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Jeder meint es zu kennen, wenige haben es gelesen und vermutlich sind viele nach der Verfilmung von “Guardians of the Galaxy” schon mal über den Wikipedia-Artikel gestolpert und haben da nicht so viel verstanden. Aber jetzt hat Panini das glücklicherweise nochmal neu veröffentlicht, weswegen auch wir etwas später geborenen (oder wir, die wir uns erst etwas später wirklich für Comics interessierten) die Gelegenheit bekommen, dieses völlig abgefahrene, epische und komplizierte Event nachzulesen. Abgefahren, episch und kompliziert sind hier wirklich die Wörter der Wahl.

Wieso abgefahren?

Es kam, wie es kommen musste: Thanos hat den Infinity Gauntlet mit den Steinen besetzt und ist nun das mächtigste Wesen im Universum. Aus seiner unsterblichen Liebe dem personifizierten Tod gegenüber heraus bringt er erstmal die Hälfte aller Lebewesen im Universum um, denn das eigentliche Problem von Gevätterin Tod ist nämlich, dass es mittlerweile viel zu viele Lebewesen gibt. Aber das beeindruckt sie nicht wirklich. Es beeindruckt sie nicht einmal, dass er ihr einen Tempel baut und auch sonst noch einige “Wunder” bewirkt, eben weil er nun der Herr über die Realität ist. Thanos kann alles, ist alles und würde alles für ihre Liebe tun.

Aber wieso episch?

Im Laufe seines Handelns muss natürlich auch die Erde leiden, weswegen sich dieses Problems eines der mächtigsten Wesen annimmt: Adam Strange. Er hat einen Plan, ist an sich ein etwas wirrer Typ, will den verrückten Titanen aber zu Fall bringen. Aber wie kann man ein allmächtiges Wesen stürzen? Natürlich mit allen Helden und Göttern, die das Universum zu bieten hat. Nachdem nun aber eben auch auf der Erde ein Großteil der Lebewesen starben, sind davon nicht mehr so viele übrig. Trotzdem versammelt er ein paar Hochkaräter um sich (nennt mir einen Marvel-Helden und er ist dabei), um einen verzeifelten Angriff gegen Thanos anzuführen. Selbst die verschiedensten gottgleichen Geschöpfe, wie Galactus, der Beobachter und selbst Chaos und Ordnung (und es sind noch einige mehr) nehmen an der Schlacht teil. Da werden kuriose Mordmethoden ausprobiert (Knochen zu Gummi, ein Energiekubus um Cyclops’ Kopf, Ersticken für alle) oder es wird einfach mit bewohnten Planeten auf Thanos geworfen, es wird die Realität zum Bersten gebogen und alles, was ihr euch vorstellen könnt, um einen Gott zu töten, wird hier aufgefahren. Episch. Das Wort, dass das hier am besten beschreibt, ist einfach episch. Alle Helden und alle Götter gegen einen verliebten Titanen, der eigentlich nur geliebt werden will und dafür das Universum vernichten würde. Das hat schon etwas Romantisches.

Aber wieso denn nun kompliziert?

Das ist einfach der Fluch älterer Comics, deren Umstände man nicht so richtig auf dem Schirm hat. Beispeilsweise ist uns heute die Bedeutung von Adam Strange nicht mehr so richtig gewahr und auch Mephisto, der Thanos die ganze Zeit ins Ohr flüstert, erschien mir nie bedeutend. Irgendwie hat Thanos auch einen Bruder, den er zwischendurch immer mal wieder ein bisschen quält, auf seinen Thron fesselt und leiden lässt. Und dann ist da auch noch Nebula, die wir vielleicht aus dem Guardians-Film kennen, die hier aber noch seine Enkeltochter ist, die er ebenso gerne quälte, bis sie zu einem wahnsinnigen Zombie wurde. Und Thor ist irgendwie auch nicht der richtige Thor, aber an der Stelle wollte ich gar nicht weiter nachfragen und hab das einfach registriert und ignoriert. Ein größeres, aber auch kein wirklich großes, Problem sind da vielleicht eher die ganzen Gottwesen, die man nicht unbedingt alle kennt.

Aber ist es wirklich so gut?

Scheiße ist das gut. Selbst, wenn man die komplizierteren Teile einfach so hinnimmt und ein bisschen missachtet, hat man hier immer noch einen Comic, in dem auf Thanos bewohnte Planeten geschmissen werden, in dem er sich eine Liebessklavin baut, einfach alle Helden umbringt und einfach nicht aus der Friendzone rauskommt, obwohl er doch das mächtigste Wesen in der Existenz ist. Ich glaube selbst, dass ‘episch’ dem hier nicht ganz gerecht wird, weil es eben nicht nur das ganze Universum betrifft, sondern die Existenz selbst. Und das ist schon ganz schön cool.
Aber manchmal fühlt es sich eben doch so an, als würde man hier mit Planeten auf Leute schmeißen. Eben etwas geradlinig, stumpf, wenn nicht sogar simpel. Bei all der Epicness versucht man hier eben nicht subtil zu sein. Manchmal fühlt es sich sogar so an, als wolle man einfach nur möglichst viele Leute auf kuriose Art und Weise umbringen. Versteht mich nicht falsch, das ist ganz schön unterhaltsam, aber es ist eben kein großartiges Schreiben. Es ist cooles Schreiben.
Das Ende allerdings, so vorhersehbar es vielleicht auch sein mag, das mochte ich dann wirklich.

Kaufbar bei Amazon (Partnerlink) oder direkt bei Panini, leider ohne Leseprobe.

Erscheint am: 16.09.2014
Seiten: 260
Format: Softcover
Original-Storys: “Infinity Gauntlet” #1-6
Autor: Jim Starlin
Zeichner: George Pérez, Ron Lim
Preis: 19,99 €
U-Bahnlesetauglichkeit: Setzt euch lieber zuhause in den Lesesessel. Zu viel Epicness ist in der Öffentlichkeit nicht gut.
Rating: 4 von 5 auf Thanos zertrümmerte Planeten