Am Freitag wurde ja auf Netflix „Daredevil“ veröffentlicht und weil es eben auf Netflix läuft, wurde die erste Staffel komplett in den Äther gepustet. Das wiederum bedeutet, dass ich die 13 Folgen quasi bereits am Samstag fertig hatte (man nennt das binge watching, ich nenne es marathonen) und jetzt muss ich euch natürlich noch kurz erzählen, wie gut das eigentlich ist.

Dass es mindesten sehr, sehr gut ist, war eigentlich abzusehen, weil hinter der Produktion zum Einen Netflix steht, deren Originals so ziemlich alle ganz schön gut sind, und zum anderen eben auch Marvel, die ihr Cinematic Universe mit der Serie auf den Small Screen erweitern. Und wer auf die Marvel-Filme der letzten Jahre steht, wird hier natürlich sehr hohe Erwartungen haben und ich kann euch als ebensolcher versichern, dass sie auf jeden Fall erfüllt werden. Während der Vorspann (ihr seht ihn ganz oben) selbst schon total hübsch ist, war es dann doch die folgende Szene aus der zweiten Folge, die mich die Serie schlagartig lieben ließ (keine Sorge, keine Spoiler):

Klar ist es erstmal nur eine Szene, in der Daredevil, der zu dem Zeitpunkt noch „The Masked Man“ genannt wird, ein paar Leute verprügelt. Wäre da allerdings noch irgendwo ein Hammer dabei gewesen, hätte ich wie ein kleiner Fanboy gequiekt, habe mich trotzdem aber einfach an der irre guten Choreographie erfreut. Immerhin wird Daredevil hier auch mal sichtlich müde und ist eben nicht der Überheld, der sich konstruiert wirkenden Hindernissen in den Weg stellen muss, um irgendwie Spannung in die Serie zu bringen. Daredevil ist nämlich einfach nur ein Typ. Zwar besitzt er auch die ein oder andere Superkraft, am Ende des Tages ist er aber eben doch nur ein Typ, dem ein Schlag ins Gesicht genauso weh tut, wie jedem anderen.

Die angesprochenen Fähigkeiten umfassen natürlich seine Akrobatik, seine schärferen Sinne, die Fähigkeit durch Meditation schneller zu heilen und natürlich sein Radarsinn, der ihn die Welt quasi irgendwie doch sehen lässt. Nur eben besser und manchmal eben schlechter.

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Aber obwohl man sich natürlich freut, wenn Daredevil über Häuserdächer springt und Leute verprügelt, sind es eben aber auch die Story und die Charaktere, die dem ganzen erst die richtige Würze geben. Foggy Nelson ist entgegen meiner Erwartungen mit Elden Henson (der eine Typ aus dem ersten „The Butterfly Effect“) erstaunlich gut gecastet und die Figur selbst ist auch viel mehr, als nur der doofe, unwissende Freund, der an der Nase herumgeführt wird. Natürlich auch Karen Page, Langzeitgeliebte von Daredevil in den Comics und besetzt mit Deborah Ann Woll (der einzige Grund, warum ich überhaupt so lange „True Blood“ geschaut habe), ist eine erstaunlich vielschichtige Figur. Natürlich macht Charlie Cox als Daredevil seine Sache auch echt ordentlich, aber am herausragendsten ist natürlich Vincent D’Onofrio als Kingpin (Private Paula!). Der ist natürlich an sich schon ein irre guter Schauspieler, aber hier, ey, Freunde, Wahnsinn! Die Figur gibt es aber auch echt her, wobei man manchmal nicht weiß, ob man ihn bemitleiden oder hassen soll. Allerdings entscheidet man sich da auch ziemlich schnell für eine Seite.

