Ich gebe zu, dass der Titel eigentlich nur eine Aneinanderreihung von Schlagworten ist, die die ersten Tage meines Fastens prägten. Im Grunde ist das alles gar nicht so schwierig: Süßigkeiten kann ich ganz gut mit Nüssen (na ja Erdnüssen – gegen so ziemlich alle anderen reagiere ich immer noch super allergisch) und Obst (na ja Mandarinen und Bananen, siehe Nüsse) substituieren, die Verminderung des Kaffeekonsums klappt ziemlich gut und auf Fleisch zu verzichten war eigentlich noch nie ein großes Problem. Interessant wird es nun aber beim anderen Fastenziel (lasst uns die Idee mit den Liegestützen bitte ignorieren); dem Verzicht auf Alkohol.

Grundsätzlich sollte man meinen, dass der Verzicht auf irgendwas eigentlich gar kein so großes Problem darstellen sollte, weil man doch eigentlich nur etwas nicht tun muss. Etwas nicht zu tun ist ja meistens einfacher als etwas zu tun. Erinnern wir uns kurz an das erste Newton’sche Axiom:

Ein Körper verharrt im Zustand der Ruhe oder der gleichförmig geradlinigen Bewegung, sofern er nicht durch einwirkende Kräfte zur Änderung seines Zustands gezwungen wird.

sagt Wikipedia

Wenn man mir diesen gewaltigen Spagat zwischen klassischer Physik und menschlichem Verhalten, ohne nennenswerte Ausbildung in einer der beiden Disziplinen, gestattet, erklärt das ziemlich gut, warum man ganze Wochenenden auf dem Sofa verbringen kann, aber auf einmal die ganze Wohnung durchputzt, wenn man sich erstmal aufgerafft hat.

Ziemlich ähnlich fühlt es sich für mich auch mit dem Verzicht von Dingen an.
Wie ich ja neulich erst schrieb, erwartete mich am Samstag ein Konzert einer Band, die ich unglaublich gern habe und die ich auch live super gut finde. Auf der anderen Seite kann ich mich aber tatsächlich nicht daran erinnern, wann ich eigentlich das letzte Mal nüchtern auf einem Konzert war. Wir reden hier nicht von sturzbetrunken, sondern tatsächlich auch von nur einem oder zwei Bieren. Ich glaube, es muss irgendwann mal im Jahre 2005 oder so gewesen sein, als meine Fahrerlaubnis noch neu war und interessante Konzerte ein paar Dörfer weiter stattfanden, aber genauer kann ich es wirklich nicht sagen.

Ich muss sagen, es war ungewohnt. Statt direkt mit einem Wegbier vom Späti anzufangen, in der Venue direkt zur Bar zu stiefeln und nach der Vorband vielleicht nochmal und dann auf dem Heimweg womöglich noch ein Wegbier zu trinken, trank ich einfach keins. Ich probierte in einer Bar vorher eines dieser alkoholfreien Biere aus und war ziemlich überrascht, wie gut es tatsächlich schmeckte (es war ein Warsteiner alkoholfrei und es schmeckt ungelogen wie ein weniger süßes Malzbier! Ich bin ja begeistert!). Alkoholfreie Cocktails, muss ich gestehen, sind ja nicht so mein Ding. Es schmeckt im Grunde alles nach dem, was es ist – Saft mit Eiswürfeln.

Aber das Gefühl ist schon ein anderes. Ich erwischte mich dabei, wie mich die Leute da ein bisschen mehr als gewöhnlich nervten. Dieses ganze unfreundliche Gedrängel immer ist einfach belastend, aber es kann auch sein, dass da jetzt besonders nervige Arschlöcher waren (Tatsächlich war da genau ein besonders nerviges Arschloch). Die Musik macht in etwa genauso viel Spaß, aber es ist schon nicht von der Hand zu weisen, dass Alkohol enthemmend wirkt und wer behauptet, auch ohne Alkohol Spaß zu haben, erzählt aus meiner Wahrnehmung echt Unsinn (wenn das ‚auch‘ betont wird). Man hat anders Spaß, geht dann einfach irgendwann nach Hause und trinkt noch einen Tee, damit man danach gut einschlafen kann, und fällt nicht einfach ins Bett und wundert sich am nächsten Morgen, wer einem eigentlich den Schlafanzug angezogen hat. Ich glaube, ich habe gelernt, dass nichts von beidem schlechter oder besser ist, es ist unterschiedlich und beides ist weder schlimm noch gut. Beides ist einfach nur.

Um den Bogen wieder zu Newton zu spannen: Eine gewisse Gewohnheit bei Dingen entspricht im übertragenen Sinne auch einem Körper in Ruhe. Man macht die Dinge halt wie man sie immer gemacht hat, weil sie vermutlich bewährt sind und nie eine Kraft von außen etwas daran rüttelte. Um etwas zu ändern oder um sich zur Selbstreflektion zu motivieren, muss diese Kraft manchmal einfach von innen kommen und ehrlich gesagt fühlt sich das ziemlich gut an.

Wie bekannt sein dürfte ist sonntags ja mein Fastenbrechertag und da gab es zur Belohnung neben Kaffee (viel) auf einen dieser Wunderbar-Riegel, den uns hier Saitama (bitte ruhig neidisch auf diese tolle Actionfigur sein) schmachtend präsentiert. Der Riegel war ok.