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In einer nicht allzu fernen Zukunft gibt es keine Filmstars mehr, keine weltbekannten Musiker und sonstige Promis – Köche sind der heiße Scheiß. Die Leute tun alles, um einen Platz in den angesagtesten Restaurants zu bekommen, die Wartelisten sind über Jahre gefüllt und in Los Angeles gibt es genau zwei Top-Köche, welche die Stadt unter sich aufgeteilt haben. Klar, dass das in Mafia-Methoden endet, damit sie ihre Macht weiter ausbauen können. Und mitten in diesem Konflikt befindet sich Jiro, ein Sushi-Chef aus den äußeren Bezirken der Stadt, der so gut ist, dass ihn jeder in seinem Team will. Aber Jiro hat natürlich ganz eigene Pläne.

Aber was sind das denn für Pläne?

Jiro ist der wohl beste Sushi-Chef, den man in der Gegend von L.A. finden kann, kann es aber gar nicht sehen, wenn man seinen Gerichten nicht genügend Achtung entgegen bringt. Wer beispielsweise nach California Rolls verlangt oder sein Wasabi in die Soja-Sauce mischt oder gar das ganze Maki in die Sauce tunkt oder auch nur das Nigiri falsch herum hält, kann schon mal einen Kopf kürzer gemacht werden. Buchstäblich. Aber das ist okay, die Welt akzeptiert das und die Cops wollen sich lieber nicht mit Köchen anlegen, die ihr Metier so ernst nehmen.
Nun gibt es da aber noch zwei weitere Chefköche und die sind der wirkliche Deal. Sie beherrschen die Stadt und haben ihr ihre eigenen Regeln aufgedrückt. Auf der einen Seite haben wir einen klassischen Koch, deren Gerichte vor Simplizität strotzen und gerade dadurch zu etwas großartigem werden, und auf der anderen Seite haben wir die Vertreter der regionalen Küche, ausschließlich vegan und mit überkorrekt produzierten Zutaten geschaffen. Als es die Runde macht, wie gut Jiro ist, wollen ihn natürlich beide in ihrem Team wissen, allerdings will er mit beiden gar nichts zu tun haben und genießt lieber die Küche unbekannterer Köche, die nicht kochen, um ihre Macht zu erweitern, sondern weil es ihnen einfach Spaß bereiten und sie die Sache an sich lieben. Also fasst er den Plan, die beiden Fraktionen gegeneinander auszuspielen und das wird natürlich höchst blutig in einem Bandenkrieg mit vielen, vielen, sehr vielen Opfern enden.

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Kochen also…

Das ist ein bisschen merkwürdig, macht in der Welt des Comics aber durchaus Sinn. Tatsächlich wurde es ja auch von Anthony Bourdain geschrieben, der selbst ein bekannter Koch ist (oder zu sein scheint – ich kenne mich da nicht so aus), weswegen das Motiv hier natürlich klar ist. Trotzdem muss sich der Comic natürlich auch einem bekannteren Vertreter des Themas zum Vergleich stellen: „Chew„. Schließlich ist Essen auch da das eigentliche Thema, das zu verschiedensten Wirrungen führt. Im direkten Vergleich ist Chew tatsächlich aber wesentlich besser, was aber eigentlich auch nur an den Dingen liegt, die mir in diesem Comic hier nicht so zusagen. Es ist aber nicht die übertriebene Gewalt, die hier gepflegt wird, denn die macht wirklich noch am meisten Spaß. Eher sind es die eher zweidimensionalen Charaktere, zu denen ich keinen wirklichen Bezug aufbauen kann und die Zeichnungen… Nun, die Stellen, in denen Speisen zubereitet werden sind sehr schön detailiert und toll in Szene gesetzt, aber alles zwischendurch wirkt ein wenig leblos. Die Gesichtsausdrücke wirken fahl und ausdruckslos, die ganze Story wirkt sehr gradlinig. Das Ziel von Jiro wird ziemlich schnell klar und sicherlich gibt es auch den ein oder anderen kleinen Rückschlag, der allerdings kaum das Erreichen des Ziels beeinflusst. Und wie eine zu wenig gewürzte Hauptspeise im Bistro um die Ecke schmeckt auch dieser Comic ein bisschen lasch. Irgendetwas fehlt. Nicht unbedingt Salz, aber vermutlich die Zutat, die in jedem Gericht wichtig ist: Liebe.

Fazit: Es ist allerdings schon ganz nett. Ich mag die Idee von Köchen als Superstars und ich mag die Szenen, in denen normale, doofe Leute die ihnen gereichten Speisen nicht zu würdigen wissen, eben weil sie zu doof dafür sind. Ich mag auch, dass das Thema guter Ernährung über einen Comic transportiert wird, auch, wenn das ein bisschen zu kurz kommt, und ich mag sicher auch die ganzen Gewaltdarstellungen. Am Ende fehlt mir aber doch das gewisse Etwas, was den Comic wirklich gut machen würde. Nach dessen Genuss ist man nämlich direkt eine halbe Stunde schon wieder hungrig auf etwas richtiges. Sehr nett sind aber die Vorworte der deutschen Starköche Ole Plogstedt und Ralf Jakumeit.

Kaufbar bei Amazon (Partnerlink) oder direkt bei Panini, mit Leseprobe bei mycomics.

Erscheint am: 25.11.2014
Seiten: 160
Format: Hardcover
Original-Storys: „Get Jiro!“
Autor: Anthony Bourdain, Joel Rose
Zeichner: Langdon Foss, José Villarrubia
Preis: 19,99 €
U-Bahnlesetauglichkeit: Das kann man durchaus machen. Es ist ja nur ein bisschen Gewalt.
Rating: 2 Mal Menü 5 bitte.

Disclaimer: Vielen Dank an Panini für das rezensionsexemplar