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Aber es sind, wie bei Marvel-Produktionen typisch, eben auch die kleinen Details, die das ganze Universum erst komplett machen. Seien es die Zeitungsausschnitte hinter Ben Urichs Schreibtisch, die vom Kampf der Avengers in New York zeugen (das wird auch manchmal angesprochen) oder Claire, die Krankenschwester (Rosario Dawson ey, alles mit Rosario Dawson ist mindestens super), die Matt Murdock ab und zu mal verarztet, die ihn Mike nennt (Mike war der ausgedachte Zwillingsbruder, den Matt sich in den Comics ausdachte, um seine Identität zu wahren – es ist kompliziert), weil er ihr seinen Namen nicht verraten kann oder will. Aber es gibt auch noch so viele kleine, kaum auffallende Eastereggs in der Serie. Beispielsweise die Beine vom Stilt-Man in der Werkstatt des Schneiders, Stan Lees Cameo als kleines Bild an der Wand hinter dem Polizisten in der letzten Folge, allein der Name Leland Owlsley (auch Owl genannt, der auch ein Schurke aus der Ecke ist), der eine rote Ninja, der aber sowas von Mitglied von The Hand ist, und natürlich Steel Serpent, was später nochmal relevant werden wird (you’ve read it here first). Gegenüber des Büros von Nelson & Murdock befindet sich übrigens auch noch eine Firma namens ATLAS irgendwas. Wissende wissen vielleicht, dass Atlas Comics irgendwann mal zu Marvel Comics wurde.
Vermutlich gibt es aber noch viel, viel mehr Eastereggs – das sind nur die, die mir beim ersten Mal schauen auffielen. Und war Elektra nicht auch Griechin?

Rambling on the internet

Die Story der Serie jedenfalls: Großartig. Ich hatte die Hoffnung, dass Daredevil sich um vergleichsweise kleine Probleme (im Vergleich zu einer Invasion aus einer anderen Dimension) kümmert, weil Daredevil so für mich am besten funktioniert, und wurde hier echt nicht enttäuscht. Dazu noch die tollen Bildkompositionen, die tollen Darsteller, die tolle Story, alles ist toll und ich bin glücklich und zufrieden, als hätte ich einen Aal getrunken. Ihr könnt natürlich weiterhin euer hochglanzpoliertes, weichgespültes „Arrow“ oder „Flash“ schauen. Ich drehe dann lieber nochmal eine zweite Runde in „Daredevil“.

Allerdings möchte ich den Artikel nicht schließen, ohne euch noch ein paar Lesetipps mit auf den Weg gegeben zu haben, damit ihr diesen Helden noch ein bisschen weiter erforschen könnt.

Daredevil: Season One

„Daredevil: Season One“ (ich hatte das hier mal rezensiert) bietet sich da direkt an, weil es auch nochmal die Origin erzählt, dabei aber absolut kein Vorwissen erfordert. Es ist ziemlich okay und sicher mal einen Blick wert, sofern ihr euch das gelbe Kostüm gewöhnen könnt.

Daredevil by Mark Waid – Volume 1 (Daredevil; The Devil Inside and Out)

Der letzte Run von Mark Waid und Chris Samnee ist schlichtweg großartig, ist das doch die Serie, die mich mit Daredevil erst so richtig angefixt hat. Da oben seht ihr die erste Ausgabe und ingesamt gibt es glaube ich sieben, die ich euch alle nur wärmstens ans Herz legen kann. Wenn ihr meine zweiwöchentlichen Comicartikel lest, werde ihr aber vermutlich schon wissen, wie sehr ich auf die Serie abgehe.
Wenn ihr die Serie auf Amazon sucht, müsst ihr ein bisschen aufpassen, weil man eben schnell mit dem zweiten Run, der das selbe Creative Team hat, durcheinander kommt. Aber ihr kriegt das schon hin.

Daredevil: End of Days

Geschrieben von Brian Michael Bendis ist „End of Days“ zwar auch eine Daredevil-Story, allerdings dreht sie sich um den auch in der Fernsehserie auftauchenden Ben Urich, der den Tod von Daredevil untersucht und auf so einige Ungereimtheiten stößt. Ich weiß nicht in wie weit die Geschichte ins reguläre Universum passt (vermutlich gar nicht), aber sie war irre gut geschrieben, hatte unglaublich viele Wendungen und ein echt tolles Ende.

Disclaimer: Alle Amazonlinks sind Partnerlinks, aber ihr könnt ja auch einfach selbst nach den Comics suchen