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Die Weihnachtsgeschichte nach Lukas kennt vermutlich so gut wie jeder und natürlich wissen wir auch, dass es da einige strittige Punkte gibt. Vielleicht deswegen, vielleicht aber auch aus ganz anderen Gründen, hat sich Frank Flöthmann wohl gedacht, sie in seiner beliebten Art neu zu interpretieren. Diese Art besteht nämlich daraus Geschichten gänzlich ohne Worte und eher in piktogrammähnlichen Bildern zu erzählen, die über eine ganz eigene Form des Humors verfügen. Diesen stellte er ja schon in ähnlichen Werken, wie “Grimms Märchen ohne Worte” und “Männer ohne Worte”, unter Beweis und nun meldet er sich passend zum Weihnachtsfest zurück!

Das kann doch kein Zufall sein!

Vermutlich nicht, aber der Comic hilft einem vielleicht auch ein bisschen bei dem ganzen Weihnachtsstress trotzdem den Humor zu wahren. Denn wenn sogar die heiligen drei Könige als drei verplante Typen dargestellt werden, die blöderweise dem falschen Kind die tollen Geschenke machen und dem kleinen Jesus am Ende nur irgendwelchen Unsinn schenken, den sie gerade noch auftreiben konnten, und wenn die Familie Christus eher eine moderne Patchwork-Familie ist, dann kann man sicherlich auch die zwangsläufig auftretenden Spannungen in der eigenen Familie weglächeln.
Die Bilder an sich bestechen vor allem durch ihre komplexe Einfachheit. Über das ein oder andere muss man einen Moment länger nachdenken, schließlich werden hier absolut keine Worte, sondern höchstens Symbole und überdeutliche Gesichtsausdrücke, benutzt. Das macht es manchmal ein bisschen schwierig, was allerdings keine Hürde, sondern viel mehr eine Herausforderung ist und den Comic ein bisschen nachhaltiger macht, als er es beispielsweise mit noch eindeutigeren Symbolen oder gar Text wäre. Das ist eben auch ein bisschen der Charme des Werks. Und wenn man dann noch bedenkt, dass das alles in nur vier Farben (rot, blau, schwarz, weiß) geschieht, erkennt man hier ganz schön hohe Erzählkunst. Denn wie heißt es so schön? Wer etwas zu sagen hat, braucht nicht viele Worte.

Fazit: Das einzige, was man dem Comic nachsagen kann, ist, dass er vielleicht ein bisschen kurzweilig ist. Der Humor ist zwar sehr gut entwickelt und umgesetzt und bei manchen Szenen spürt man regelrecht, wie viel Frank Flöthmann darüber nachgedacht haben muss, dennoch kommt es einem am Ende etwas dünn vor. Sicherlich kann das auch ein trügerischer Eindruck sein, ist Sprache und Bild doch absolut bewusst gewählt, am Ende ist es dann aber doch ein Buch, das man relativ schnell durchgelesen (ich wollte nicht ‘geblättert’ sagen, weil das an der Stelle zu abfällig klänge) hat. Das tut der hohen Qualität aber keinen Abbruch und am Ende hat es ja doch viel Spaß gemacht.

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Erschienen am: 01.10.2014
Seiten: 168
Format: Hardcover
Titel: Stille Nacht – Die Weihnachtsgeschichte ohne Worte
Künstler: Frank Flöthmann
Preis: 14,99 €
U-Bahn-Lesetauglichkeit: Endlich mal eine Weihnachtsgeschichte, die nicht eurer Street Credibility schadet
Rating: 3 von 3 heiligen Königen fanden das toll