2014-11-09 20.46.55

Vermutlich eher ein paar Tage später, aber was ich noch weiß, vermutlich eher aus Erzählungen, ist, obwohl ich damals erst drei Jahre alt war, dass mein Papa erstmal für eine Weile verschwunden war und niemand wusste, wo er eigentlich abgeblieben war, bis er ein paar Tage später müde und glücklich nach Hause kam, während ich das ganze auf dem Schoß meiner Mutter im Fernsehen verfolgte. Und heute? Heute wohne ich in Westberlin, war gestern in Charlottenburg feiern, arbeite mit westdeutschstämmigen Leuten zusammen und kann sagen, denken und konsumieren, was ich möchte. Meine Arbeit macht Sinn und wenn ich Lust hätte, könnte ich einmal quer durch Europa reisen, wohnen, wo ich möchte und könnte meinen Nachbarn problemlos erzählen, dass die Uhr im Fernsehen Striche hat.

Aber selbst 25 Jahre nach dem Mauerfall muss ich mir immer noch blöde Ossiwitze anhören, als seien sie hohe Humorkunst und die blühenden Landschaften sind dann auch eher in Reih und Glied stehende Fichtenwälder geworden. Und jetzt so langsam kommt man auf die Idee, dass die DDR vielleicht doch ein Unrechtsstaat gewesen sein könnte und dass der ganze Kram, den die Russen zurückgelassen haben, als sie das Land verließen, möglicherweise doch mehr wert gewesen sein könnte, als die obligatorische Mark, für die man damals Fabriken, Ländereien und Patente gekauft hatte. Von der Mark hab ich aber auch nicht so viel gesehen, obwohl das doch eigentlich alles Volkseigentum war, oder?

Ganz abgesehen davon, dass ich als in der DDR Geborener genau genommen nicht mal eine Verfassung habe, hieß es doch noch lange nach der Wende, dass man sich mal wegen einer neuen Verfassung für beide Staaten zusammensetzen wolle. Aber sowas vergisst man schon mal, wenn man eine Wiedervereinigung eher wie eine Angliederung behandelt.

Trotzdem müssen wir alle sehr glücklich sein, dass es so lief, wie es lief, auch wenn danach viel falsch gemacht wurde und Ostdeutschland heute immer noch eher Ostdeutschland, als der Osten Deutschlands, ist. Als Ossi wird man vielleicht noch oft belächelt und vielleicht nicht für ganz voll genommen, aber vielleicht dauert eine Wiedervereinigung auch genauso lange wie die Trennung. Wenn dem so ist, dann dürfte ich in ein paar Jahren vielleicht den letzten Ossiwitz gehört und mich an der Stelle zum letzten Mal darüber aufgeregt haben.

Und das Kuscheltier, das ich für das Begrüßungsgeld bekam, ist übrigens auch das Kuscheltier, das heute immer noch in meinem Bett wohnt. Darauf möchte ich gerne meine Coca Cola erheben und mit euch anstoßen.