzdem nervt es ein bisschen, wie Damian mitunter agiert, weil es sich überhaupt nicht nach ihm anfühlt, sein Kostüm ist ziemlich hässlich und und dieser ganze Weg vom Robin mit Ecken und Kanten zum Batman, wie er sein soll, fühlt sich nicht wirklich organisch und eher gezwungen an. Vielleicht ist das das Problem einer kurzen Miniserie, vielleicht ist es aber auch einfach schlechtes Schreiben.
Was mich auch sehr stört ist, dass das alles dann auch noch so überheroisch präsentiert wird. Damians Posen sind auf Splashpages meist so überdefiniert, dass es schon ein bisschen lächerlich und wie frisch aus den 90ern wirkt. Ich sehe da weniger das Leiden eines jungen Mannes, der in die Fußstapfen seines Vaters treten und seinen Freund rächen will, als jemanden, der sich in diesem Leid suhlt und dadurch endlich die Gelegenheit bekommt, das zu tun, wofür er einst ausgebildet wurde. Aber da wird nicht gesagt, das wird auch nicht angedeutet. Das ist nur eine viel logischere Erklärung, die dann aber wieder nicht zum Ende passt. Wie gesagt, es könnte wirklich schlechtes Schreiben sein. Die transportierten Empfindungen der Figur passen während der Story nicht zu seinen Taten (ich glaube kaum dass Damian Bruce versehentlich tödlich verletzen kann. Das glaube ich einfach nicht. Sie sind beide schließlich keine blutigen Anfänger) und am Schluß nicht zum Ende. Irgendwie funktioniert das einfach hinten und vorne nicht.

1409127765_image10[1]

Und die Vorlage?

Eingangs sprach ich ja von der Geschichte aus “Batman” #666 von Grant Morrison, die prinzipiell das selbe Thema behandelt, aber eben doch alleine steht. Hier ist Damian bereits älter und in seiner Rolle als Batman geübt, wird aber trotzdem für einen Killer gehalten. Aber das ist eben in diesem Moment die Rolle, die er spielen muss. Ihr wisst schon, er ist eben der Held, den Gotham gerade braucht. Dafür ist aber auch wesentlich ruhiger, mehr im Reinen mit sich und seinen Wurzeln in zwei völlig unterschiedlichen Welten, trotzdem aber abgrundtief badass mit markigen One-Linern. Hier funktioniert das alles komischerweise, obwohl auch hier das Kostüm mega hässlich ist. Vermutlich, weil es das gleiche ist. Und Batman tötet, aber da ist es jetzt nicht an mir, das zu beurteilen.

Fazit: Mit der eigentlichen Story bin ich aus so vielen Gründen sehr unzufrieden. Es hat Potential und sehr viele schöne Elemente, was aber in meinen Augen durch grundlegende Ungereimtheiten total verspielt wird. Leider. Man hätte nämlich wirklich so viel Schönes daraus machen können. Der Batman of the Future, Terry Mcginnes, hätte vielleicht noch einen kurzen Cameo haben können, damit das alles runder wirkt. Dick hätte nicht so sterben dürfen, weil er einfach kein Idiot ist. Damian hätte erkennen müssen, dass der Joker dahinter steckt, wenn er einfach mal seine Augen aufgemacht hätte. Hätte, hätte, Fahrradkette. Mir fallen noch so viele andere, ich will fast sagen, Fehler auf, dass ich es kurz mache und sage: Ihr wisst jetzt, worauf ihr euch hier einlasst.

Kaufbar bei Amazon (Partnerlink) oder direkt bei Panini, mit Leseprobe bei mycomics.

Erscheint am: 09.09.2014
Seiten: 132
Format: Softcover
Original-Storys: “Damian: Son of Batman” #1-4, “Batman” #666
Autor: Andy Kubert, Grant Morrison
Zeichner: Andy Kubert
Preis: 16,99 €
U-Bahn-Lesetauglichkeit: Es ist mitunter schon ziemlich blutig. Ihr seid hiermit vorgewarnt.
Rating: 1 von 5 Sternen in Onlinebewertungsportalen, weil man da immer mindestens einen Stern geben muss, um kommentieren zu können.

Disclaimer: Vielen Dank an Panini für das Rezensionsexemplar