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Den Hexer Geralt von Riva kennt man natürlich hierzulande vor allem als Held der Rollenspielserie “The Witcher”, allerdings war es lange davor auch schon eine Buchserie, geschrieben von Andrzej Sapkowski, die tatsächlich auch sehr unterhaltsam ist, wenn ich das nach dem Genuss des ersten Bandes so sagen kann. Den musste ich nämlich unbedingt lesen, nachdem ich den ersten Teil der Spielserie so mochte. Also kann ich zusammenfassend sagen, dass das Spiel gut ist und die Bücher sehr gut sind, aber kann da auch der Comic mithalten? Erfahrt es in folgender Review.

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Muss man vorher sehr viel wissen, um den Comic lesen zu können?

Ich glaube an der Stelle ist es ein bisschen sinnvoll, wenn man vorher weiß, was Geralt eigentlich für ein Typ ist. Allerdings ist das relativ schnell erzählt, und zum Teil tut er das im Comic auch selbst, weswegen eigentlich nicht wirklich viel Wissen vorrausgesetzt werden muss. Wichtig zu wissen ist halt, dass Geralt ein Hexer ist. Zu diesem wurde er mittels eines geheimen Rituals, das ihn widerstandsfähiger, stärker und mächtiger machte, um die Menschenwelt vor den Schrecken zu bewahren, die in der Dunkelheit lauern. Das ist so das Ding von dem Hexer-Orden und für den Kampf ist er mit einem magischen Amulett, das vibriert, wenn mächtige Zauber in der nähe gewirkt werden, und einem Eisenschwert für natürliche Gegner und einem Silberschwert für übernatürliche Gegner ausgerüstet. Viel wichtiger zu wissen ist allerdings, dass Geralt ein ziemlicher Arsch ist, Monstren nur für Geld tötet, gerne auch mal zu viel trinkt, der holden Weiblichkeit nicht abgeneigt ist und an sich auch eher ein düsterer Typ ist. Aber das liegt vermutlich auch an der Welt, die jedem ehrlichen Menschen ins Gesicht spuckt und in den Schatten zerreisst. Ihr seht also, die Welt von Geralt ist nicht von Feel-Good-Fantasy umspannt. Viel mehr hat man dort Glück, wenn man überhaupt ein hohes Alter erreicht.

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Wer im Glashaus sitzt sollte nicht mit Steinen werfen

Ich weiß auch nicht so genau, was hie das Glashaus sein soll, weil das einzige Haus, das hier auftaucht, eigentlich eine verfluchte Villa in einem ebenso verfluchten Wald ist. In diese Villa gerät Geralt mit einem Emeriten namens Jakob, den er auf seinen Reisen aufgabelt. Dieser erzählt ihm, dass er einst mit seiner Frau Marta zusammen lebte, diese aber von Bruxae (sowas wie Vampire) in ebenso eine verwandelt wurde und sie ihn nun stalkt. Er wagt es nicht, sich ihr zu stellen und akzeptiert die Situation, in der die beiden sich nur aus der Ferne anschmachten, aber nie zusammen sein können. Geralt begleitet ihn ein Stück, mitten durch den verfluchten Wald, wo sie von einer Grabhexe (eine ekelhafte, frauenähnliche Gestalt, die die Leichen vermutlich nicht nur frisst) und einer anderen Gestalt gejagt werden, bis sie in eben jene Villa geraten. Und genau da fängt es erst an gruselig zu sein. Eine Succubus gesellt sich zu den beiden, die dort wohl schon länger gefangen ist, unfähig das Haus ob der Monstren zu verlassen, und von Zeit zu Zeit lässt sich auch die Frau des Emeriten blicken. Geralt ist natürlich ziemlich verwirrt, nutzt aber die Gelegenheit das Haus zu und auch den Succubus zu erkunden (wenn ihr versteht – Knickknack), während die einzige, die Licht in das Dunkel bringen kann, Marta ist.

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Aber kann das mit den Büchern mithalten?

Während der Einband des Comics selbst sagt, dass er eher auf den Spielen basiert, empfinde ich doch eher, dass es den Büchern wesentlich näher ist. Die Gesichte ist eben auch vergleichsweise kurz (die Bücher sind eher Sammlungen kurzer und längerer Geschichten), steigt mitten im Geschehen ein und endet ebenso abrupt. Abgesehen davon fühlt es sich wirklich nach einer Geschichte des Hexers an, auch wenn es nicht von Sapkowski selbst stammt. Dafür wurde es aber von Joe Querio gezeichnet, der auch schon bei Mike Mignolas Hellboy mitarbeitete und gerade der Stil tut der Story wirklich außerordentlich gut. Es ist düster, bedrückend, meistens ist alles Schatten und an den richtigen Stellen sind die Panels eher stilisiert, als genau ausgearbeitet, was das Feeling, sich in einem verfluchten Haus zu befindet, total unterstützt.
Ich mag die Welt vom Hexer schlichtweg und tatsächlich hat der Comic dafür gesorgt (und vermutlich wird es euch ähnlich gehen), dass ich eher Lust auf die Bücher, denn auf die Spiele bekommen habe. Vielleicht ist es gut, wenn man weiß, auf was man sich mit dem Comic einlässt, aber ich bin mir auch ziemlich sicher, dass es niemand bereut, der auf der Suche nach einem kantigen Antihelden in einer düsteren Fantasywelt ist, in der die Menschen meistens die eigentlichen Monster sind.

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Erscheinungsdatum: 08.12.2014
Seiten: 132
Format: Softcover
Original-Storys: “The Witcher” #1-5
Autor: Paul Tobin
Zeichner: Joe Querio
Preis: 16,99 €
U-Bahnlesetauglichkeit: Auch wenn es ein bisschen sexy und gory ist, ist das alles auch gut in der Öffentlichkeit lesbar
Rating: 5 von 5 wandelnden Toten folgten der Grabhexe erst, als sie diesen Comic ausgelesen hatten